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«Einfach sein Ding machen»

Er kommt aus Hamburg, ist der Liebe wegen nach Basel gezogen und tritt nicht allzu selten in der Ostschweiz auf. An den Ittinger Pfingstkonzerten haben wir den Tenor Daniel Behle getroffen, am Sonntag ist er in Schwarzenberg.
Rolf App
Wien, Ittingen, Schwarzenberg: Daniel Behles Wege führen immer wieder mal in die Ostschweiz. Nächsten Sonntag zum Beispiel. (Bild: Marco Borggreve)

Wien, Ittingen, Schwarzenberg: Daniel Behles Wege führen immer wieder mal in die Ostschweiz. Nächsten Sonntag zum Beispiel. (Bild: Marco Borggreve)

ITTINGEN. Sänger sein: Das ist ein zugleich schöner und schwieriger Beruf. «Singen ist die unmittelbarste Kunstform, die wir haben», sagt der Tenor Daniel Behle gegenüber Björn Woll, der ein Buch über «Alltag und Magie des Sängerberufs» geschrieben hat. «Wir haben keine Technik auf der Bühne, keine Mikrophone. Das ist immer ehrlich, nie gekünstelt, nie geschönt.»

Ein Lob dem Liederabend

Noch unmittelbarer, noch intimer ist der Liederabend. Eine «Form des Rückzugs, der in unserer so lauten Zeit hoffentlich wieder wichtiger wird», sagt Behle. Wir treffen ihn in der Kartause Ittingen, wo er zum ersten Mal bei den Pfingstkonzerten aufgetreten ist. Am Abend zuvor mit Franz Schuberts Liederzyklus «Winterreise» in jener Fassung für Klavier, Violine und Cello gesungen, die er selber für das Oliver Schnyder Trio komponiert hat. Und am Morgen darauf mit dem «Krämerspiegel» von Richard Strauss, einer Reihe kurzer Spottgedichte nach Texten von Alfred Kerr.

Richard Strauss werde immer wichtiger für ihn, sagt Behle «Was er komponiert, hat immer einen Bezug zu seiner Zeit. Und der Mann hat Humor. Viel Humor.» So singt er gern diesen beinahe unbekannten «Krämerspiegel», und er spielt gern in den Opern von Richard Strauss – zuletzt, wenige Wochen zuvor in Wien, als Komponist Flamand in seiner letzten Oper, «Capriccio».

Das Ego in den Griff bekommen

Lied und Oper: Behle wechselt ganz natürlich hin und her. «Früher haben die Sänger auch beides gemacht», sagt er. «Wenn man das Lied als Lied singt und die Oper als Oper, darf man das. Schwierig wird es, wenn man anfängt, Lied wie Oper zu singen.» Beim Lied muss man sich zurücknehmen, muss bewusst gestalten, muss, wie Behle es ausdrückt, «sein Ego in den Griff bekommen – was gerade für Opernsänger manchmal zum Problem werden kann». Nicht aber für ihn, dem sowieso die Abwechslung wichtiger ist als das eigene Ego.

Woll zitiert Behle oft, wenn es um kluge Karrieregestaltung geht. Dass man als junger Sänger zum Beispiel nicht zu viel aufs Mal wollen soll. Diese Demut hat möglicherweise damit zu tun, dass er selber zuerst Komposition und Posaune studiert hat und erst dann zum Singen gekommen ist – angeleitet von seiner Mutter, die ihn zugleich mit den Realitäten des Sängerberufs vertraut gemacht hat. Sieben Jahre lang hat er dann fest an kleinen und mittleren Opernhäusern gesungen, bevor er sich 2010 selbständig gemacht hat.

Die eigene Stimme bewahren

Dieser langsame Aufstieg schärft den Blick für die eigenen Möglichkeiten – auch die eigenen Grenzen. «Ich habe nur diese eine Stimme», sagt Behle nach seinem Vortrag des «Krämerspiegels» bei einem Teller Suppe, bevor er mit seiner Familie zurückfährt nach Basel, wo er lebt. «Da sollte man schauen, dass man sie sich bis ins hohe Alter bewahren kann.»

Im eigenen Fall weiss Behle durchaus, wie dies zu schaffen ist. Indem er nämlich im «italienischen Fach» eher vorsichtig agiert. Aus zwei Gründen: «Es ist von seiner emotionalen Leistung her schlecht für jede Ehe und für jede Stimme. Und: Dieses kurzphrasige Singen, das immer zu einem Hochton hin läuft, ermüdet sehr.»

Ein Denkmal für Hamburg

So verläuft Behles stimmliche Entwicklung denn eher in eine andere Richtung: von Mozart und Schubert zu Richard Strauss, neuerdings zu Richard Wagner. Und, was Daniel Behle zu einem sehr modernen Künstler macht: Er sucht die Abwechslung auch in der Unterhaltungsmusik. «Unsere Hamburg-CD ist fertig», sagt er mit Triumph in der Stimme, und singt ein paar jener Lieder vor, deren Texte er lustvoll in Richtung Hamburg «umgebogen» hat – von den Beatles bis zu Jacques Offenbach oder Antonín Dvorák. Oliver Schnyder und sein Trio sind auch wieder mit von der Partie.

«Jedes Ding hat seine Zeit»

Es ist schon beeindruckend zu sehen, mit welcher Lust Daniel Behle auf der Bühne steht, und mit welcher Leichtigkeit er die Klippen seines Berufes meistert. Jetzt, mit 41, hat er das Gefühl, «dass es bei mir erst richtig losgeht». Er kennt die Worte der Marschallin im «Rosenkavalier» von Richard Strauss: «Jedes Ding hat seine Zeit.» So sucht er jene Rollen und jene Aufgaben, die seiner Stimme guttun. «Wenn mir eine Musik nichts gibt, aber alles fordert», sagt er gegenüber Björn Woll, «dann halte ich mich lieber zurück. Es gibt Rollen, die verlocken einen Sänger, sich auszuliefern und stimmlich hineinzusteigern. Dafür zahlt man aber immer einen Preis.»

Mit Schubert in Schwarzenberg

Lieber tritt er mit Programmen auf, die auf ihn zugeschnitten sind – wie jenem mit Arien aus Opern von Franz Schubert, mit dem er am kommenden Sonntag im vorarlbergischen Schwarzenberg im Rahmen der Schubertiade auftritt. Zusammen mit dem Barockorchester L'Orfeo unter Michi Gaigg.

In Schwarzenberg ist Daniel Behle nicht zum ersten Mal. Dort hat er die Erfahrung gemacht, dass er langsamere Tempi wählen muss als in München. «Man muss das beachten, wenn man gefallen will», sagt er. Fügt dann aber lächelnd hinzu: «Vielleicht will man aber gar nicht jedes Mal gefallen. Sondern einfach sein Ding machen.»

Björn Woll: Mehr als schöne Stimmen. Alltag und Magie des Sängerberufs, Edition Körber-Stiftung 2014

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