Eine Utopie neu gestalten

Belles Lettres

Dieter Langhart
Drucken
Teilen

Das schönste Weihnachts­geschenk seit Jahren gibt sich aussen wie innen als graues Huscheli: «Arkadien». Selbst Alexander Jaquemets Fotografien sind fast ausschliesslich schwarz-weiss. Doch hinter der raffiniert schlichten Gestaltung verbirgt sich ein Schatz an Texten und Ideen, wie sich «Landschaften poetisch gestalten» liessen. So lautet der Untertitel des durchaus politischen Bandes. Herausgegeben haben ihn Hochparterre-Chefredaktor Köbi Gantenbein und Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz.

Ich habe Arkadia auf dem Peloponnes mit dem Töff erfahren, ich kenne Rilkes oder Gerhard Meiers Arkadien. Aber wie sehr staunte ich bei der Lektüre. Das Buch erzählt das reale und fiktive Arkadien neu, diese Metapher für die Kraft sinnlicher und poetischer Orte. Es fordert uns auf, Vorgärten, Ferienidyllen, eine scheinbar intakte Natur in unserer hochfunktionalen Landschaft neu zu denken. Das Plädoyer für die Poesie des Raumes überrascht mit Essays und Interviews: Landschaften wahrnehmen, also hören, sehen, riechen, schmecken, erfühlen; Landschaften brauchen: in Politik, Planung, Tourismus, Bau- und Landwirtschaft. Ein Juwel!

Dieter Langhart

Köbi Gantenbein/Raimund Rodewald: Arkadien. Edition Hochparterre 2016