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Eine ganz normale Horrorfamilie

US-amerikanische Horrorfilme mausern sich in jüngster Zeit zu Publikumserfolgen. «Hereditary» wird gar mit Genreklassikern verglichen. Ein Blick auf die Kunst von Angst und Schrecken mit Anspruch.
Regina Grüter
Wir wollen jetzt nicht verraten, wer da brennt (links: Toni Collette). Jedenfalls geht das Leben der Familie Graham förmlich in Flammen auf. (Bild: Ascot Elite)

Wir wollen jetzt nicht verraten, wer da brennt (links: Toni Collette). Jedenfalls geht das Leben der Familie Graham förmlich in Flammen auf. (Bild: Ascot Elite)

Er wird gehypt wie verrückt, «Hereditary» des New Yorkers Ari Aster. In seinem Débutfilm knüpfe der 32-Jährige an Klassiker des Horrorgenres aus den 1960er- und 1970er-Jahren an wie «Rosemary’s Baby» (1968) oder «The Exorcist» (1973), liest man in der amerikanischen Presse. Ist da was dran? Und ist der beim Publikum sehr erfolgreiche «Hereditary» denn besser als «Get Out» (2017) oder «A Quiet Place» (2018), die sich ebenfalls zu Geheimtipps mauserten?

Die Mutter von Annie (Toni Collette) ist tot. Sie scheint eine schwierige Person gewesen zu sein und wird die Familie Graham – Ehemann Steve (Gabriel Byrne), Sohn Peter (grossartig: Alex Wolff) und Tochter Charlie (Milly Shapiro) – über den Tod hinaus verfolgen. Sie leben in einem waldnahen Haus, wo Annie im Atelier ihre Welt detailgetreu in Puppenstuben nachbaut, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Charlie sieht aus wie ein zerrupftes Vöglein, das aus dem Nest gefallen ist, und bastelt grausige Totems. Peter sehnt sich nach einem normalen Teenagerleben, und der Psychologe Steve versucht sich als ruhender Pol. Die Hinweise auf Angst und Schrecken liegen verstreut im durchaus normal anmutenden Haus.

Es gibt kein Entkommen

Was ist real, was nachgebaut? Mit diesen Fragen spielt Aster geschickt. Was ist Fantasie, was Hirngespinst? – liegen doch psychische Krankheiten scheinbar in Annies Familie. Türen, Gänge und Fenster – das Haus spielt zweifelsohne eine weitere Hauptrolle neben der Familie Graham und den unsichtbaren Kräften, die sie lenken. Die Räume werden mit Teleobjektiv eng gemacht und Distanzen klein – wie die Hotelgänge in Stanley Kubricks Meisterwerk «The Shining» (1980). Das hat eine klaustrophobische Wirkung und verstärkt das Gefühl: Es gibt kein Entkommen.

Filmisch ist das einwandfrei gemacht. Der Entwicklung der Figuren wird genügend Raum gegeben, ihre Schwachpunkte werden herausgearbeitet, mit dem Fortlauf der Handlung glaubhaft Zweifel und Misstrauen gesät. Und man wird dann auch gelegentlich leicht überrascht. Jedoch kann Ari Aster den Zuschauer weniger in die Irre führen als seine Figuren. Eigentlich interessant und identitätsstiftend am Horrorfilm ist, wenn der Zuschauer nur ein bisschen mehr weiss als die Protagonisten.

Das Gefühl der ­ absoluten Ohnmacht

Gegen Ende wird’s dann fast unfreiwillig komisch, und es bleibt die Frage: Ist der Plot vom Ende aus betrachtet nicht plump? Aber, um fair zu bleiben, geht es einem bei «The Exorcist» genauso. Ist der Dämon einmal ausgetrieben, verpuffen die vielen geschaffenen Anreize einfach so. Das «Böse» – oder übersetzt Schicksalsschläge, schwere Prüfungen, die Versuchung – kann einen im Horrorgenre immer und überall heimsuchen. Und es gibt nichts, was man dagegen tun könnte. Es ist dieses Gefühl der absoluten Ohnmacht, das Ari Aster zu transportieren versucht.

Doch wie war man bei «A Quiet Place», «Get Out» und «Rosemary’s Baby» in Schockstarre in den Sessel gepresst. Sie hielten einen bis zum Schluss emotional bei der Stange. Und die beiden letzteren werfen Fragen auf, die das grosse Unbehagen noch lange im Kopf nachhallen lassen.

Hereditary ist ab 19.7. in den Kinos.

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