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Eine Wohlfühlausstellung

Unter dem Titel «Alltagsblicke» zeigt der St. Galler Künstler Vaclav Elias in der Galerie der Klubschule Migros Figuren aus Papier. Die Arbeiten wirken ruhig und verleugnen nicht die Erfahrung ihres Schöpfers im Bereich Theater.
Martin Preisser
Vaclav Elias inmitten seiner Figuren (rechts die Arbeit «Männer-Chörli»). (Bild: Urs Bucher)

Vaclav Elias inmitten seiner Figuren (rechts die Arbeit «Männer-Chörli»). (Bild: Urs Bucher)

Vaclav Elias' Figuren sind aus Knäueln von Zeitungspapier gefertigt. Bewusst will der St. Galler Künstler das Papier zeigen und modelliert mit ihm wie mit Ton. «Papier ist ein stures Material und zwingt mich weg vom Gegenständlichen zum Abstrakteren», sagt Elias, der der Arbeit mit Papier etwas Ruhiges und Meditatives abgewinnt.

Die fast lebensgrossen Figuren fungieren beinahe als Ausstellungsbesucher selbst, die mit den echten Besuchern quasi in Dialog zu treten scheinen. Die kleineren Figuren an der Wand, die Vaclav Elias oft vor eine Art (abstrakt) gemaltes Bühnenbild setzt, wirken weniger figurativ, sondern symbolisieren vielmehr Gefühle, vor allem in Richtung Hoffnung und Erwartung.

Haltung und Geste

Elias' Figuren können die Herkunft des Künstlers aus der Branche der Theatermalerei und der Bühnenbildnerei nicht verleugnen, bleiben aber nicht im rein Dekorativen stehen. Die Figuren stehen für sich selbst, für eine Haltung und eine emotionale Geste. So zeigt die Figur «Toleranz» eine Bewegung der Offenheit. Und «Der erste Kuss» überrascht: Er hat die Hände in den Hosentaschen, sie wirft beide Arme leicht zurück. Es ist etwas Ängstlich-Unschuldiges in dieser feinen Szene. In vielen Situationen kann sich der Betrachter fast selbst wiedererkennen, auch im Sinne, dass er sich zu den Figuren Geschichten vorstellen kann, die vielleicht seine eigenen sind. Die Figuren sind ein Identifikationsangebot. Vaclav Elias verzichtet fast vollständig auf Farben, lässt alles im Grau-Weiss, oder Schwarz-Grau. Nur selten kommt noch ein wenig Rot dazu. Besonders gelingen dem Papier-Skulpteur fein gestaltete Kleider über den Figuren. Die Szenen wirken meist feinsinnig, oft humorvoll, wie etwa das Paar, das in den Spiegel schaut. «Morgen wird alles anders» heisst die Arbeit.

Zugänglich und offen

Vaclav Elias, der seit 1995 als selbständiger Gestalter für Bühnen, Museen und im Werbebereich tätig ist, macht mit seinen Papier-Arbeiten auch bewusst Recycling-Kunst. Und gewinnt dem Rohstoff dadurch, dass er ihn nie versteckt, auch etwas Poetisches ab. Und ein Stück geheimnisvolle Stimmung kommt in Arbeiten hinein, die beispielsweise nur indische Zeitungen für die Skulptur enthalten. Elias' Figuren sind zugängliche, kommunikative Kunst, sie überraschen und erfreuen, sie wirken offen und unverstellt, bisweilen ein wenig nachdenklich. «Eine Wohlfühlausstellung» nennt Kuratorin Dorothee Haarer diese «Alltagsblicke» denn auch.

Vernissage: Heute Fr, Kultur im Bahnhof (Klubschule Migros, Bahnhof St. Gallen, 1. OG), 19 Uhr. Bis 10. März (Mo–Fr: 8–22, Sa + So: 9–16 Uhr)

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