Eine Frau sieht Grün

LESBAR SCHWEIZ

Theodora Peter, Sfd/ beat Mazenauer, sda
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lesbar - Simona Ryser (Bild: Theodora Peter, sfd/ Beat Mazenauer, sda)

lesbar - Simona Ryser (Bild: Theodora Peter, sfd/ Beat Mazenauer, sda)

LESBAR SCHWEIZ

Im schwülwarmen Frühling des Jahres 2014 reist Leo Meister, Dozentin für Stadtentwicklung, für eine Woche nach Frankfurt. Eigentlich allein. Wäre da nicht der Frosch, der auf dem Koffer sitzt und sie mit seinem Platschen überall hin begleitet. Kurz zuvor hatte Leo in einem Antiquariat das Buch entdeckt, das ihr Vater jahrelang mit sich herumgetragen hatte: «Rettet die Amphibien!» Nach dem Absturz einer Baustoffhändler-Karriere war ihm nur der verzweifelte Versuch geblieben, im Garten Frösche anzusiedeln. Simona Ryser lässt ihre Protagonistin in Rückblenden in die Welt ihrer Kindheit eintauchen, dabei geschickt Perspektiven und Tempi wechselnd. Die 45-Jährige verbindet die Geschichte vom Aufbruch einer modernen Frau mit einem berührenden Porträt einer Vätergeneration, die mit dem Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre in die Rolle der wohlstandsmehrenden Pflichterfüllung gedrängt wird.

Simona Ryser: Der Froschkönig, Limmat 2015, 168 S., Fr. 35.90. Lesung: 28.3., 14 Uhr, Hauptpost St. Gallen

Schicksal spielen

Die in Zürich lebende Schauspielerin Dagny Gioulami verquickt in ihren Geschichten ums Nähen und Spinnen munter Märchen und Misere. Um die Besitzerin einer chemischen Reinigung zu retten, begeben sich die Erzählerin und ihr «Arbeitskollege», der tätowierte Polizist, auf eine Reise nach Griechenland. Die führt in ein engmaschiges Netz von Verwandten, die alle besucht sein wollen. «Alle Geschichten, die ich kenne» beginnt märchenhaft-verquirlt, dann glätten sich Erzähl- und Schicksalsfaden allmählich, um an der Hochzeit eines fremden Paars festgebunden zu werden. So strickt die Autorin einen verwunderlichen Geschichtenreigen. Doch die Besuche bei Onkeln und Tanten ergeben ein kaum durchschaubares Geflecht. Das starke Gerüst des Romans verliert seine Festigkeit und mündet in zuweilen banale Anekdoten, die nur sehr zurückhaltend die griechische Misere widerspiegeln.

Dagny Gioulami: Alle Geschichten, die ich kenne, Weissbooks 2015, 150 S., Fr. 28.-

lesbar - Dagny Gioulami (Bild: Theodora Peter, sfd/ Beat Mazenauer, sda)

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