Eine Putzmaschine fürs Antlitz

1.15 Uhr, zurück vom Ausgang. Zum achtenmal gähnen in fünf Minuten, die Lider sind schwer. Normalerweise dauert der Zwischenhalt im Bad zu dieser Zeit nicht lange. Heute aber kommt eine Minute dazu; eine Minute, in der es summt und surrt.

Diana Bula
Drucken
Teilen
Macht dem Dreck in den Poren mit Schallwellen den Garaus: Die Gesichtsbürste Clarisonic Aria. Pickel gibt's dennoch. (Bild: pd)

Macht dem Dreck in den Poren mit Schallwellen den Garaus: Die Gesichtsbürste Clarisonic Aria. Pickel gibt's dennoch. (Bild: pd)

1.15 Uhr, zurück vom Ausgang. Zum achtenmal gähnen in fünf Minuten, die Lider sind schwer. Normalerweise dauert der Zwischenhalt im Bad zu dieser Zeit nicht lange. Heute aber kommt eine Minute dazu; eine Minute, in der es summt und surrt. Es ist nicht die elektrische Zahnbürste, es ist eine andere Bürste: Clarisonic Aria befreit mit Schallwellen das Gesicht vom Schmutz des langen Tages.

Oprah Winfreys Wunder

Da steht man, schläfrig und schlaff. Und denkt sich, dass das tatsächlich Wellness fürs Antlitz sein könnte, wäre man nicht so müde. Dass man noch nicht im Bett liegt, daran sind auch Promis wie Gwyneth Paltrow und Kate Moss schuld. Die Berühmtheiten helfen ihrer Schönheit angeblich nicht nur mit grünen entschlackenden Smoothies nach, sondern auch mit ebensolchen Gesichtsbürsten. Und Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey präsentierte ein Vorgängermodell der Clarisonic Aria 2007 in ihrer Show und nannte es «ein Wunder». Acht Stunden später war die Beauty-Maschine in den USA vergriffen. Unterdessen hat Clarisonic in Amerika über drei Millionen dieser Geräte verkauft; seit 2011 gehört die Firma zu L'Oréal. Und was in den Vereinigten Staaten gut läuft, findet irgendwann den Weg nach Europa.

Von einem Piep zum anderen

Am nächsten Abend, zu weniger vorgerückter Stunde; der zweite Anlauf. Das geschminkte Gesicht mit Wasser benetzen, Reinigungsmittel auf der nassen Haut aufschäumen, zur Bürste greifen. Heute darf es die höchste Stufe sein und wird zwei statt eine Minute gereinigt. Ein paar Klicks (die Bedienung ist kinderleicht) auf dem Griff (er liegt gut in der Hand) – und schon surrt die Bürste übers Gesicht. Die Borsten rotieren nicht. Sie schwingen minim hin und her; oszillieren, nennt sich das im Fachjargon. 300 Schwingungen pro Sekunde sollen es sein. Das fühlt sich angenehm an, wie Massage. Fehlt nur die Brise, die bei der letzten Gesichtsbehandlung während den Ferien am Strand vom Meer her geweht hat. Statt dem Lüftchen sind da grosse Versprechungen im Prospekt: sechsmal bessere Reinigung, feineres Hautbild, kleinere Poren, Fältchen werden reduziert. Piep piep, macht das Gerät. Und bekundet, dass die ersten 40 Sekunden vorbei sind. Nach der Stirne kommt die Nase dran. Die Bürste kitzelt, vor allem an der Spitze. Piep piep, 80 Sekunden sind vorbei. Noch je zwanzig Sekunden für die Wangen – danach wird der übrige Schaum abgewaschen. Die Haut kribbelt wohlig und fühlt sich sanft an.

Weniger Mitesser

Ein Peeling-Ersatz also? Ja, sagt Mark Anliker, Leitender Arzt der Klinik für Dermatologie am Kantonsspital St. Gallen. Beugt die Bürste Unreinheiten vor? Ja, sagt Anliker erneut. Bei Ekzemen, sehr trockener oder gereizter Haut rät er aber vom Gebrauch ab. «Zusätzlicher Abrieb ist dann kontraproduktiv.»

Trotz Bibeliprävention: Nach einer Woche spriesst ein grosser Pickel, just mitten auf der Stirn. Den Bürstenkopf noch besser auswaschen, nimmt man sich vor. Bibeli tauchen weiterhin auf, die Mitesser aber werden weniger. Im Gegenzug bilden sich am Kinn trockene Stellen. Wegen der Kälte draussen? Oder doch wegen der Bürstenkur? Vorsorglich setzt man zwei Tage mit dem abendlichen Programm aus. Und zieht schon mal ein Fazit: Es ist wie beim Fensterputzen. Mit Lappen und Papier werden die Scheiben auch sauber. Nicht so blitzblank, aber wie mit dieser Maschine, die das Schmutzwasser sofort absaugt und Schlieren verhindert. Fürs Gesichtputzen heisst das: Der gute alte Waschlappen tut's, die Bürste der Stars bringt aber Glamour und Wellness-Feeling ins Bad. Das zaubert weder Falten noch «feine Linien» weg, kann aber zum entspannenden Gute-Nacht-Ritual werden.

Schaum in den Augen

Es sei denn, man hat das Reinigungsmittel zu sehr aufgeschäumt. Dann nützt auch der eingebaute Spritzschutz nichts. Die Bürste verteilt die Masse in alle Richtungen. In die Augen (brennt!), an die Duschwand, an den Spiegel. Danach putzt man länger das Bad, als vorher das Gesicht. Aber dafür kann das Gerät ja nichts.

Clarisonic Aria kostet 249 Franken und ist bei Marionnaud oder online erhältlich. www.clarisonic.de

Aktuelle Nachrichten