Eine Werkstatt für ausgefeiltes Gotteslob

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St. Galler Kirchenmusikwoche Vertrauen ist Übungssache: Im Atelier Dirigieren arbeitet Kursleiter Martin Hobi mit den Teilnehmern gerade am entscheidenden Moment kurz vor dem Choreinsatz. Als Beispiel dient das Lied «Kein schöner Land». Die eine Hand gibt Takt und Tempo an, die andere parkiert noch – dann aber darf es nicht vorauseilend hektisch werden. Was einfach aussieht, muss noch in Fleisch und Blut übergehen; Gelegenheit dazu gibt es im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden St. Galler Kirchenmusikwoche.

Bereits zum zehnten Mal treffen sich in den Herbstferien interessierte Chorsängerinnen und -sänger, Chorleiterinnen und Organisten, um an fünf Tagen in Folge ihre Kenntnisse zu vertiefen, um praktische Hilfen und Impulse für ihre musikalische Arbeit in den Pfarreien mitzunehmen. Knapp hundert Teilnehmer sind es in dieser Woche; sie steht unter dem Motto «Jubel und Ehre»und widmet sich dem Schaffen von Schweizer Komponisten des 19. und 20 Jahrhunderts.

Messe zu Ehren des Heiligen Niklaus von Flüe

Am Dienstag haben die Ateliers und Proben begonnen; bis einschliesslich heute wird in fünf Werkstattgruppen und im Gesamtchor unter der Leitung des neuen Domkapellmeisters Andreas Gut intensiv gearbeitet. Ein kleiner Rundgang verschafft zur Halbzeit Einblick: Da feilt etwa Chorleiter Guido Helbling mit dem Kammerchor in Sätzen von J. G. E. Stehle an den Vokalfarben – schon wird der Chorklang hörbar reiner. Das Gregorianik-Atelier von Michael Wersin entdeckt am Introitus «Et enim sederunt principes», wie eng die Melodieführung im Choral dem Text folgt, und dass recht zügig gesungen werden muss. Derweil ist Esther Wild Bislin mit ihrem Atelier unterwegs in der Stadt und lotet Klangräume zwischen St. Maria Neudorf, Kloster Notkersegg und Galluskrypta aus.

Wenn alle einschliesslich der Kursleiter und Stimmbildner zweimal am Tag zur Gesamtchorprobe zusammenkommen, wird es eng im Musiksaal im Klosterhof. Vorbereitet haben sich die Teilnehmer auf ein Werk, das ins Bruder-Klaus-Jahr passt, aber nicht zum bekannten Repertoire an Messvertonungen gehört: die «Messe zu Ehren des Heiligen Niklaus von Flüe» des in Wil aufgewachsenen Kirchenmusikers Johann Baptist Hilber (1891–1973). Sie wird heute, zusammen mit anderen liturgischen Gesängen, in der Kathedrale öffentlich zu hören sein. (bk.)

Schlussgottesdienst heute Sa, 17 Uhr, Kathedrale St. Gallen

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