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Festkonzert 50 Jahre St. Galler Domorgel:
Ein elegantes französisches Beben

Standing Ovations gab es für den St. Galler Domorganisten Willibald Guggenmos, der vorgestern seinem geliebten Instrument mit gleich drei Orgelsinfonien zum 50. Geburtstag gratulierte. Ein Orgelfest der Superlative.
Martin Preisser
Ein Porträt von dem Domorganisten Willibald Guggenmos und den beide Orgeln.

Ein Porträt von dem Domorganisten Willibald Guggenmos und den beide Orgeln.


Was wäre die Kathedrale St. Gallen ohne die Grosse Domorgel? Und was wäre dieses fantastische Instrument aus dem Jahre 1968 ohne den grossartigen Domorganisten Willibald Guggenmos? Dass er seine prächtige Königin der Instrumente wirklich liebt, betont er immer wieder. Das ist nicht blosse Rhetorik. Seine Begeisterung für dieses einzigartige Klangkunstwerk hat er in seiner bereits 14-jährigen Tätigkeit immer mit der Bevölkerung geteilt. So blieb am Samstag kein Platz unbesetzt. Eine riesige Zuhörerschar feierte das Fest zum 50. Geburtstag der Orgel mit.

Wenn die Orgel die Königin der Instrumente ist, dann war Willibald Guggenmos vorgestern der König der Organisten. Das Gros der Musiker hätte solch ein Jubiläum wahrscheinlich mit einer Orgelsinfonie gefeiert. Guggenmos spielte gleich drei am Stück! Das ist eine enorme körperliche wie mentale Leistung! Achtzig Minuten franzö­sische Orgelmusik nonstop: Alles in herrlichem Fluss und überlegen ruhigem Gestus. Guggenmos bewies erneut: Er ist ein absoluter Meister seines Fachs. Mit der traumwandlerischen Fähigkeit und überlegener Souveränität, stets eine immense Palette von Klangfarben zu mischen.

Mitreissende Begeisterung, frische Interpretationen

Das ergreifendste Werk erklang zu Beginn: Félix Alexandre Guilmants 2. Orgelsinfonie. Ein ­wundervolles, interpretatorisch aber anspruchsvolles Werk des Gründers der grossen französischen Orgeltradition des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine festlich-kräftige Einleitung eröffnete die Orgel-Geburtstagsfeier, abgelöst durch schlanke, elegante Poly­fonie. Schon im ersten der fünf Sätze merkte man die grosse Begeisterung, mit der eine Interpretation erst frisch und eindrucksvoll wird. Willibald Guggenmos präsentierte sein Instrument nicht nur mit extrem fantasievollen Klangfarben, sondern auch ganz breit gefächerten Emotionsgraden. Zur Seite stand ihm die hervorragend disponierte Rus­sische Kammerphilharmonie St. Petersburg, die mit einer Hingabe spielte, als wäre sie eine langjährige musikalische Partnerin des Domorganisten.

Zum Erfolg einer beeindruckenden Geschlossenheit zwischen Orchester und Orgel trug die Überlinger Kirchenmusikerin und Dirigentin Melanie Jäger-Waldau bei. Sehr souverän und intensiv führte sie durch die schwierigen Partituren des Abends, gab den Sinfonien die nötige Freiheit, liess die Musik atmen und legte doch Wert auf jedes feine Detail. Eine Musikerin, die man gerne wieder einmal hier hören möchte.

Ein Geburtstagsfest der Extraklasse

Unglaublich geschlossen ­geriet auch Francis Poulencs ­Orgelkonzert, im Gegensatz zu Guilmant fast holzschnittartige Musik, stets bemüht, äusserem Pomp und vordergründiger ­Romantik auszuweichen, Musik, die überraschende, modernere Ideen genau auf den Punkt bringt und jede Langatmigkeit vermeidet. Faszinierend setzte Willibald Guggenmos die bewusst nicht theatralischen Effekte in einer Musik, die in gewisser Distanziertheit vom bloss Klanglichen eine spezielle Intimität aufbaut.

Auch in der abschliessenden ersten Orgelsinfonie Guilmants mit ihrer hymnischen Schluss-Toccata war es wieder zu spüren: Das elegante Beben, das die ­Orgel im Sakralraum auslöste, aber auch in den Herzen der ­Zuhörer. Ein Geburtstagsfest der Extraklasse, Orgelmusik vom Allerfeinsten, die aber auch daran erinnerte, welch grossartiges, wandlungsfähiges Instrument die Männedorfer ­Firma Kuhn vor fünfzig Jahren gebaut hat.

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