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Autorin Christina Viragh liest am Freitag im Literaturhaus Zentralschweiz

Die schweizerisch-ungarische Autorin Christina Viragh erzählt in ihrem Roman «Eine dieser Nächte» von einem langen Flug von Bangkok nach Zürich.
Erika Achermann
Die Autorin und Übersetzerin Christina Viragh (Bild: EPA/HENDRIK SCHMIDT)

Die Autorin und Übersetzerin Christina Viragh (Bild: EPA/HENDRIK SCHMIDT)

Langstreckenflüge können eine Qual sein, aber auch zum Ereignis werden, wenn man dieses Gefühl des Fliegens in Christina Viragh Roman «Eine dieser Nächte» einsaugen kann, lesend, nur in Gedanken in der Luft. In Bangkok steigt Emma Dél in eine ­Boeing 777. Sie war auf Bali und will nun zurück nach Zürich. In ihrer Nähe «sitzt da einer und stört». Bill ist gross, schwer, trägt dunkelgrüne Shorts und wird während des nächtlichen Fluges einen Whisky nach dem andern bei der Flugbegleiterin bestellen und rücksichtslos draufloserzählen.

So laut, dass die andern Flugpassagiere zu Zuhörern fremder Lebensgeschichten werden, ob sie wollen oder nicht. Er ist wohl so ein Sextourist, denkt Emma und versucht sich abzuwenden. Doch sie ist seiner lauten Stimme ausgeliefert ebenso wie das schwule Pärchen Michael und Stefan, der Ethnologe Walter und der 15-jährige Hagen.

Ein emotionales Abenteuer im Dunkel der Nacht

Bald mischen sich die Zuhörer in den unsystematischen Erzählfluss von Bill ein und warten ihrerseits mit Erlebtem und Erfundenem auf. Das eine Wort gibt das andere. Die Geschichten, biografisch oder fiktiv, spielen zumeist in den USA, verweisen auf einen verwunschenen Ort, einem Teich irgendwo in der Prärie.

Bills Vater ist im Vietnam-Krieg verschwunden. Ist er 1965 gestorben oder amüsiert er sich noch heute mit anderen Frauen? Alles hängt in der Luft, das Flugzeug und die Wahrheit der erzählten Geschichten. Und rundherum ist dunkle Nacht, kein Licht zu sehen.

Dazu die beklemmende Enge im geschlossenen Raum, den man während des Flugs nicht verlassen kann. Da kann Erzählen ablenken, die Geschichten können die Zeit gliedern und neue Räume erkunden. Früher hat Flaubert seine Emma Bovary in eine Kutsche gesetzt. Dieses Genre des Eingeschlossenseins hat Christina Viragh mit ihrem Roman in die heutige Zeit geholt.

Der letzte Roman erschien vor zwölf Jahren

Als Bill vernimmt, dass Emma Dél eine Schriftstellerin ist, bekommt er Angst, sie könnte seine Erzählungen für ihr Werk nutzen. Viragh setzt die Geschichten ihres Buches aus Erfahrungen ihres Lebens zusammen, sie sind nicht biografisch. Genau wissen kann man nur, dass Emma Dél wie Christina Viragh in Budapest geboren ist, als Siebenjährige nach Luzern kam und seit 20 Jahren in Rom lebt. Doch Emma sei kein Alter Ego von ihr, sagte Viragh vor einigen Tagen im Interview mit Radio SRF, es habe sie interessiert, wie eine ihr ähnliche Figur in den jeweils auftretenden Situationen reagiere.

Zwölf Jahre sind vergangen seit ihrem letzten Roman «Im April». Neben dem Schreiben eigener Bücher hat Viragh vor allem Werke von Marai, Kertész sowie vor allem Péter Nadas’ «Aufleuchtende Details» sowie «Parallelgeschichten» übersetzt, für die die Autorin Viragh bedeutende europäische Übersetzerpreise bekam.

Einfühlsam übersetzt Viragh fremde Sätze, aber in «Eine dieser Nächte» zeigt sie ihren ganz eigenen weichen Sound und Sog des Erzählens, mit denen man durch Nacht und Raum fliegt und ihr eigenes Erfinden von Geschichten, die übrigens in «Eine dieser Nächte» traurig enden.

Christina Viragh: Eine dieser Nächte. Dörlemann-Verlag, Zürich 2018, 496 S., Fr. 37.50

Lesung

Die Autorin liest am Freitag, 22. Juni, 19.45 Uhr im Literaturhaus Zentralschweiz in Stans. www.lit-z.ch

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