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ENGAGIERT: Kleinkunstszene: «Volle Säle nur mit grossen Namen»

Während 17 Jahren hat Katharina Keller im Vorstand von «Kultur in Mogelsberg» mitgewirkt. Nach 13 Jahren als Präsidentin ist sie nun zurückgetreten und berichtet, wie sich die Kleinkunstszene verändert hat.
Michael Hug
«Wenn wir etwas weniger Bekanntes auf die Bühne bringen, kommt niemand»: Katharina Keller. (Bild: Michael Hug)

«Wenn wir etwas weniger Bekanntes auf die Bühne bringen, kommt niemand»: Katharina Keller. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Von Ganterschwil, ihrem Wohnort im Toggenburg, nach Mogelsberg sind es mit dem Auto zehn Minuten Fahrt. Mindestens ein Dutzend Mal im Jahr ist Katharina Keller diesen Weg gefahren, wenn Vorstellungen waren bei «Kultur in Mogelsberg» (KiM), dem Kleinkulturveranstalter im Ort. Tatsächlich fuhr sie die Strecke mindestens doppelt so oft, nämlich alle drei Wochen durchschnittlich. «Als Präsidentin und Repräsentantin eines Kulturvereins ist man natürlich noch viel öfter unterwegs als nur dann, wenn Vorstellungen sind», sagt «Käthi» Keller und zählt auf: «Einmal im Jahr fährt man nach Thun an die Kleinkunstbörse, jedes Jahr zur ‹Krönung› nach Aadorf, einmal im Jahr an die Hauptversammlung von Toggenburg Kultur, zwei Mal jährlich zur Sitzung der Ostschweizer Kleinkulturveranstalter, öfter mal an Versammlungen befreundeter Kulturvereine und noch viel öfter an Vorstellungen von Künstlern, die man auf der Wunschliste fürs Programm hat.»

Die schwierige Suche nach Freiwilligen

«Kultur in Mogelsberg» sei schon seit den Anfängen in den Achtzigerjahren ein Verein mit wenigen Vorstandsmitgliedern gewesen, erinnert sich Keller. Wenn die Last auf nur sechs Schultern verteilt ist, schreckt das aber möglicherweise Interessierte an einem Amt ab. Anderseits sei es so oder so schwierig, Freiwillige für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Immer weiter weg muss man die Ehrenamtlichen suchen, in Mogelsberg sei das Potenzial schon längst nicht mehr vorhanden. Nur zwei Vorstandsmitglieder kommen aus dem Dorf, die Helfer stammen fast alle aus den umliegenden Gemeinden im Neckertal.

«Insbesondere die Jungen wollen sich nicht an einen Verein binden, in dem es nur Arbeit gibt», erklärt Katharina Keller. Mit dem Programm habe man die Jungen aber auch noch nicht erreicht. Kleinkultur scheint eher etwas für ältere Generationen zu sein. Allerdings kommt auch das Gros des Publikums und der fast 200 Vereinsmitglieder nicht aus dem Dorf.

Frappante Gagenentwicklung

Noch frappanter als das Helferproblem hätten sich in 17 Jahren die Gagen der Künstler entwickelt, sagt Keller: «So um einen Drittel sind sie sicher gestiegen, meine ich.» Anderseits, so die Ex-Präsidentin, sind auch die Geber-Institutionen grosszügiger geworden, vorab das St. Galler Amt für Kultur: «Da hat eine wesentliche Öffnung stattgefunden. Der Betrag, der jährlich vom Kanton kommt und für den wir eine Leistungsvereinbarung unterschreiben müssen, sowie die Beiträge des Migros-Kulturprozents und von Kultur Toggenburg sichern uns die Grundfinanzierung.» Darum hat der Verein daneben auch keinen einzigen Sponsor aus der Privatwirtschaft. «Ausser unser ‹Rössli›, das jeweils den Znacht für die Künstler übernimmt.» Das Gasthaus mit seinem «antiken» Saal ist seit Beginn von KiM vor bald vierzig Jahren auch der Beherberger für die Kleinkulturveranstaltungen in Mogelsberg.

Nebenkosten sind gestiegen

«Wir haben keine finanziellen Probleme», sagt Keller, die sich das Wort «wir» noch nicht abgewöhnen konnte. Das sei in den Anfängen noch ganz anders gewesen: «Früher gab es einen kleinen Beitrag von der Gemeinde, den Rest mussten wir mit den Eintritten hereinholen.» Seit je gilt in der Kleinkunstszene die Regel, dass mit den Eintritten die Gagen gedeckt sein sollten: «Wir schaffen das nicht. Es gibt nebst der Gage noch hohe Kosten für Plakate, Flyer, Homepage, Spesen, Techniker und Investitionen, die man finanzieren muss.»

Gestiegene Gagen, höhere Nebenkosten – da müsste doch der Gesamtaufwand überpro­portional gestiegen sein. Ja, meint Katharina Keller, Ausgaben und Beiträge seien stark gestiegen in dreissig Jahren, «aber der Preis für ein Ticket konnte nicht entsprechend erhöht werden». Was bedeutet: Die Ein- tritte-Gagen-Regel ist nicht mehr einzuhalten. «Man kann sich heute weniger Experimente erlauben. Wenn wir etwas weniger Bekanntes auf die Bühne bringen, kommt niemand. Volle Säle hat man nur mit grossen Namen.» Dabei seien es aber gerade sie, die die Gagen nach oben treiben würden.

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