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EISEN: Nicht jede müde Frau braucht eine Infusion

Wer sich häufig müde fühlt, erhält heute schnell die Diagnose Eisenmangel und wird an die Infusion gehängt. Das ist kostspielig und führt nicht immer zu einer Besserung.
Melissa Müller

Regina Meier (Name geändert) fühlte sich ständig müde und ausgelaugt. Schon lange verlor die Rheintalerin viel Blut bei der Menstruation, «das liegt bei uns in der Familie». Nach der Geburt ihres ersten Kindes wurden die Blutungen noch stärker, «und ich fühlte mich noch schlapper». Ihre Frauenärztin sagte, sie habe einen viel zu tiefen Eisenwert – und riet zu einer Eiseninfusion. Regina Meier liess sich mit vier Eiseninfusionen behandeln. Sie habe sich danach nicht anders gefühlt, wurde immer noch von Müdigkeit übermannt. «Dafür traf mich fast der Schlag, als ich die Rechnung erhielt: 1000 Franken.» Sie wechselte die Frauenärztin. Auch die neue Gynäkologin stellte bei Regina Meier einen zu tiefen Eisenspiegel fest und verordnete eine Eiseninfusion. «Das bezahlt die Krankenkasse», beruhigte sie die Patientin. Ein Missverständnis: Die zweifache Mutter musste erneut selber in die Tasche greifen. Für die 33-Jährige steht fest: «Ich mache sicher nie mehr eine Eiseninfusion.»

Man hört oft, dass Eiseninfusionen «boomen». Wer sich müde, lustlos und schnell gereizt fühlt, bekommt heute rasch die Diagnose Eisenmangel und wird an die Infusion gehängt. Dabei kann, wer ständig müde ist, auch an einer anderen Krankheit leiden, etwa an einer Depression oder einer Nierenschwäche. Laut einem Artikel im «Beobachter» sind Infusionen ein gutes Geschäft: Nach Beobachtung kritischer Ärzte seien die Ferritin­werte in den letzten Jahren ständig nach oben korrigiert worden. Deshalb erhielten immer mehr Patienten die Diagnose Eisenmangel. Ein lohnenswerter Absatzmarkt. Infusionen können jedoch auch Allergien auslösen, da Eisen in hoher Dosierung toxisch wirken kann.

Starke Periode ist der häufigste Grund

Experten schätzen, dass in der Schweiz eine Million Menschen einen Eisenmangel haben – die meisten sind Frauen. «Mit Tabletten oder einer Infusion ist es nicht in jedem Fall getan», sagt René Hornung, Chefarzt der Frauenklinik am Kantonsspital St. Gallen. Wichtig sei, die Ursache für einen Mangel abzuklären. «Eine zu starke Periode ist der häufigste Grund.» Verliert eine Frau mehr Blut, als ihr Körper nachbilden kann, kommt es zu einem chronischen Mangel. Auch eine Schwangerschaft zehrt an den Eisenreserven. «Kommt es durch die Geburt zu einem zusätzlichen grossen Blutverlust, ist eine Behandlung mit Eisentabletten und Infusionen sinnvoll», sagt Hornung.

Um den Blutverlust durch die Periode in den Griff zu bekommen, können Hormone oder eine Spirale Abhilfe schaffen. «Die Gynäkologen sind ausgebildet, dies zu behandeln», sagt Hornung. Auch Regina Meier hat sich eine Spirale einsetzen lassen – seither sind ihre Blutungen schwächer geworden. Eine starke Menstruation ist aber nicht die einzige Ursache für Blutarmut. «Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung», sagt René Hornung.

Zu den besonders eisenhaltigen Lebensmitteln gehören Blutwurst, Linsen, Tofu, Kichererbsen, getrocknete Aprikosen und Nüsse wie Mandeln. Vitamin C begünstigt die Aufnahme von Eisen, Rotwein und Schwarztee wirken hemmend. Es gibt aber Menschen, bei denen all das nichts nützt. «Einige können das Eisen im Essen über den Darm nicht aufnehmen, bei anderen ist die Blutbildung gestört, oder die Verarbeitung des Eisens im Körper funktioniert nicht», sagt Hornung. Wenn die Aufnahme von Eisen über den Darm nicht möglich sei, könne mit einer Eisen­infusion nachgeholfen werden.

Melissa Müller

melissa.mueller@tagblatt.ch

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