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Eine Frage der Dose

Manfred Pernice ist der Herr der Dosen. Der Bildhauer zeigt im Kunstmuseum St. Gallen, dass Dosen als Litfasssäulen, Sockel und Geschichtsspeicher taugen und man sogar Menschen «verdosen» kann.
Christina Genova
Manfred Pernice sammelt Steingutvasen aus der DDR. In St. Gallen präsentiert er 145 davon auf einer Dose. (Bild: Hanspeter Schiess)

Manfred Pernice sammelt Steingutvasen aus der DDR. In St. Gallen präsentiert er 145 davon auf einer Dose. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Herr der Dosen ist nicht besonders gesprächig. Beim Rundgang durch die «2B Dosenwelt», seine Einzelausstellung im Kunstmuseum St. Gallen, lässt sich Manfred Pernice nur ungern ein paar Aussagen zu seinen Skulpturen entlocken. Auch sie verhalten sich dem Betrachter gegenüber abweisend und zieren sich, etwas von ihrem Inhalt und ihrer Bedeutung preiszugeben. Es gilt also, das Saalblatt gründlich zu studieren.

Die Dosen sind Manfred Pernice' Markenzeichen. Es sind zylinderförmige Objekte – nicht aus Weissblech oder Aluminium, sondern aus billigen Materialien wie Sperrholz, Pressspan und Pappe, auch eine Stoffhülle können sie haben. Manchmal ermöglicht ein Schlitz einen Einblick in ihr Inneres und offenbart damit ihre Konstruktionsweise.

Ein Dosenbunker aus Beton

«Eine der eigenwilligsten Positionen der zeitgenössischen Skulptur» hat das Kunstmuseum angekündigt. Noch vor 15 Jahren wurde Manfred Pernice als neuer deutscher Bildhauer-Shootingstar gehandelt. Seine Arbeiten wurden 2002 und 2003 an der Biennale in Venedig und 2002 auf der Documenta 11 gezeigt. Mittlerweile ist es bedeutend ruhiger geworden um ihn.

Eine Dose kann vieles sein bei Manfred Pernice. «Indem ich Dosen mache, versuche ich, eine Art von Ordnung herzustellen, auch wenn sie unsinnig erscheint», hat der Künstler einmal gesagt. In vielen Dosen manifestiert sich die Vergangenheit. Ein Retrotouch, etwas Melancholisch-Nostalgisches haftet ihnen an. Durch die Wahl der Materialien fängt Manfred Pernice einen bestimmten Zeitgeist ein. Vor dem Kunstmuseum steht die zwei Meter hohe, bunkerähnliche «Peildose Forelle». Sie besteht aus verwittertem Beton und ist teilweise mit abgeschlagenen Keramikplatten besetzt. Die düstere Dose erinnert an die Zerstörung der holländischen Ortschaft Den Helder im Zweiten Weltkrieg durch die Wehrmacht.

Dosen sind per Definition Behälter zur Aufbewahrung von Dingen, doch kondensiert Geschichte bei Pernice vor allem an ihrem Äusseren. Dadurch, dass er sie manchmal mit Textauszügen tapeziert, funktionieren sie gar als Litfasssäulen. Was ist Innen, was ist Aussen? Das interessiert Manfred Pernice. In der Ausstellung gibt es auch eine «Hemddose». Sie ist nicht etwa mit einem Hemd gefüllt, sondern damit bespannt. Ein besonderes Faible hat Pernice für die DDR: Ein fünfteiliges buntes Dosen-ensemble erinnert an das Logo der sozialistischen Weltfestspiele 1973 in Berlin. Auf einer anderen Dose präsentiert er einen Teil seiner umfangreichen Sammlung von Vasen aus der Produktion der DDR-Steingutfabrik in Strehla. Eine Dose kann also auch Präsentationsfläche sein.

Der Dosentreff der Bildhauer

Dosen sind für Pernice eine Möglichkeit, über die Skulptur als solche nachzudenken. Sie kann für sich alleine funktionieren, in den Dialog treten mit Besuchern, anderen Dosen oder mit dem Raum. Zu seinen künstlerischen Strategien gehört es, seine Werke wiederzuverwerten und je nach Kontext anzupassen. In St. Gallen verwendet er Dosen als Sockel, die er mit Skulpturen von Walter Bodmer, Diogo Graf, Wolfgang Laib und Fritz Wotruba aus der Sammlung des Kunstmuseums bestückt. Schliesslich kann eine Dose auch für einen bestimmten Menschen stehen, den Pernice interessant findet und deshalb «verdost» hat. In St. Gallen hat er einen «Dosentreff» unter anderem aus den Bildhauern Bernhard Heiliger, Siegfried Krepp und Fritz Wotruba formiert.

Bis 19. Februar.

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