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Neues Buch der St.Gallerin Christine Fischer: Eine stille Reise durch die Zeit

Mit «Im Mai. Am Montag» geht die St.Galler Autorin Christine Fischer im Jahreslauf behutsam dem Alter und der Zerbrechlichkeit nach.
Martin Preisser
Die St.Galler Autorin Christine Fischer. Bild: Ralph Ribi

Die St.Galler Autorin Christine Fischer. Bild: Ralph Ribi

Es sind zwei, drei kurze Sätze pro Eindruck, und um die zwei Dutzend kurze Eindrücke pro Monat, leicht und doch durchdacht, aber stets tagebuchskizzenartig verfasst. Für diesen Monat findet Christine Fischer ein solches Bild:

"Im November liegt das Gold auf der Strasse, und wer die Augen offen hat, wird reich."

Die St.Galler Autorin hat ihre Augen weit offen für die Stimmungen der Tage und der Jahreszeiten, der Kühle, der Schwüle und dem Dazwischen. Sie lässt den Blick schweifen und hält an überraschenden Punkten inne. Neuanfang gebe es nicht nur am ersten Januar, sondern an jedem Tag des Jahres.

Christine Fischer kennt sich aus mit der Zeit, mit dem Erinnern, mit dem Verrinnen, mit dem Vergehen. Sie kennt sich aus als 67-jährige Autorin, aber auch als Mensch, der sterbende Menschen besucht. Reich und vielfarbig wie der Jahreslauf sind ihre Kurztexte, wie das Leben, das Christine Fischer mit dem Alter an «Heftigkeit zunehmend und an Schutz verlierend» wahrnimmt.

Den Augenblick als Chance wahrnehmen

«Die Berührungspunkte mit dem Älterwerden haben meinen Blick fürs Flüchtige geschärft, dafür, dass man nichts halten kann», sagt sie selbst. Dieses Flüchtige für einen Moment bannen und ihm übers Schreiben einen festeren Boden gewähren, das tun diese neuen Kurztexte. Gar nicht übertrieben artifiziell, sondern in spontan wirkender Rundung. Hoffnungsvoll attestiert Christine Fischer dem Alter, dass es «das Denken langsamer, doch die Träume kühner» macht. Vergehende Zeit bedeutet auch die Chance, den Augenblick als Geschenk wahrzunehmen.

«Frage und Antwort fallen selten zusammen»

Die Zeit «rieselt, pulsiert, knistert» in diesem herbstlichen Büchlein, das Kurzprosa immer ein wenig lyrisch denkt, fein hingeschrieben und doch mit unterstreichender Aussage. «Selten fallen Frage und Antwort zusammen», schreibt Christine Fischer, «sodass es beides zu schätzen gilt: das antwortlose Fragen und das ungefragt Antworten.» Sätze wie diese lassen die Reflexionen über das Altern, das Verrinnen von (Lebens)- Zeit angenehm schwebend und offen, aber nie ohne Prägnanz erscheinen.

Das Leben sei reicher an Übergängen als an Höhepunkten, bemerkt die Autorin für den Monat Juli. Diesen Übergängen in den Jahreszeiten des Menschseins geht diese Kurzprosa still, aber immer beharrlich nach. Der Augenblick bekommt Glanz und gibt dem Kontinuum die kleinen Höhepunkte. Und für den letzten Dezembertag des Jahres bittet die Autorin darum, die Erde möge wieder gesunden, aber: «Es genügt nicht zu bitten. Es braucht ein neues Tun.»

Christine Fischer: Im Mai. Am Montag. Orte, 144 S., Fr. 29.90.–

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