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Elton John vertreibt den Teufel

Mit «Orientexpress» bringt Music Productions Werdenberg in Buchs die zehnte Eigenproduktion auf die Bühne. Das Musical basiert auf einem Thriller von Patricia Highsmith. Der Autor hat versucht, daraus eine Komödie zu machen. Das gelingt nicht ganz.
Mirjam Bächtold
«I’m a train» von Albert Hammond ist eines von vielen Zugliedern, die im Musical witzig choreografiert werden. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)«I’m a train» von Albert Hammond ist eines von vielen Zugliedern, die im Musical witzig choreografiert werden. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)
Die Musicalkompanie tanzt sich durch den Zug.Die Musicalkompanie tanzt sich durch den Zug.
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Elton John vertreibt den Teufel

Elvis Presleys «Mystery Train», Jethro Tulls «Locomotive Breath» oder Mani Matters «Ir Ysebahn» – es gibt unzählige Lieder, die von Zügen oder Reisen handeln. Das Musical «Orientexpress» entführt die Zuschauer mit diesen Songs nicht nur auf eine Reise von Paris nach Istanbul, sondern auch durch die verschiedenen Musikstile und die Musikgeschichte. Die Lokremise Buchs ist dabei der perfekte Ort für die Aufführungen.

Herzstück der zehnten Eigenproduktion der Music Productions Werdenberg ist der nachgebaute Orientexpress, bestehend aus einer Lokomotive (eine Leihgabe des Opernhauses Zürich) und einem stilechten Speisewagen der 1930er-Jahre (Bühne: Nikolaus Büchel). Die Lok steht sogar auf Schienen und hat einen rauchenden Kamin. Viele der Songs haben einen Wiedererkennungseffekt und reissen das Publikum gleich von Anfang an mit.

Die ­Schwiegermutter aus dem Weg räumen

Das Musical aus der Feder von Mathias Ospelt basiert auf dem Psychothriller «Strangers on a Train» («Zwei Fremde im Zug») von Patricia Highsmith, bekannt geworden durch die Verfilmung von Alfred Hitchcock. Die Buchser Version ist jedoch eine sehr freie Adaption und nimmt dem Stück durch die typischen Musicalinhalte wie Liebesgeschichten und Tanz das Unheimliche.

In Paris steigt Jack Russel mit seiner Musicaltruppe, die von seiner Schwiegermutter Angelique Kowalsky geleitet wird, in den Orientexpress. Mit an Bord sind Bruno Di Abolo und seine Frau Charlotte. Als Bruno merkt, dass Jack unter der Fuchtel von Angelique Kowalsky steht, wittert er eine Gelegenheit. Er unterbreitet dem braven Jack Russel den Vorschlag, dass er für ihn seine Schwiegermutter ermordet, wenn dieser dafür seine Frau Charlotte aus dem Weg räumt. Jack geht auf das horrende Angebot nicht ein, doch schon bald beginnen verschiedene Anschläge auf Angelique.

Klischees von Gut und Böse

Der Autor hat versucht, aus einem Psychothriller eine Komödie zu machen. Dies gelingt ihm im ersten Teil des Stücks dank schwungvoller Songs und witziger Einschübe mit Lokalkolorit.

Die Idee, aus dem Bösewicht das alles umfassende Böse in Person des Teufels zu machen, der den guten Passagieren ihre reinen Seelen stehlen will, gelingt dann weniger und schrammt an der Grenze zum Lächerlichen vorbei. Noch surrealer wird es, als der Zugführer Theo als göttliche Figur auftritt, der in Weiss gekleidet eher aussieht wie der Kapitän von «Love Boat». Er versucht, mit Elton Johns «Can you feel the love tonight» den Satan zu vertreiben. Die Grautöne aus Patricia Highsmith subtilem Thriller gehen auf Kosten von Klischees von Gut und Böse verloren.

Trotzdem hat «Orientexpress» Unterhaltungswert. Nicht zuletzt dank der Umsetzung des Skripts durch Regisseur Nikolaus Büchel und der guten Darsteller.

Macho singt im Duett mit Gutmensch

Raphael Köb gibt den teuflischen Bruno Di Abolo als schmierigen Macho, Oliver Polenz dagegen mimt Jack Russel, den naiven Gutmenschen. Zwei starke Tenorstimmen treffen hier aufeinander und harmonieren besonders beim Duett «Homeward Bound» von Simon & Garfunkel, trotz der verfeindeten Rollen. Stark sind auch die Frauenstimmen. Isabella Rapp singt als Charlotte Countrysongs sowie Soulballaden und präsentiert ihr Stimmvolumen vom kräftigen Belt bis zum rauchigen Soul. Passend zu ihrer Rolle als Pariserin und Verschmäherin alles Amerikanischen, singt Annette Lubosch die Rolle der Angelique mit einer klassischen Sopranstimme. Das Schöne an «Orientexpress» ist die Liebe für die Nebenfiguren. Diese werden dank vieler Details und persönlichen Eigenheiten in kurzer Zeit ebenso fassbar wie die Hauptfiguren.

Tolle Choreografien

Ein Kränzchen ist Thomas Beck zu winden, der in verschiedenste Rollen schlüpft, vom tollpatschigen Gepäckträger über einen Zürcher Finanzhai bis hin zum sentimentalen Italiener, der beim Abschied von seiner Geliebten Rotz und Wasser heult und beinahe aus dem fahrenden Zug springt. An jedem Bahnhof gibt es szenischen Einschübe: In Zürich geht es um Geldhinterziehung, im Balkan um Leben auf Pump. Toll sind die Choreografien, etwa wenn die Darsteller zum Song «I’m a Train» die Bewegungen der Räder einer alten Lok nachahmen. «Orientexpress» ist eine fulminante und kurzweilige Show, die vom Premierenpublikum mit Standing Ovations belohnt wurde.

Hinweis Bis Ende Juni. Weitere Daten unter www.dasmusical.ch

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