Engel statt Bengel

Nik Herb In Asien verwechselt man ihn mit Rod Stewart, in Deutschland verehren ihn Grossmütter wie Teenager, in der Ostschweiz flitzt der Videojournalist mit der Handkamera durch die Clubs. Eine Begegnung mit Nik Herb. Roger Berhalter

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Nik Herb ist schwer zu fassen. Der Moderator und Fernsehproduzent steht selten still. Er begleitet die Miss-Ostschweiz-Kandidatinnen mit der Kamera ins Wellnesshotel. Er moderiert eine Modeschau auf der Insel Mainau und berichtet vom Modelcontest aus der St. Galler Shopping Arena. Er filmt Wale unter Wasser und stürzt sich mit dem Mikrophon aus dem Flugzeug. Er dreht einen Werbefilm fürs Kunstmuseum Bern. Er berichtet als Videojournalist aus St. Gallen über das Jürgen-Drews-Konzert im Glow und über ein DJ-Set von Mirkolino im Elephant.

Frisur aus den 80ern

Auch den Connyland-Song für den gleichnamigen Vergnügungspark hat Herb in seinem Studio in Konstanz komponiert. «Wenn du den Park besuchst, kommst du um meine Stimme nicht herum», sagt er. Der 42-Jährige sitzt in einem Restaurant in Amriswil, trägt ein rosa T-Shirt, weisse Hosen, ein Goldkettchen am rechten Arm, den Ehering an der linken Hand, und sieht aus, als komme er gerade aus den Ferien. «Ich bin Nichtraucher und Nichttrinker und war acht Jahre lang Vegetarier», sagt er mit seiner geschulten Radiostimme.

Natürlich trägt der Konstanzer auch seine Markenzeichen, das weisse Dächlikäppli und vor allem: die Frisur. «Ende der Siebziger trug ich noch Dauerwelle», erzählt Herb. «Mit fünfzehn kamen die Haare runter, ein richtiger Militärschnitt war das. Als sie dann wieder wuchsen, stellte sich heraus: Sie stehen!» Also blieb Herb dabei: Vorne eine nach oben geföhnte Stromfrisur, hinten lange Fransen. Ein Look, den er bis heute beibehalten hat. «Der Aufwand hält sich in Grenzen. Und ich sehe keinen Grund, warum ich mich ändern sollte.»

Den Promis auf den Fersen

Nik Herb ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Mediengeschäft. Ende der 80er-Jahre war er noch als Musiker tätig und mit einem Duo namens Matrix unterwegs. «Da haben wir auch in viele Radiostudios reingeschaut», erinnert er sich. Er bekam Lust, die Seite zu wechseln, selber zu moderieren, lernte Rundfunkredakteur beim damaligen SFB, dem heutigen Radio Seefunk in Konstanz. «Dort habe ich jahrelang die Jugendschiene moderiert.» Später wechselte er zum Fernsehen, rückte für deutsche Privatsender den Promis auf die Pelle. Das ging gut, bis zu einem Interview mit Maria Schell. «Der Sender wollte Bilder, auf denen sie ausrastet», erinnert sich Herb. Also drückte er Record und provozierte die Schauspielerin so lange, bis sie genervt in die Offensive ging. Die gewünschten Aufnahmen waren im Kasten – doch Herb fühlte sich schlecht: «Ich war Bengel statt Engel.»

Von der Mücke zum Elefanten

Nach diesem Schlüsselerlebnis stieg er aus dem Boulevard-Geschäft aus und machte sich Mitte der 90er-Jahre selbständig. Seither ist er als Moderator, Radiosprecher, Fernsehproduzent und Videojournalist unterwegs. Auch in Ostschweizer Clubs wirbelt er mit der Kamera über die Tanzfläche. Im Gegensatz zu früher verheizt Herb seine Interviewpartner aber nicht mehr, sondern er will «nachhaltig produzieren», wie er sagt. Herb will nicht mehr der Bengel sein: «Ich möchte den Menschen Freude bringen und mir und anderen ein gutes Gefühl geben.»

Das tut er in der Tat. In seinen Videobeiträgen wird ein durchschnittlicher Plattenleger zum «Ausnahme-DJ», alles ist «toll» und «aussergewöhnlich». «Ich kann aus einer Mücke einen Elefanten machen. Oft muss ich das auch.» Zum Beispiel dann, wenn er über eine Party berichten soll, aber nur 20 Leute im Club rumstehen. Dann verwandelt Herb das Grüppchen in eine wild feiernde Meute. «Mit der Perspektive lässt sich vieles machen», sagt er, der selbst mit einer Magenverstimmung noch lächelnd durch den Abend moderiert.

Von Jung und Alt geliebt

Die Frisur ist Nik Herbs Markenzeichen geworden. In Asien verwechselt man ihn mit Rod Stewart oder fragt verwundert: «Is it real?», wenn er mit seiner Mähne vorbeispaziert. «Ältere Menschen sind erstmal geschockt, wenn sie mich sehen. Aber das verwandelt sich schnell in Liebe», sagt Herb und erinnert sich an einen Lottoabend kürzlich irgendwo in Deutschland: «Grossmütter wollten sich wie Teenager mit mir zusammen fotografieren lassen.»

Die Frisur: Nik Herb im Porträt und mit der Handkamera in Aktion. (Bilder: pd)

Die Frisur: Nik Herb im Porträt und mit der Handkamera in Aktion. (Bilder: pd)