Eine Ode an die Intelligenz

Odilia Hiller
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Muriel Barbéry (Bild: Editions Gallimard)

Muriel Barbéry (Bild: Editions Gallimard)

Barbéry Wenn ich etwas nicht ertrage, sind es Bücher, die mit Allgemeinplätzen gefüllt sind. Lesen sollte man doch wohl deshalb, weil man sich von interessanteren Gedanken einnehmen lassen will, als man sie selber hat. Dinge sollten so in Buchstaben gegossen sein, dass man denkt: «Genau. Genau so.» In der französischen Literatur passiert mir das besonders oft. Die Sprache kombiniert Rhythmus, Melodie und Inhalt wie keine andere.

Die französische Autorin Muriel Barbéry, geboren 1969 in Casablanca, hat es geschafft, ein paar Millionen Leser und mich besonders zu berühren. Ich habe in ihrem Buch «Die Eleganz des Igels» (2006) eine Gedankenwelt gefunden, die ich liebe. Furchtbar pessimistisch und zynisch zwar, aber voller Humor – eine Ode an die weibliche Intelligenz.

«Am Ende dieses Schuljahres, an meinem 13. Geburtstag, werde ich mich umbringen.» Paloma meint es ernst. Das hochbegabte Mädchen ist elendiglich genervt ob all der Dummheit, die sie umgibt. Notabene in ihrer Familie, einer typischen Pariser Oberschichtenkatastrophe. Sie durchschaut das volle Programm des Erwachsenenlebens und die Selbstlügen, die nötig sind, um nicht am Irrsinn der Welt zugrunde zu gehen. Dann aber lernt Paloma Madame Michel kennen. Die Concierge, an der nichts so ist, wie die Dummen denken. Denn Renée Michel hat die Eleganz eines Igels...

Odilia Hiller