«Eine perfekte Szenografie»

Die neue Dauerausstellung «Gallus und sein Kloster. Eine Reise durch 1400 Jahre Kulturgeschichte» hat der bekannte Ausstellungsmacher Peter Jezler gestaltet. Der ehemalige Weinkeller des barocken Klosters bot einige Herausforderungen.

Bruno Knellwolf
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Die karolingischen Kapitelle sind eingebettet in den Gewölbekeller. (Bilder: Hanspeter Schiess)
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Das Evangelium longum aus dem Jahr 895. Eine Pergamenthandschrift mit einem Prachteinband aus Elfenbein
Im Film über die  Gallus-Legende mit der Stadtgründung St.Gallens vertreibt der Mönch Gallus die nackten Dämonen in Frauengestalt.
Das St.Galler Klosterbezirk um das Jahr 1750.
Der irische Mönch Gallus als Abenteurer - und für einmal nicht als Greis.

Die karolingischen Kapitelle sind eingebettet in den Gewölbekeller. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Peter Jezler hat in der Schweiz spektakuläre Ausstellungen gemacht – und sehr erfolgreiche wie zum Beispiel jene über Albert Einstein oder Karl den Kühnen im Historischen Museum Bern, die zu Publikumsrekorden führten. Zur Zeit montiert er gerade die letzten digitalen Medienstationen in den Gewölbekeller der Stiftsbibliothek St. Gallen für die Dauerausstellung «Gallus und sein Kloster. Eine Reise durch 1400 Jahre Kulturgeschichte».

«Das ist meine letzte Ausstellung», sagt er, «und ein besonderer Leckerbissen». Dabei hatten der Ausstellungsmacher Jezler und der Szenograf Raphael Barbier einige Herausforderungen zu bewältigen, weil der ehemalige Weinkeller des barocken Klosters kein Ausstellungssaal im herkömmlichen Sinne ist und die Architektur Leitplanken setzte. «Aber der Gewölbekeller ist eine perfekte Szenografie für eine historische Ausstellung. Auch wenn wir uns oft die Zähne ausgebissen haben», sagt Jezler.

Ausstellung in sieben Sprachen

Damit meint er zum Beispiel die Lichtverhältnisse im fensterlosen Keller. Nicht einfach war auch, die ganze Ausstellung in sieben Sprachen zu führen. Aus Rücksicht auf die immer zahlreicher werdenden Besucher aus Asien, sind die Informationen für alle Objekte auch auf chinesisch und japanisch abrufbar auf den Infostationen. Die Ausstellung wurde so gestaltet, dass sie auch für Gäste, die aus einem anderen Kulturraum stammen, verständlich und interessant ist. 

«Die Besucher werden hier toll abgeholt».

Grosse Szenen und langgreifende Themen hat Jezler schon immer gemocht, so wie hier im Gewölbekeller, wo eine Geschichte über einen riesigen Zeitraum von 1400 Jahren erzählt wird. Dabei wollte man nicht nur auf St. Gallen fokussieren, sondern auf die Beziehung der Stadt zu Europa mit der Betonung auf die irischen Verbindungen im 9. Jahrhundert. Diese wird in einem kleinen Kino in einem zwölfminütigen Film gezeigt. Den Film hat Jezler mit seinem Sohn erstellt, der ansonsten für grosse Konzerne Filme, Videos und Werbefilme macht. Der Film ist poetisch, langsam und erzählt in einer modernen Bildsprache die Gallus-Legende aus einer Zeit als St. Gallen nichts als Moos und Wald war. 

Die Bilder von Irland und die Nahaufnahmen des Bären sind faszinierend.

«Wir können hier europäische Geschichte an einem wirklich relevanten Fallbeispiel zeigen. Ich habe von Anfang an gewusst, dass es schwierig ist, Gallus darzustellen, weil von ihm, abgesehen von einer Glocke, keine Objekte überliefert sind.» Nun ist er Filminhalt und steht lebensgross als munterer Abenteurer im Museum. Neben dem irischen Mönch widmet sich der erste Teil der Ausstellung den Klöstern, die nach dem Untergang des römischen Reiches und der Antike, altes und neues Wissen bewahrten. Für besonders eindrücklich hält Jezler die Vitrine mit dem Evangelium longum, eine Pergamenthandschrift mit einem Prachteinband aus Elfenbein, welche um 895 in St. Gallen entstanden ist. Ein weiterer Höhepunkt sind für den Ausstellungsmacher die karolingischen Säulen-Kapitelle, welche archäologische Grabungen im Stiftsbezirk ans Licht gebracht haben.

Der zweite Teil der vielfältigen und mit der richtigen Dosis an Informationstexten begleiteten Ausstellung führt bis in die Neuzeit, als 1983 die Unesco den Stiftsbezirk in die Welterbe-Liste aufgenommen hat, und erzählt wie St. Gallen Jahrhunderte zuvor zu einer mächtigen Fürstabtei wurde und wie sich im Laufe der Reformation die Stadt vom Kloster trennte.