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Eine Dorfgeschichte, die wehtut

Aus mehreren Perspektiven erzählt Tabea Steiner in ihrem ersten Roman «Balg» von einem Jungen, der sich Aufmerksamkeit erkämpfen muss.
Céline Graf
Tabea Steiner: Balg, edition bücherlese, 2019, 240 S., Fr. 29.–.

Tabea Steiner: Balg,
edition bücherlese, 2019, 240 S., Fr. 29.–.

«Dieses blöde Fahrrad, diese blöde Mutter.» Timon radelt stehend durch den Regen. Seine Eltern, die ihm kein neues Fahrrad kaufen, verflucht er zu recht. Mutter Antonia geht ihn nicht einmal suchen, wenn er von zu Hause wegläuft, Vater Chris kümmert sich um seine neue Familie in der Stadt. Timons wachsende Frustration wird zu Aggression, er tritt gegen Dinge und haut Mitschüler. Einmal fährt er absichtlich einen Igel tot. Das ist eine schlimme Szene, aber selbst dann versteht man den Jungen irgendwie. Denn Autorin Tabea Steiner stellt alle Haupt- wie auch die wichtigen Nebenfiguren in ihrem Debütroman differenziert und empathisch dar.

Fragile Beziehungsgeflechte

«Balg» ist eine berührende Dorfgeschichte, geschrieben aus mehreren Perspektiven, die wehtut. Vorurteile sabotieren die fragilen Beziehungsgeflechte. So wird der Ex-Lehrer und Hobbygärtner Valentin zu einem Ersatzvater für Timon. Allerdings steht dabei ein Konflikt aus der Vergangenheit mit Antonia im Weg. Warum nur springt sie nicht über ihren Schatten, wie sie sich auch selbst fragt. Dass dieser Roman die Leserinnen und Leser bestärkt, ein besserer Vater, eine bessere Mutter, eine bessere Lehrperson oder andere bessere Erziehungsberechtigte zu werden, ist gut möglich.

Die sensible Erzählung, die ohne Kapitel auskommt, ist sprachlich ausgefeilt und zuweilen überraschend. Da bekommt Hundegebell schon mal das Adjektiv «dunkelgrün» verpasst. Zudem hat die Autorin ein Gespür für effektvolle Kommasetzung. Als etwa Antonia mit einer anderen Mutter streitet, die Timon abschätzig «Balg» nennt, heisst es: «Sie blicken sich bewegungslos in die Augen; wie unentschlossene Tiere, die noch nicht wissen, sollen sie angreifen, sollen sie fliehen.» Bleibt zu hoffen, dass Timon seine eigene Richtung findet, ausserhalb der Dualität von Angriff oder Flucht, Dorfgerede oder Schweigen.

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