Eine «Lok» an Möglichkeiten

Beim sechsten Stadt-Kultur-Gespräch in der Lokremise stand das kürzlich eröffnete Kulturzentrum im Mittelpunkt. Neben gegenseitigem Lob und Dank gab es eine erste Bewertung, und die Neugier auf nächste Projekte wurde geweckt.

Andreas Stock
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Emotionen als Holschuld – der grosse Werbeschriftzug vor der Lokremise lädt zu Interpretationen ein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Emotionen als Holschuld – der grosse Werbeschriftzug vor der Lokremise lädt zu Interpretationen ein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Lokremise – «wie könnte es anders sein» – war am Donnerstag Schauplatz des sechsten Stadt-Kultur-Gesprächs. Für Stadtpräsident Thomas Scheitlin war es der passende Ort, weil man damit der Freude über das soeben eröffnete Kulturzentrum Ausdruck geben wolle, wie er an seiner Begrüssung sagte. Und zugleich dem Kanton als Initianten dankend die Referenz erweisen konnte.

Termin mit Tücke

Vor knapp zehn Tagen wurde die Eröffnung der Lokremise dreifach gefeiert. Darum stellte sich schon die Frage, ob man diesen zweifellos «wichtigen Markstein in der Kulturgeschichte der Stadt» (Scheitlin) erneut feiern und sich gegenseitig gratulieren und auf die Schulter klopfen musste. Es könnte mit ein Grund gewesen sein, weshalb der Einladung zu diesem Stadt-Kultur-Gespräch weniger zahlreich gefolgt wurde als in früheren Jahren.

Madeleine Herzog, Leiterin der städtischen Fachstelle Kultur, war sich der terminlichen Tücke bewusst und begründet: «Ich wollte der freien Szene ermöglichen, ihre Fragen und Anliegen zur Lokremise einbringen zu können.» Bewusst zu diesem frühen Zeitpunkt habe sie die Ansprechpartner beim Kanton und der Stiftung Lokremise vorstellen, und die Möglichkeit bieten wollen, sich direkt informieren zu können.

Scheinwerfer gratis

Dass ein Informationsbedürfnis besteht, wurde in den wenigen Publikumsfragen an die Podiumsrunde deutlich. Unbeantwortet blieb allerdings die Forderung von Oliver Kühn von der Compagnie Buff Papier: Die institutionelle Kultur profitiere gerne von Ideen aus der freien Szene. Darum sei es an der Zeit, ihr etwas zurückzugeben, und ihr die Scheinwerfer nicht zu vermieten, sondern gratis zur Verfügung zu stellen.

Eine Antwort hätte sein können: Das Theater hat seine Scheinwerfer – wie die gesamte technische Ausstattung für den Theaterbetrieb in der Lokremise – ebenso wenig gratis bekommen. Und auch nicht von Stadt oder Kanton bezahlt erhalten, sondern mit Sponsoren und Gönnern finanziert.

Noch sei's nicht so, dass die Stiftung, zuständig für die Vermietungen, von Anfragen der freien Szene überrannt werde, ist von Katrin Meier zu erfahren, Leiterin im Amt für Kultur des Kantons.

Es gebe viele Anfragen für Bankette sowie für Führungen, darunter Architekten, die sich für das Gebäude interessieren. Auch zu Konzertveranstaltungen liegen Anfragen vor. Doch zuerst wolle man Erfahrungen mit den akustischen Bedingungen sammeln.

Die Offenheit wird betont

Was alle drei Kulturinstitutionen beim Podiumsgespräch erneut deutlich machten: Theater, Kinok und Kunstmuseum wollen die räumliche Verbundenheit verstärkt zu vernetzten Programmen und Kollaborationen nutzen – dazu gehören auch Kombitickets.

Und sie möchten weitere Institutionen sowie Kunst- und Kulturschaffende miteinbeziehen. «Offenheit» und «Durchmischung» fallen als Stichworte. Konzert & Theaterdirektor Werner Signer führte als Beispiel die Kinderoper «Der kleine Schornsteinfeger» an, die gemeinsam mit der Jugendmusikschule entstehen wird. Sandra Meier vom Kinok betonte, dass sie ihre seit Jahren gepflegten thematischen Filmreihen fortführen, die sie in Zusammenarbeit mit verschiedensten Institutionen und Vereinen konzipieren.

Vereint für Peter Liechti

Der Direktor des Kunstmuseums Roland Wäspe gab preis, dass nach der spektakulären visuellen Lichtinszenierung von John Armleder der St. Galler Norbert Möslang den Kunstraum akustisch ausloten werde. Anfang November wird die sogenannte «Kunstzone» Peter Liechti respektive Künstlern gewidmet sein, mit denen Liechti zusammengearbeitet hat. Dies als Ergänzung zur Retrospektive, die das Kinok für den St. Galler Filmemacher ausrichtet, der am 6.

November den Grossen Kulturpreis der Stadt erhält – eine Verleihung, die ebenfalls in der Lokremise stattfindet.

«Kulturzentrum Lokremise – ein neues kulturpolitisches Modell?» wurde auf der Einladungskarte zum Kulturgespräch gefragt. Für eine Antwort sei es noch zu früh, sagte Katrin Meier. Zufrieden ist man allenthalben über die vielen positiven Reaktionen und das grosse Interesse an der «Lok» – eine Kurzform, die sich durchsetzen dürfte.

Dass das Kinok bereits 50 Neumitglieder gewonnen hat, wie Sandra Meier sagte, schürt gewiss jene Hoffnungen, dass hier neues Publikum gewonnen werden könne. Auf dem Podium und in Gesprächen war jedenfalls die Lust spürbar, diese «Lok» unter Dampf zu setzen.