Eine unbestimmte Heldin

Wo gehöre ich hin? Was will ich mit meinem Leben anfangen? Die Verfilmung des Jugendromans «Divergent – die Bestimmung» läuft heute in den Kinos an. Mit seinen Fragestellungen trifft er den Nerv der Jugend, erinnert aber auch stark an Dagewesenes.

Kathrin Reimann
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Teenager Tris Prior (Shailene Woodley) lebt im Chicago der Zukunft. Dort werden nach einem Krieg alle Bewohner nach ihrer Persönlichkeit in fünf Fraktionen geteilt: Altruan (die Selbstlosen), Ferox (die Furchtlosen), Ken (die Gelehrten), Candor (die Freimütigen) und Amite (die Freundlichen und Friedfertigen). Je nach Wesenseigenschaften müssen sich alle 16-Jährigen endgültig einer davon anschliessen. Ein Test soll bei dieser Entscheidung helfen. Doch Tris erhält kein eindeutiges Ergebnis. Sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich und ist somit eine Unbestimmte. Aus Angst ausgestossen zu werden, verschweigt sie ihr Testergebnis und schliesst sich den wagemutigen Ferox an. Doch schnell kommt sie hinter eine Verschwörung gegen die Unbestimmten, die von Jeanine (Kate Winslet) – der Ken-Anführerin, angefacht wird. Tris muss lernen, dem geheimnisvollen Ferox Four (Theo James) zu vertrauen, um herauszufinden, was die Unbestimmten für das System so gefährlich macht, bevor es für alle zu spät ist.

Science-Fiction, Drama, Action

Urheberin der Divergent-Bestseller-Trilogie ist die US-amerikanische Bestsellerautorin Veronica Roth. Regie bei der Verfilmung führte Neil Burger («Ohne Limit»). In den US-Kinos belegte der Film zwar nach seinem Start den ersten Platz der Kinocharts und legte den achtbesten März-Start aller Zeiten hin, an die Erfolge der Genre-Kollegen «Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen» und «Die Tribute von Panem – The Hunger Games» kam er allerdings nicht heran. Auch wenn er in seiner Synthese aus Science Fiction, Drama und Action unverkennbar an Letzteren erinnert und mit Tris auch eine vergleichbare Filmheldin in den Mittelpunkt rückt. Shailene Woodley verkörpert Tris hervorragend und wird zur Identifikationsfigur für junge Menschen, die sich mit den selben Fragen herumschlagen. Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was mache ich aus meinem Leben? Wer sind meine Freunde?

Die postapokalyptische Utopie

Der Soundtrack mit Ellie-Goulding-Balladen, Alternative Rock, Rap und Dubstep passt hervorragend zur postapokalyptischen Utopie und den zerfallenden Hochhäuser der Filmkulisse. Trotz einer Länge von satten 140 Minuten, ist «Divergent» ein kurzweiliger, spannender und berührender Film. Egal ob bei den fatalen Tests, den harten Kämpfen, den Intrigen der vermeintlichen Freunde, den Mutproben oder der unvermeidlichen Liebesstory – «Divergent» hält das Publikum auf Trab. Nur ist manchmal nicht ganz offensichtlich, wofür hier eigentlich gekämpft wird. Auch sonst bleiben manche Details unklar – vor allem wenn man die Bücher nicht gelesen hat. Vielleicht vermögen die Fortsetzungen solche Unklarheiten aus dem Weg zu räumen.

Ab heute in den Kinos.

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