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Schlange stehen für Christian Thielemann: Der Dirigent lieferte im KKL Extraklasse zum halben Preis

Im restlos ausverkauften KKL spielte die Sächsische Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Chefdirigent Christian Thielemann gross auf. Da ging sogar der Auftritt des prominenten Solisten beinahe unter.
Fritz Schaub

Eine unheimliche Spannung lag in der Luft, wie man es am ehesten beim Lucerne Festival erleben kann. Junge Leute hoben vor dem Eingang Zettel mit der ­Aufschrift «Suche Karten» in die Höhe. Die Erwartungshaltung war auch im vollgedrängten Foyer körperhaft zu spüren und entlud sich beim Erscheinen der Sächsischen Staatskapelle Dresden und des Chefdirigenten Christian Thielemann in einem enthusiastischen Beifall. Sie, die oft am Lucerne Festival zu sehen sind, beschworen den Hype herauf. Aber eingeladen hatte Migros Classics Kulturprozent mit Preisen, die zwei oder gar dreimal tiefer sind als beim Festival.

Dresdener Elfenzauber

Da breitete sich auf dem Podium das traditionsreiche Orchester in seiner ganzen Breite und Fülle aus, und was hörte man? Einen wie aus weiter Ferne kommenden, fein abgestuften Hornklang, dem die ersten Violinen hauchzart antworteten. Der ganze Elfenzauber aus Carl Maria von Webers Oper «Oberon» wurde in der Ouvertüre heraufbeschworen. In dem mit einem Donnerschlag eingeleiteten Allegro-Hauptteil kehrte das Orchester seine andere Seite hervor: einen kernigen, ganz in der Tiefe verankerten Klang, bei dem die lange Tradition des Orchesters, die bis zu Weber zurückreicht, mit Händen zu greifen war. Da wurden bereits Merkmale hörbar, die sich in der vierten Sinfonie von Brahms zu einer begeisternden Wiedergabe von ungewöhnlicher Dichte, Breite und Ausdruckstiefe verbanden.

Im Sog der Grossbesetzung

Nach den Brahms-Aufführungen unter Herreweghe und Haitink im KKL hat die Vierte unter Thielemann gezeigt, dass auch mit einer grösseren Besetzung eine Wiedergabe möglich ist, die keineswegs veraltet wirkt, sofern ein Dirigent von diesem Kaliber die notwendigen Impulse gibt. Thielemann achtet in bester Kapellmeister-Manier auf kleinste Details und führt auf dieser Grundlage sein Konzept aus. Seine Erfüllung findet dieses im Finalsatz, der trotz der Grossbesetzung nicht schwerfällig, sondern regelrecht kurzweilig wirkte. Der Dirigent konzentrierte sich nicht nur auf die filigrane Ausführung der Passacaglia mit den 30 Variationen, sondern entfachte zugleich den Sog des Sonatensatzes in einer Weise, die zu einem sich unheimlich steigernden Ausgang führte.

Dazwischen wirkte Liszts A-Dur-Klavierkonzert wie ein Fremdkörper. Dazu trug auch der Titan unter den gegenwärtigen Pianisten, der Russe Denis Matsuev, bei, der sein Spiel in den leiseren Passagen zwar bändigte, aber an den lauten Stellen mit seiner Pranke umso kräftiger und exzentrischer zugriff. So steigerten sich Orchester und Solist immer wieder zu gewaltiger Lautstärke, was zu Verdickungen führte.

Die nächste Migros-Saison umfasst sieben statt fünf Konzerte: www.migros-kulturprozent-classics.ch

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