Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Jonas Kaufmann feiert im KKL die ekstatische Lebenslust

War das nun ein Starkonzert eines Tenors oder ein sinfonisches Liederkonzert? Für Jonas Kaufmann und das Basler Sinfonieorchester war es das Zweite, beim Publikum fällt die Antwort weniger eindeutig aus.
Fritz Schaub
Jonas Kaufmann bei seinem Auftritt in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Januar 2019))

Jonas Kaufmann bei seinem Auftritt in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Januar 2019))

Nach der CD-Einspielung vor rund zwei Jahren sang Jonas Kaufmann am Montag im Rahmen des Lucerne Chamber ­Circle, der «Konzertreihe ausserhalb des Festivals im KKL Luzern», Gustav Mahlers «Lied von der Erde». Wobei er wieder alle sechs Lieder gleich selbst übernahm. Dass seine Stimme seit dem «Otello» noch gewachsen ist, bestätigte sich gleich zu ­Beginn.

Das Basler Sinfonieorchester, das unter der Leitung des mit Kaufmann befreundeten Jochen Rieder stand, war beim resolut auffahrenden Beginn gleich voll da. Ebenso gab der Solist «mit voller Kraft» seinen Einsatz und drang dabei mühelos durch. Mahler verlangt in diesem ersten Abschnitt, eigentlich eine veritable Opernszene, eine heldische Stimme. Diese hatte Kaufmann mit der bekannt baritonalen Farbe ohne sichtbare Anstrengung. Dies erst recht bei der gespenstischen Vision vom «Aff’, der im Mondschein auf den Gräbern hockt». Aber auch das Umschalten auf das leise «Dunkel ist das Leben, ist der Tod» gelang, wenn auch nicht ganz so getragen, wie es Fritz Wunderlich in der ­berühmten Referenzaufnahme macht, die auch Jonas Kaufmann dabei erklärtermassen als Vorbild dient.

Erfüllter Schlussabschnitt

In diesem «Trinklied vom Jammer der Erde» aus der alten Gedichtsammlung «Die chinesische Flöte» von Hans Bethge in deutscher Nachdichtung ist schon das ganze Grundthema dieses Zyklus angeschlagen. Da feiert einer mit voller Inbrunst das Leben, das er in vollen Zügen geniesst, und wird doch nachdenklich, weil ihm im Gegensatz zu der sich immer wieder erneuernden Natur nur eine kurz bemessene Zeit bleibt.

Am Ende, beim sechsten Lied, kommt der Abschied mit dem mehrfach wiederholten «ewig, ewig …». Ist das nun ein endgültiger Abschied? Man hat viel darüber gerätselt. Ist es nicht vielmehr ein Hinübergleiten in die Ewigkeit («Allüberall und ewig blauen licht die Fernen»)? In diesem letzten Abschnitt, der fast so lang ist wie die fünf vorangehenden zusammen, gehen Orchester, das ein langes Zwischenspiel hat, und Singstimme vollkommen ineinander. Hier wirkte Kaufmann ganz entspannt, liess die Stimme frei strömen und fand zu einer seltenen Innigkeit, während gleichzeitig das sich auflichtende Orchester immer transparenter wurde und mit feinsten Details und kostbaren, chinesisch kolorierten Farben aufwartete.

Einwände bei den andern Baritonliedern

Überraschend erhielt gerade hier der Entscheid zum gesanglichen Alleingang seine Rechtfertigung. Bei den beiden andern Liedern, «Der Einsame im Herbst» und «Von der Schönheit», für die Mahler einen Alt oder Bariton vorgeschrieben hat, hätte man sich streckenweise doch eine fülligere, breitere Stimme gewünscht, da wirkte manche Stelle eher flach. Aber in den für Tenor bestimmten Liedern «Von der Jugend» und vor allem «Der Trunkene im Frühling» steigerte sich Kaufmann wieder in eine ekstatische Lebenslust hinein und tobte sich – dabei stets kon­trolliert – so richtig aus.

Als der Schlussabschnitt mehr und mehr verdämmerte bis in die völlige Stille hinein, wollte Jochen Rieder den Applaus zurückhalten, doch leider vergeblich. Der Applaus galt wohl doch in erster Linie dem Tenorissimo, der am Schluss im fast ausverkauften KKL Blumensträusse und Geschenke entgegennehmen konnte.

«Das Lied von der Erde» ist mit einer Stunde Dauer nicht abendfüllend. Offenbar nahmen die Basler Riccardo Chailly beim Lucerne Festival 1990 zum Vorbild, der neben dem «Lied von der Erde» Luciano Berios kurz zuvor uraufgeführtes «Rendering» dirigiert hatte.

Die Wahl der etwa halbstündigen Restaurierung von Skizzen Franz Schuberts zu einer «Zehnten Sinfonie» vor der Pause machte insofern Sinn, als etwa der zweite expressive Satz mit einer omnipräsenten melancholischen Oboe durchaus einen Anklang an Musik von Gustav Mahler hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.