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Eine Band, die gerne schockt

Sie nennen sich Krank, bezeichnen sich als «radikal abnormal» und leben den Exzess. Doch der Geist der Schweizer Band ist gar nicht so getrübt.
David Gadze
Punk mit Klamauk spielen Krank mit Augenzwinkern. (Bild: pd)

Punk mit Klamauk spielen Krank mit Augenzwinkern. (Bild: pd)

Wer krank ist, schleppt etwas mit sich mit, das der Körper eigentlich loswerden sollte. Krank haben ihr eigenes Medikament gefunden: die musikalische Ekstase. So bezeichnet Sänger Knüppelfresse Schmidt, den meisten besser bekannt als ehemaliger Viva-VJ und heutiger Virus-Moderator Robin Rehmann, die Musik von Krank als «Ventil»: «Eigentlich sind wir fröhliche, liebe Menschen. Aber auch wir tragen etwas mit uns herum, das heraus muss.

» Dieses Etwas sei das schlechte Gewissen, das man in den einfachsten Situationen des Alltags auflesen könne. «Wenn wir uns auf der Bühne austoben und so all die Sachen von uns abschütteln können, fühlen wir uns befreit, ja gereinigt», so der Sänger. «Für einen Moment bist du der König», sagt Schmidt. König über ein Volk aus Gleichgesinnten, vielleicht auch Gleichinfizierten.

Kunstfiguren und Schockeffekte

Begleitet wird Schmidt dabei vom Gitarristen Hellje Hirntod, Bassmann Massen Mord und Drummer Kalle Russel, der gemäss Kurzbiographie eigentlich Parkinson habe, von der Band aber hinters Schlagzeug gesetzt wurde, um die nervösen Zuckungen auszunutzen. Nach einer EP und dem 2007 erschienenen Début «Radikal abnormal» veröffentlichte die Chaostruppe letzten Herbst ihr neues Album «Bier, Blut, Bolzenschussgerät».

Noch mehr als zu ihrer melodischen Punkmusik passt der Titel zu den Konzerten, die gewöhnlich im Exzess und gelegentlich mit Verletzungen enden. «Krank, das ist Schweizer Deutschpunk, und der Name ist Programm: Eine Show mit viel Kunstblut, Geschrei und Bier, dagegen ist Marilyn Manson ein braver Kindergärtner und Alice Cooper ein süsser Vorstadtpfadfinder», schreibt die Band im Infoblatt. Und spätestens hier wird klar: Es ist ein Vergleich unter Kunstfiguren, die gerne ein wenig schocken.

Mehr als stumpfe Anarchie

Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt und etwas tiefer in die Songtexte reinhört, entdeckt schnell, dass Krank durchaus eine Portion gesunden Menschenverstand mitbringen und gar nicht so radikal abnormal sind, wie sie angeben. Ihre Musik sei «ein Spiegelbild der Gesellschaft», meint die Band in einem der zahlreichen Videos, die auf YouTube, in der Facebook-Gruppe oder auf der Homepage der Gruppe zu finden sind.

So enthalten ihre Lieder eben auch sozialkritische Texte, die über die in (Deutsch-)Punk-Kreisen verbreitete, stumpfe Anarchie-Propaganda hinausgehen und vieles auf subtile Art und Weise oder mit einem Augenzwinkern anprangern und kommentieren. Manche Kranke lassen sich nur schwer heilen. Manchmal ist das gut so.

Heute Sa, Grabenhalle St. Gallen, 21 Uhr (Tür 20 Uhr); Support: Cruel Noise und Shelta Flares

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