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Eine Schlacht, mehr nicht

Die Niederlage von Marignano hat der Eidgenossenschaft das Tessin verschafft, nicht aber zur Neutralität geführt. Was da los war im September 1515, das zeigt das Zürcher Landesmuseum in einer breit angelegten Ausstellung.
Rolf App
Wenn Löwen kämpfen, schaut der schlaue Fuchs zu: Die Ofenkachel von 1698 beschreibt die Neutralität. (Bild: Schweizerisches Nationalmuseum)

Wenn Löwen kämpfen, schaut der schlaue Fuchs zu: Die Ofenkachel von 1698 beschreibt die Neutralität. (Bild: Schweizerisches Nationalmuseum)

Zwei Schicksale, von denen das Begleitheft zu «1515 Marignano» handelt, der neuen Ausstellung im Zürcher Landesmuseum. Beide haben sich vor 500 Jahren an dem Ort entschieden, der heute eine schmucklose Wiese mit Hydrant vor den Toren Mailands ist: Johannes Püntener ist Urner Landammann und Anhänger der päpstlich-spanischen Partei. Er verfügt über einigen Einfluss und kommt in Kriegszügen zu Geld. Im Feldzug gegen Pavia nimmt er 1512 mit seiner Vorhut die Stadt Cremona ein.

Püntener zieht mit

Als drei Jahre später der blutjunge französische König seine Ansprüche auf das Herzogtum Mailand durchsetzen will, ist auch Johannes Püntener zur Stelle. Zusammen mit dem Walliser Kardinal Matthäus Schiner zieht Püntener in den Krieg und stirbt auf dem Schlachtfeld von Marignano.

Von Ludwig Frisching weiss man sehr viel weniger. Das ist kaum erstaunlich, denn der Berner ist gerade vierzehn Jahre alt, als er stirbt, aber nach den Kriterien seiner Zeit bereits volljährig. Der ältere Bruder Hans Franz ist schon mehrere Male als Reisläufer – das heisst als bezahlter Krieger – in der Lombardei gewesen, im Spätsommer 1515 schliesst sich Ludwig selber den Freiknechten an.

Der verbitterte Vater

Ob der Vater vom tödlichen Abenteuer gewusst hat? Immerhin schreibt er in sein Familienbuch: «Auf Freitag, welcher der Heiligkreuz-Tag im Herbst war, ist unser oben genannter Sohn Ludwig durch einen Schuss durch beide Beine in der schändlichen Schlacht bei Mailand umgekommen, welche durch den mörderischen, verräterischen und schändlichen Bösewicht, den Walliser Bischof und seine Anhänger angestiftet wurde. Auf dass Gott ihnen diese Tat nie vergeben werde.»

Militärtechnologisch unterlegen

Zwanzig Stunden dauert das Hauen und Stechen in Marignano. Es beginnt am Nachmittag des 13. Septembers und währt auch die Nacht hindurch. Anderntags ist das Schlachtfeld übersät mit Toten – und die Eidgenossen sind die Verlierer. «Die Militärtechnologie hat die Schlacht entschieden», sagt Erika Hebeisen, die Kuratorin der Ausstellung. Der französischen Artillerie haben die auf Zweikampf eingestellten Eidgenossen nichts entgegenzusetzen. Es ist das Ende ihrer Vormachtstellung in Norditalien. Und ein Neuanfang.

Die mit modernsten Mitteln arbeitende Ausstellung verknüpft beides – und kommt in einem letzten Teil auf das zu sprechen, was man heute mit Marignano verbindet: die Neutralität. Prachtvolle Objekte sind zu besichtigen, etwa ein geweihtes Schwert, das Papst Julius II. den Eidgenossen geschenkt hat. Sie haben ihn in seinem Kampf gegen den französischen Einfluss derart wirkungsvoll unterstützt, dass sie in den Jahren vor Marignano mit Fug und Recht die heimlichen Beherrscher Mailands genannt werden können. Püntener fungiert denn auch als persönlicher Ratgeber des offiziellen Herzogs Massimiliano Sforza. Und: Die Eidgenossenschaft dehnt ihr Einflussgebiet zwischen 1480 und 1516 Schritt für Schritt gegen Süden aus.

Die «Hochrisikostrategie»

Dass diese Zugewinne nach der Niederlage nicht verloren gehen, ist dem Geschick des französischen Königs zu verdanken. Schon im Vorfeld der Schlacht hat er die Eidgenossen von ihrer «Hochrisikostrategie» abbringen wollen, wie der Historiker Volker Reinhardt das Vorhaben nennt. Bern, Solothurn und Fribourg ziehen darauf ihre Truppen ab. Auch die andern Delegierten wären für einen Rückzug – wenn sich ihnen nicht Hauptleute und Söldner entgegengestellt hätten.

Für den Glarner Feldprediger Huldrych Zwingli lautet die Konsequenz aus der Schlacht: keine fremden Solddienste mehr. Durchzusetzen vermag er sich nicht. Noch über Jahrhunderte sind die Schweizer Söldner hoch begehrt, vor allem in Frankreich, das sich im Frieden eine Sonderbehandlung ausbedungen hat. Dafür dürfen die Eidgenossen das Tessin behalten.

Von aussen verordnet

Mit dem Prinzip der Neutralität hat all dies noch nichts zu tun. Sie entsteht erst sehr viel später, als die konfessionelle Spaltung und ihre aussenpolitischen Konsequenzen die Schweiz zu zerreissen drohen, und taucht als Begriff 1698 ein erstes Mal auf einer Ofenkachel auf. 1815 wird sie dann der Schweiz vom Wiener Kongress verordnet.

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