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Elemente von Zeit und Ewigkeit

Die Appenzeller Künstlerin Roswitha Dörig, seit vielen Jahrzehnten in Paris lebend, bespielt mit ihren Werken die Ziegelhütte Appenzell. Die Ausstellung mit dem Titel «Älter werde ich später» rührt an Existenzielles (auch) in uns.
Brigitte Schmid-Gugler
Zurück in der Heimat: Die in Paris lebende, aber immer noch gut in Appenzell verwurzelte Künstlerin Roswitha Dörig. (Bild: Michel Canonica)

Zurück in der Heimat: Die in Paris lebende, aber immer noch gut in Appenzell verwurzelte Künstlerin Roswitha Dörig. (Bild: Michel Canonica)

APPENZELL. «Endlich», habe Roland Inauen, Landammann von Appenzell Innerrhoden, zur Eröffnung der Ausstellung gesagt. Endlich sei Roswitha Dörig mit ihrem künstlerischen Œuvre am richtigen Ort angekommen. Als junge Frau war sie, was damals als eher renitenter und trotziger Akt einer Innerrhoderin betrachtet wurde, fortgegangen aus Appenzell. So weit weg, dass sie kein mahnender Zeigefinger zur Einsicht und kein gekrümmter zur Rückkehr bewegen konnte. New York und später Paris, wo sie Malerei studierte und sich schliesslich ganz niederliess.

Ihr Kampf um Anerkennung als Künstlerin und ihr gelegentlicher Ärger über abfällige Äusserungen und Vorurteile weiblichen Kunstschaffenden ihrer Generation gegenüber sind bis heute nicht aus ihrem Vokabular gewichen. Doch ihr Renommée als zeitgenössische Künstlerin ist längst international. Dörig ist auch mit zahlreichen Kunst-am-Bau-Arbeiten in der Öffentlichkeit vertreten. 1996 hatte sie als erste Frau den Kulturpreis von Appenzell Innerrhoden erhalten.

Einheimisch und unabhängig

Nun ist sie, die einzige Innerrhoder Vertreterin der Moderne ihrer Generation, «endlich» zurück. Nicht mit einer «Retrospektive», wie Kurator Roland Scotti unterstreicht. Dennoch finden sich auf den drei Etagen eher beiläufig dazwischen gesetzt einige Werke aus früheren Jahren. Eine Wand mit Appenzeller Bildern, Porträts auch, welche bereits die Geste des Expressionistischen aufweisen. Ganz besonders herauszustreichen, weil daraus ihr grosses zeichnerisches Talent zu lesen ist, die Vitrine mit den Karten samt bemalter Schachtel, welche die junge Roswitha für ihre Geschwister gemalt hatte, auf dass diese «etwas über Kunststile lernten», wie sie erzählt.

Vital und strahlend steht sie da, alterslos, unprätentiös, zum Plaudern aufgelegt, mit neugierigen, blauen Augen. Sie hat herrliche Anekdoten parat. Die von der Appenzeller Bauernfrau, welche eine frühere Ausstellung von ihr in einer Galerie besucht und sie in der dritten Person angesprochen habe: «Was macht sie da?» Nach Dörigs Erläuterungen habe die Frau gleich ein Bild ausgesucht, sei mit dem Töffli heimgekehrt und mit dem Geld zurückgekehrt, habe das Bild gerollt und eingepackt und sei – wiederum auf dem Töffli – davongefahren. So seien sie eben, ihre Landsleute, misstrauisch und gwundrig zugleich – und wie man an den zahlreichen anwesenden Einheimischen erkennt, welche Roswitha Dörig umkreisen, auch stolz auf «ihre» erfolgreiche Künstlerin.

Offener Lebenskreis

In «Älter werde ich später» bündelt die Vertreterin des abstrakten Expressionismus das Existenzielle: Der wiederkehrende Kreis, oft nicht ganz geschlossen, wie der Schriftzug einer Lautakrobatin.

Beim Gros der in der Ziegelhütte ausgestellten Werke handelt es sich um Papierarbeiten. Klein- und grossformatige reliefartige Collagen aus den 1990er-Jahren neben neueren Werkserien. Alles in angenehm luftiger Hängung. Breitpinselige zeichenhafte Gestik in den Malereien (Acryl oder Öl), teilweise monochrom auf vielschichtiger Grundierung – herauszulesendes Kalkül in der Spontaneität, in der Intuition des Augenblicks. Da war vielleicht ein Musikstück oder ein Gedicht, eine erinnerte Szene aus der Vergangenheit oder eine aus der zu erahnenden Zukunft.

Ein Höhepunkt in der Ausstellung sind sicher die grossflächigen Bildtafeln, welche Roswitha Dörig explizit für den lichtdurchfluteten Parterreraum geschaffen hat. Eine sakrale Andacht kommt über einen, wenn man den Werken entlang schreitet oder sich mit dem grossen Fenster im Rücken auf die Bank setzt. Ein Schauplatz; wir warten, wir vernehmen, wir verstehen und sind danach nicht mehr dieselben wie vorher. Lebensbejahende Daseinshartnäckigkeit, die beglückt.

Bis 6. Mai; Begleitpublikation ab 16. Februar; Kunsthalle, Ziegelhütte, Appenzell. Ab 18.2. sind in der Galerie Widmer Bilder von Roswitha Dörig, Walter Burger und Carl Liner zu sehen; Unterstrasse 11, St. Gallen

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