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Eiszeit in Bronze

Die aus dem Toggenburg stammende Laila Pauli hat einen langen Weg gemacht, bevor sie ihren Traumberuf, den der Kunstgiesserin, dort ausüben durfte, wo sie es sich schon lange gewünscht hatte. Jetzt ist sie angekommen.
Brigitte Schmid-Gugler
Die ausgebildete Kunstgiesserin Laila Pauli schätzt sich sehr glücklich, in der Kunstgiesserei im Sitterwerk arbeiten zu dürfen. (Bild: Urs Bucher)

Die ausgebildete Kunstgiesserin Laila Pauli schätzt sich sehr glücklich, in der Kunstgiesserei im Sitterwerk arbeiten zu dürfen. (Bild: Urs Bucher)

Die Wetterumstände sind solcherart, dass man auf Schlittschuhen zu ihr gelangen könnte, begleitet von einem rhythmisch-melodiös vertonten Adventsvers, der nur aus den Angst vertreibenden Silben Lai-la-Pau-li bestehen könnte. Die Wege zwischen Fluss und Sitterareal sind von einer soliden Eisschicht überzogen. Laila Pauli trägt Arbeitskleider, ihren Händen sieht man an, dass sie täglich mit «groben Sachen» zu tun haben. Das sind Schamott, Vorschlaghammer, Sand, Keramik, flüssige Metalle, heisse Öfen, Gabelstapler.

Besuch im Sitterwerk

Den schön klingenden Nachnamen Pauli hat sie von ihrem Grossvater väterlicherseits geerbt. Er war ein bekannter Expressionist und Illustrator und lebte im Tessin. Sein Sohn, Lailas Vater, wurde Landschaftsarchitekt; Laila, das jüngste von drei Kindern, wusste während der Primarschule lediglich, dass sie gerne einen handwerklichen Beruf lernen möchte. Während des zehnten Schuljahres hörte sie das erste Mal von der Berufsbezeichnung Giessereitechnologie. Bei einem Besuch in der Kunstgiesserei sah und erlebte sie dann auch, was darunter zu verstehen ist. «Ich war hin und weg», erinnert sich die 30-Jährige, «und ich wusste sofort, dass das der Beruf ist, den ich einmal ausüben möchte.» Doch der Weg dorthin war, gelinde gesagt, ein grösserer Umweg. «Wer hierzulande zur professionellen Berufsbezeichnung Kunstgiesserin/Kunstgiesser gelangen will, muss erst den 4jährigen Ausbildungsweg der Giessereitechnologin absolvieren. «Doch sie wollte sich damals, jung, wie sie war, noch nicht festlegen und wechselte in den Vorkurs an der Schule für Gestaltung, arbeitete in einer Automechaniker-Werkstatt und ging schliesslich nach Berlin. Auch dort wurde sie wie ein Magnet von einer Kunstgiesserei angezogen. «Ich suchte die ganze Zeit nach einem Ort, der wie die Kunstgiesserei im Sitterwerk war», erzählt sie. Nach einem Praktikum bot man ihr in Berlin einen Ausbildungsplatz an, und Laila Pauli sagte zu.

Blockweise musste sie auch dort, und zwar jeweils in Nürnberg, zur Schule, «doch die Ausbildung war praxisbezogener und spezifischer auf Kunstguss ausgerichtet als in der Schweiz». Nach zwei weiteren Jahren hatte sie ein Diplom in der Tasche, kehrte in die Schweiz zurück und arbeitete ein paar Monate beim Kunstgiesser Cornel Hutter. Und es kam der Tag, als sie erneut im Sitterwerk zu Gast war, um der Buchvernissage des Künstlers Thomas Stricker beizuwohnen.

Eine riesige Vorarbeit

Sie staunte nicht schlecht, wie sich der Betrieb während der zehn Jahre ihrer Abwesenheit verändert und vergrössert hatte. «Und trotzdem ging es immer noch genau gleich familiär zu wie damals.» Auch Felix Lehner war zugegen und staunte vermutlich ebenfalls über den (Um-)weg, den Laila Pauli gewählt hatte. Kurz darauf, «das war vor einem Jahr, bot er mir eine Stelle in der Kunstgiesserei an, und mein Glück war vollkommen.» Laila strahlt wie zweimal Weihnachten. Seither gehört sie zum festen Team um Felix Lehner. Hier ist sie in der Halle gemeinsam mit einem Team verantwortlich fürs Ein- und Auspacken der gegossenen Bronze-Objekte. Als Kunstgiesserin muss sie aber auch alle anderen Arbeitsschritte kennen – vom Modell, das der Künstler/die Künstlerin vorbeibringt, über den Silikonabguss, den stabilisierenden Mantel aus Gips, das «Positiv» aus Wachs, die noch härtere Form aus Schamott, das Ausbrennen und letztlich den Kunstguss. «Die Vorarbeit ist riesig, die Spannung, bevor der Schamott- oder Sandmantel nach dem Guss entfernt wird, entsprechend hoch – es ist jedesmal wie ein Geschenk auspacken.»

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