Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Eine geballte Ladung Fragen

Ein Projekt von Sprechtheater und Tanz greift in der St. Galler Lokremise die Fragebögen und das Stück «Biografie: Ein Spiel» von Max Frisch auf. Die Regisseurin und der Tanzchef erzählen, worum es geht.
Rolf App
Bei der Probe I: Katja Langenbach im Gespräch mit Oliver Losehand, hinten Marco Santi. (Bilder: Michel Canonica)

Bei der Probe I: Katja Langenbach im Gespräch mit Oliver Losehand, hinten Marco Santi. (Bilder: Michel Canonica)

Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Warum?

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Lieben Sie jemand?

Und woraus schliessen Sie das?

Es sind eindringliche, oft sogar bohrende Fragen, die Max Frisch in sein «Tagebuch 1966–1971» eingestreut hat. Fragen, die sich zuallererst an ihn selber richten, es ist ja ein Tagebuch. Dann aber, weil dieses Tagebuch als ein Stück Literatur verfasst worden ist, auch an die Leserinnen und Leser. An jeden und jede. So haben Frischs Fragebögen auch begonnen, ausserhalb des Tagebuchs ein Eigenleben zu führen. Zum Beispiel morgen Freitag in der St. Galler Lokremise. «Fragebogen I–XI» heisst das Projekt des Theaters St. Gallen.

Tanz, Theater, Fragen

Doch wie macht man elf Fragebögen zu Theater? Mehr noch, auch zu Tanz und Musik? Denn um alle drei geht es an diesem Abend. «Wir starten mit einer Art tänzerischem Prolog», sagt Katja Langenbach, die Regisseurin. «Ausgehend von den beiden Kernfiguren des Mittelteils haben wir viele Doubles entwickelt. Es gibt also anfangs nur Männlein und Weiblein, eine Entindividualisierung findet statt. Und dann verdichten wir hin zum Stück – das immer wieder durchsetzt ist von den Fragen.»

Das auch von Max Frisch verfasste Stück «Biografie: Ein Spiel» bildet den erwähnten zweiten Teil. Die männliche Hauptfigur Hannes Kürmann bekommt darin Gelegenheit, die Weichen in seinem Leben neu zu stellen. Er kann entscheiden, was er gerne nicht erlebt, wen er gerne nicht getroffen hätte.

Biographie ohne Antoinette?

Eine zentrale Rolle in diesem Leben spielt Antoinette. Biographie ohne Antoinette? Kürmann steht da und schweigt. Nein, so einfach lässt sich ein anderes Leben nicht zimmern. Vielmehr: Es geht gar nicht. «Wer war ich, wer bin ich, wer will ich sein?» Auf diese Kurzformel bringt Katja Langenbach die Essenz des Stücks, das so viele Fragen aufwirft wie die Fragebögen selber.

Die Idee zum Ganzen ist von Schauspielchef Tim Kramer und von der früheren Dramaturgin Karoline Exner gekommen. Sie haben darin «eine gute Chance gesehen, Tanz und Schauspiel zusammenzubringen, weil es einen sehr assoziativen Zugang ermöglicht», erklärt Regisseurin Langenbach.

«Mit Enthusiasmus»

Tanzchef Marco Santi findet es «ganz toll, dass wir mit dem Schauspielensemble etwas zusammen machen. Die Schauspieler und das Tanzensemble – das hat ein unglaubliches Potenzial. Es ist eine geballte Ladung an Energie. Alle haben sich mit Enthusiasmus darangemacht.»

Alle machen alles

Wesentlich für Katja Langenbach wie für Marco Santi war, dass sich unter der Hand nicht wieder die alte Spartentrennung herausbildet. «Wir haben zu Beginn gesagt: Die Tänzer sollen auch spielen, und die Schauspieler sollen auch tanzen», sagt Langenbach. Für beide war das eine grosse Umstellung. «Denn was bedeutet das für den Tänzer, wenn der Schauspieler anders reagiert, als es ein anderer Tänzer tun würde, und umgekehrt?» Daraus ergeben sich reizvolle Kontraste und interessante Veränderungen. «Wir merken, dass die Schauspieler immer mehr körperliche Aktionen anbieten», erzählt sie. «Und dass die Tänzer zu mir kommen und sagen: <Hast du noch ein wenig Text, ich möchte gerne sprechen.> Unser Zugang inspiriert sie.»

«Da gibt es viele Möglichkeiten»

Trotzdem bleibt die Frage, wie man denn eigentlich eine Frage tanzt. «Oh, da gibt es unglaublich viele Möglichkeiten», sagt Marco Santi. «Mit den Doubles von Antoinette und Kürmann haben wir einen leichten Zugang gefunden. Auch die Musik von Roderick Vanderstraeten bildet eine wichtige Ausdrucksebene.»

Auch wenn die eine oder andere Frage Staub angesetzt hat, zeitlos zeitgemäss bleibt Max Frisch. Weil, wie Katja Langenbach betont, «aktuell bleibt, ob man mit seiner persönlichen Freiheit etwas anfangen kann oder vor den vielen Optionen des Lebens zurückschreckt. Im Kern des Ganzen aber steckt die Einsicht, dass man sich selber nicht ausweichen kann.»

Premiere morgen Freitag, 20 Uhr, Lokremise

Bei der Probe II: Sandra Klimek und Alexandre Gilbert. (Bild: Michel Canonica)

Bei der Probe II: Sandra Klimek und Alexandre Gilbert. (Bild: Michel Canonica)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.