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Elfe und Teufelin

Absolut begeisternd hat sich Pianistin Nino Gvetadze in der Tonhalle für das «Zweite Klavierkonzert» von Tschaikowsky ins Zeug gelegt. Poesie und Phantastik dominierten unentwegt über die reine Brillanz.
Martin Preisser

Nach dem Abend vorgestern in der Tonhalle zieht man Tschaikowskys «Zweites Klavierkonzert» definitiv und vorbehaltlos dem viel berühmteren, aber auch abgenutzten Ersten vor. Und man würde die Interpretation dieses wunderbaren Opus 44 durch die Georgierin Nino Gvetadze spontan mit auf die berühmte einsame Insel nehmen.

Warm, farbig, luftig

Aus dem Osten kommen hervorragend ausgebildete Pianistinnen und Pianisten in Scharen. Nur wenige gelangen ganz nach oben. Nino Gvetadze ist auf diesem Weg ganz an die Spitze. Nach ihrem St. Gallen-Début weiss man, warum. Selten hört man atemberaubende Technik derart warm, farbig und quasi mit einem geheimnisvoll luftigen Anteil unterfüttert, wie unter ihren Händen. Eine intime Brillanz, die ganz dezidiert immer unter der Schwelle vordergründigen Klavierdonnerns bleibt.

Charmantes Liebeswerben

Aus virtuosen Laufpassagen und Akkordtrauben, die andere einfach auftrumpfend herunter- rasseln, zaubert die Georgierin Gebilde und Gespinste voll Phantastik und oft auch geisterhafter Poesie. Fast ein wenig so, als könne sie die elfenhafte Seite in ihr mit etwas keck Teuflischem wunderbar unter einen Hut bringen.

Im ersten Satz erzählt Nino Gvetadze grosse Geschichten mit ruhiger Gelassenheit, aber intensiver Spannung. Im zweiten lässt sie sich von den sichtlich beeindruckten Sinfonieorchester-Herren Igor Keller (Violine) und Fernando Gomes (Violoncello) umschmeicheln, um dann äusserst charmant auf deren instrumentales Liebeswerben zu antworten. Die hauchzarten Arpeggien am Schluss dieses Satzes unterstreichen diesen Charme.

Ein Schuss Champagner

Auch den Schlusssatz nimmt die 32jährige Musikerin nicht einfach quirlig, sondern mit hellwachen Zugriff, fast ein wenig wie Liszts pianistischer Mephisto. Spieluhr-Freude kommt da genauso auf wie kleine, fast launige Champagner-Trunkenheit. Einfach fabelhaft! Vor diesem sehr entdeckungswürdigen Tschaikowsky gab es Alexander Borodins «Zweite Sinfonie». Der Kasache Alan Buribayev, schon beim Klavierkonzert ein intensiver Dirigent, der vom Sinfonieorchester St. Gallen Straffes einforderte, stellte ein plakatives Stück «russischer Seele» vor, mit viel, fast filmisch anmutender Folklore, mit Klangsinnlichkeit und stringentem rhythmischem Drive.

Ein Meisterwerk ist dieser Borodin allerdings nicht. Und im dritten Satz wird besonders offenkundig, was immer wieder durchtönt: Ein wenig Kitsch. Ruhe, Spass und eine Laune sei das Komponieren für ihn, hat Borodin, der Chemieprofessor, einmal gesagt. Diese Haltung hört man dieser Sinfonie an.

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