Eine von den Jungs

Die britische Soulsängerin Joss STone gibt im Interview Tips für die grosse Musikerkarriere. Die 24-Jährige erzählt auch von ihrem ganz normalen Verhältnis zu Mick Jagger.

Reinhold Hönle
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Frau Stone, seit wann kennen Sie Dave Stewart?

Joss Stone: Schon seit meiner Kindheit. Meine Eltern haben immer Eurythmics gehört. Ich habe quasi von Annie Lennox singen gelernt. Es ist sehr cool, nun mit Dave zu arbeiten.

Wie ist es dazu gekommen?

Stone: Ein Freund hatte mir erzählt, dass er nach Spanien fahren würde, um sein Boot abzuschleifen und zu streichen. Da ich nichts anderes vor hatte, begleitete ich ihn.

Um zuzuschauen oder ihm zu helfen?

Stone: Natürlich um mit Hand anzulegen! Es wäre ja schrecklich, wenn ich nur daneben gesessen und Pina Colada geschlürft hätte! Nein, ich habe mit angepackt, wobei Paul zuerst meinen alten Van über die im Januar noch eisig kalten Pyrenäen-Pässe schleppen musste… Bei der Arbeit klingelte dann das Handy.

Und es war Dave?

Stone: Ja, er sagte, die extrem schnellen und guten Musiker, mit der er gerade seine aktuelle CD aufgenommen hatte, wären nächste Woche noch frei. Wollen wir mit ihnen jammen? Als Paul bereit war, auf meine Hunde aufzupassen, stieg ich zwei Tage später in den Flieger. Eine Woche darauf kam ich schon wieder nach Hause. Die Hunde waren wohlauf, wir hatten viel Spass und ich hatte ein Album im Handgepäck.

Sie treten am 2. September bei der One Young World Convention in Zürich auf. Haben Sie ein Lied für diesen Anlass geschrieben?

Stone: Nein, die Veranstalter wollen nicht, dass ich singe, sondern nur, dass ich eine Rede halte, die junge Leute inspiriert und zeigt, dass alles möglich ist.

Werden Sie ihnen empfehlen, sich von ihrer Plattenfirma zu befreien und eine eigene zu gründen?

Stone: Künstler sollten sich bewusst sein, was sie wollen, bevor sie sich ins Musikbusiness stürzen. Falls dir jemand sagt, dein Vertrag wäre «Standard», musst du fragen: Standard für wen? Niemand auf dieser Welt ist Standard. Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte als solches behandelt werden.

Und wie schafft man das als junge Künstlerin?

Stone: Mein Vater hat mich ein Spiel mit dem eigenen Verstand gelehrt. Es geht um den Glauben an sich selbst. Du musst aufschreiben, was du erreichen möchtest, aber nicht «Ich will dies und jenes», sondern «Ich habe ein Nr.1-Album», «Ich arbeite mit Dave Stewart zusammen » oder «Ich bin der grösste Freigeist der Welt». Ich habe eine solche Liste gemacht, hinter ein Bild meiner Oma gesteckt und sie nicht vergessen.

Als Sie den hochdotierten Vertrag mit EMI auflösten, um Ihr eigenes Label Stoned Records zu gründen, war Ihr Vater aber wenig erfreut.

Stone: Ja, der Schuss ist nach hinten losgegangen. Er hielt mich für verrückt, zumal er ein sehr guter Geschäftsmann ist, der einst mit zwei Kisten Obst am Hafen von Dover begann und heute mit seinem Unternehmen in dieser Branche in England führend ist. Mir ist es jedoch wichtiger, mich nicht mehr Plattenfirmenmanagern unterordnen zu müssen, die auf den Covers gerne als «ausführende Produzenten» den Eindruck erwecken, sie zählten auch zu den Kreativen in der Musikindustrie.

Und wie fühlt es sich nun an, selbst Label-Boss zu sein?

Stone: Grossartig! Ich könnte machen, was ich will. Da ich weiss, dass ich keine tolle Geschäftsfrau bin, habe ich jedoch jemand angestellt, der sich ums Finanzielle kümmert, aber nicht aus der Musikbranche stammt. Ich wollte keine «Standard»-Lösung.

Wie läuft das bei der Supergruppe, mit der Sie im Herbst eine CD veröffentlichen?

Stone: Oh, mit Super Heavy? Das ist ein total anderes Szenario. Da musste ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie die Platte nachher vermarktet wird. Als ich angefragt wurde, bin ich im Studio aufgetaucht, habe mit Dave Stewart, Mick Jagger, Damian Marley und A. R. Rahman ein paar Lieder geschrieben, sie aufgenommen und bin wieder verschwunden.

Sie konnten sich auf die Musik konzentrieren.

Stone: Ja, wenn Leute wie Mick Jagger involviert sind, die riesigen Respekt geniessen, gibt es keinen Mann in Anzug und Krawatte, der genug grosse Eier hat, um da reinzulaufen und ihm zu sagen, wie er singen soll.

Höchstens eine junge Frau…

Stone: Vielleicht, ich habe es jedoch genossen, einfach nur vier Wochen mit Mick Geräusche zu machen und mich unter seinen Fittichen weiterzuentwickeln.

Gab es da nicht auch eine gewisse Spannung zwischen Mann und Frau, dass er Sie vielleicht beeindrucken und Sie ihm gefallen wollten?

Stone: Ich weiss, was Sie meinen und es wäre sicher toll für Ihren Artikel, aber es war leider nicht so. Ich werde bei Super Heavy wie einer von den Jungs behandelt und bin einfach ein Teil der Band. Da ist nichts im Gange, was bei jüngeren Typen möglich wäre. Mick ist ein absoluter Gentleman. Ich frage mich, woher er diesen Ruf hat, keiner zu sein.

Joss Stone: «LP1» (Stoned Records/Sony)