Eine Ehe zum Davonlaufen

Nach seiner Premiere am Zurich Film Festival startet der Psychothriller «Gone Girl» von David Fincher morgen bereits in den Kinos. Es ist ein düsterer Blick auf die Institution Ehe.

Andreas Stock
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Nick (Ben Affleck) bei der Pressekonferenz für seine vermisste Frau Amy. Szene aus «Gone Girl» von David Fincher. (Bild: pd)

Nick (Ben Affleck) bei der Pressekonferenz für seine vermisste Frau Amy. Szene aus «Gone Girl» von David Fincher. (Bild: pd)

In jeder Ehe gibt es ein Geheimnis – heisst es im leitmotivischen Epilog von «Gone Girl». Dass man sich nämlich über seinen Partner fragt: Was denkst Du? Was fühlst Du? In «Gone Girl» sind die Antworten weit entfernt davon, die Institution Ehe als ein Hort von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Verständnis zu sehen. Im Gegenteil, die Abgründe sind furchteinflössend.

Der fünfte Hochzeitstag

Die US-Autorin Gillian Flynn hat ihren gleichnamigen Erfolgsroman zum Drehbuch umgeschrieben. Sie schildert den bitterbösen Psychokrieg eines scheinbar perfekten Ehepaares. Der Film beginnt am fünften Hochzeitstag von Amy (Rosamund Pike) und Nick (Ben Affleck) – das ist kein besonderer Tag mehr, wie sich bald zeigt. Nick bringt den Abfall vors Haus, setzt sich ins Auto und fährt in «The Bar». In der Bar arbeitet seine Schwester, mit der er zuerst mal einen trinkt.

Als Nick wieder nach Hause fährt, findet er das Haus leer. Amy ist spurlos verschwunden, umgestossene Möbel lassen auf ein Verbrechen schliessen. Nick benachrichtigt die Polizei und gerät bald selbst unter Verdacht. Unter anderem, weil Nick gegen aussen irritierend nüchtern und unbeholfen auf das Verschwinden seiner Frau reagiert. Zwar glaubt die ermittelnde Polizistin noch nicht, dass der Ehemann Amy umgebracht hat, aber die Medien stürzen sich auf diese Theorie. So sieht sich Nick, der immer nervöser wirkt, bald von allen Seiten attackiert – neben Polizei und Medien auch von den Eltern Amys, zu denen er keinen guten Draht hat.

Die Säure einer Beziehung

Autorin Gillian Flynn hat ihren auf zwei Perspektiven aufgebauten Roman in eine filmische Dramaturgie aufgelöst und Regisseur David Fincher macht daraus beklemmendes, clever inszeniertes Spannungskino. Geschmeidig wechselt der US-Regisseur die verschiedenen Zeitebenen und Handlungsorte. Und überrascht mit unerwarteten Wendungen – sofern einem das Buch nicht bereits bekannt ist. Fincher nutzt die Dynamik des Thrillers für einen gnadenlosen Blick auf diese Ehe. Er schildert im Rückblick ihre anfängliche Harmonie und die Hoffnungen – und zeigt, wie die Erwartungen und Versprechungen ihrer Ehe wie von einer Säure zerfressen werden. Ebenso bitter ist sein Blick auf die Mechanismen der Boulevardmedien, die lediglich ein der Skandalisierung und Entrüstung geschuldetes Bild der Wirklichkeit zeichnen.

Wenn sich die allererste, zärtliche Einstellung von «Gone Girl» am Ende wiederholt – der Kopf einer Frau, die ihr Gesicht zum Betrachter dreht und einen anblickt – wird dieses Bild eine komplett andere, verstörende Wirkung haben.

Ab morgen in den Kinos