Einer allein schlägt alle Bands

Am 10. Final des Newcomer-Band-Wettbewerbs «bandXOst» in der Grabenhalle schlägt ein Solist mit seiner Gitarre sieben Bands. Marius Hügli aus Appenzell heisst der Sieger. Bands aus Frauenfeld und Amriswil schaffen es aufs Podest.

Michael Hug
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Bedankt sich mit einer Verbeugung für den Sieg am «bandXOst»-Finale: Der junge Appenzeller Singer-Songwriter Marius Hügli. (Bild: Michael Hug)

Bedankt sich mit einer Verbeugung für den Sieg am «bandXOst»-Finale: Der junge Appenzeller Singer-Songwriter Marius Hügli. (Bild: Michael Hug)

ST. GALLEN. Er hatte die Jury mit seiner Stimme überzeugt, die tönt, «als hätte er sie in Whisky gebadet». Vielleicht war es auch die Leichtigkeit und Nonchalance, mit der der 22jährige Marius Hügli aus Appenzell sieben Bands in diesem Final aus dem Rennen schlug. Noch dazu hatte Marius Streetmusic – sein Künstlername tönt nicht nach nächtelangem Namen-Brainstorming – den grossen Nachteil, am Samstagabend als erster in der Grabenhalle antreten zu müssen. Doch Hügli hatte wohl bleibenden Eindruck bei der Jury hinterlassen. Denn die schien sich bei ihrer Beurteilung danach eher auf ihr Kurzzeitgedächtnis verlassen zu haben. Zweite wurden die als zweitletzte aufgetretenen Delirious Mob Crew aus Frauenfeld, Dritte die als letzte rockenden Red Eyes aus Amriswil.

Hallo, mein Name ist Marius

Womit zwei Bands aus dem Kanton Thurgau und ein Solist aus Appenzell Innerrhoden sich die Lorbeeren holten – und keine Band aus St. Gallen, dem grössten aller teilnehmenden Kantone. Marius Hügli nennt sich selbst Strassenmusiker. Wo immer er eine Chance für einen Auftritt sieht, bewirbt er sich so: «Hallo, mein Name ist Marius. Ich bin Strassenmusiker aus Appenzell. Zur Zeit reise ich durch die Schweiz und spiele und singe auf der Strasse, an Hochzeiten, WG-Parties etc.» Daraus spricht jugendliche Leichtigkeit – ganz anders tönt die Musik. Seine selbst komponierten Songs, bluesig-angehauchtes Liedgut, intonierte er mit schwerer, rauchiger Stimme. Im Stil amerikanischer Singer-Songwriter, die direkt aus den Baumwollfeldern der Jahrhundertwende entsprungen zu sein scheinen, begleitete er sich auf der Dobro-Gitarre.

Drei Songs gefordert

Der «bandXOst»-Wettbewerb konnte mit dem Finale sein Jubiläum zum zehnjährigen Bestehen abschliessen. Organisiert wurde der Contest in neun regionalen Ausscheidungen von Kreuzlingen bis Zuoz. Rund fünfzig Bands und Solomusiker hatten sich beworben. Die Sieger der Qualifikationsrunden konnten am Samstagabend nach St. Gallen reisen. Drei Songs waren gefordert, fünfzehn Minuten durfte der Auftritt dauern.

Viele hatten keinen Platz mehr

Dieser Auftritt für viele der Jungbands ein Höhepunkt in der bisherigen Laufbahn, denn in der Grabenhalle erwarteten sie rund 500 Fans. Vor so grossem Publikum hatten die wenigsten schon gespielt. Es hätten gar mehr sein können, denn vor der Halle standen rund 250 Menschen, die bereits eine Stunde nach Türöffnung nicht mehr eingelassen werden konnten. Nur noch Angehörige der Teilnehmenden hatten Zutritt. Was in der Halle einen interessanten Altersmix ergab. Unter die jungen Fans mischten sich nicht wenige Eltern der Musiker, die den denkwürdigen Auftritt nicht verpassen wollten.

Das Publikum spielt für einen gelungenen Auftritt eine wesentliche Rolle: «Es ist die höchste Energie, die ich je erlebt habe auf einer Bühne», sagte Pascal Schneider, Sänger von Red Eyes, noch ganz ausser Atem nach dem viertelstündigen Blitzauftritt. Seine Band spielt Trash-Metal – es war ein ziemlich heftiger Schlusspunkt des Abends und ein krasser Kontrast zur Eröffnung von Marius Hügli. Ähnlich äusserte sich Aaron Berliat, Sänger und Keyboarder der Delirious Mob Crew: «Man darf das Publikum nicht unterschätzen. Erst wenn man oben steht, spürt man, was das für einen Eindruck macht.» In seiner Band spielte mit Lea Zuppiger am Bass die einzige weibliche Musikerin des Abends.

Materielle Unterstützung

Moderiert wurde der fünfstündige Anlass von einer zweiten Frau, Radiomoderatorin Jasmin Barbiero, und dem Bündner Radiomann Flurin Spescha. Die achtköpfige Jury bestand aus Ostschweizer Musikern, Musikmanagern und Konzertveranstaltern. Gesungen wurde in Englisch, Mundart und Rätoromanisch. Die drei gekürten Bands erhalten materielle Unterstützung für CD-Aufnahmen, Equipment und Auftritte an Open Airs in der Ostschweiz. Förderlich für die Karriere könnte zudem sein, dass sich im Publikum Konzertveranstalter, Musikproduzenten und Labelmanager aufhielten.

Pech hatte die Band Karluk aus St. Gallen. Nach dem ersten Song fiel die Pedalerie des Gitarristen aus, und ihr Auftritt musste abgebrochen werden. Zu jenem Zeitpunkt verbreitete Moderator Spescha Zuversicht: «Wenn ihr auf den dritten Platz kommt, erhaltet ihr neues Band-Equipment, dann passiert so etwas nicht mehr!» Das hat nicht geklappt.