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Elektronische Post aus Venedig

Matthias Zschokke hat es wieder getan. Besser: Er hat wahrscheinlich nie aufgehört, E-Mails zu verfassen. In «Die strengen Frauen von Rosa Salva» hat er sie gesammelt.
Valeria Heintges
Matthias Zschokke: Die strengen Frauen von Rosa Salva, Wallstein 2014, 414 S., Fr. 35.90. Erscheint am Donnerstag.

Matthias Zschokke: Die strengen Frauen von Rosa Salva, Wallstein 2014, 414 S., Fr. 35.90. Erscheint am Donnerstag.

Matthias Zschokke hat es wieder getan. Besser: Er hat wahrscheinlich nie aufgehört, E-Mails zu verfassen. In «Die strengen Frauen von Rosa Salva» hat er sie gesammelt. Sie sind nicht, wie im ähnlich angelegten 765-Seiten-Werk «Lieber Niels», nur an Niels Höpfner geschrieben, und es sind auch nicht 1400. Aber es sind viele – zählen ist müssig –, und die meisten gehen «an den Freund in Köln», hinter dem sich Höpfner verbirgt. Andere richten sich an Verwandte, Bekannte, den Verleger und «die Frau, die sich um die Wohnung kümmert».

Was die E-Mail-Sammlung zusammenhält, ist vor allem der Schreibort: Ein halbes Jahr lang, von Juni bis Dezember 2012, lebte Matthias Zschokke mit seiner Freundin «I.» auf Einladung einer Stiftung in einer grossen Wohnung in Venedig. «Ich glaube, ich werde bleiben und glücklich», schreibt er am vierten Tag in der Stadt.

Kein Tag ist langweilig

Dieses tiefe Grundglück, in Venedig sein und leben zu dürfen, wird Zschokke nie verlassen. «Kein Tag in Venedig hat mich gelangweilt. Keiner war wie der andere.» Er streift durch die Gassen, Cafés, die Museen. Weil die prachtvollen Häuser und Paläste der Stadt selbst schon so überwältigend sind, betritt er auch die Museen nur, um die Paläste von innen bestaunen zu können. Angesichts all der Schönheit fällt er einer Schreibhemmung anheim, die ihn beunruhigt – den Leser weniger, nimmt er doch gerade deren 414seitiges Ergebnis erfreut zur Kenntnis.

Denn Zeit zum E-Mail-Schreiben hat Zschokke selbst dann noch, als er sich vor Besuchern kaum noch retten kann. Und so schreibt der seit 1980 in Berlin lebende Berner äusserst humorvoll, treffsicher und pointiert vom lange nicht funktionierenden Fernseher, von der Möwe Wastl, die verspätet fliegen lernt, von der musikalischen Soirée und den Versuchen, gegen Mücke, Hitze, die Faulheit und das Alter anzukämpfen.

Dazu kommt – natürlich! – die Auseinandersetzung mit der Literatur. Fein ziseliert formuliert, kommentiert er dezidiert, teilweise auch verletzend seine Zeitgenossen und macht auch vor Literaturgrössen nicht halt. Es überrascht dabei nur auf den ersten Blick, dass sich Zschokke selbst, als sein Roman «Der Mann mit den zwei Augen» zu scheitern droht, als überaus dünnhäutig erweist. Tief steigt er hinab in die beginnende Depression – «warum geht ein Buch so unter?», hoch klettern die Lebensgeister, als endlich gute Rezensionen erscheinen.

Egozentrisch und humorvoll

Sicher, das wirkt – weil ja die Antworten der Empfänger fehlen – zuweilen egozentrisch, fast egomanisch. Dem begegnet Zschokke mit Humor und scharfer Selbstironie. Zudem ist seine Beobachtungsgabe ebenso scharf wie sein Intellekt und sein Witz. Das lässt die Lektüre zum grossen Vergnügen werden, auch wenn ein durchgehender, vorwärts treibender Handlungsstrang genregemäss fehlt.

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