Einbürgerung als Castingshow

Kurz vor der Abstimmung über das neue Asylgesetz bringt das Zürcher Maxim-Theater das Stück «Schweizerpass – Superstar» nach St. Gallen. In der bitterbösen Satire kämpfen neun Frauen um den Titel «Immigrantin des Jahres».

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Wer bekommt den Schweizer Pass? Neun Migrantinnen kämpfen im Einbürgerungscasting um den Sieg. (Bild: pd)

Wer bekommt den Schweizer Pass? Neun Migrantinnen kämpfen im Einbürgerungscasting um den Sieg. (Bild: pd)

Die Ausgangslage ist reichlich zynisch. Ein (fiktiver) quotenbedürftiger Schweizer Privatsender namens «Swiss Dreams» sucht in einer Show die Immigrantin des Jahres, verspricht den Kandidatinnen einen Preis, der ihr Leben verändern wird, und spielt eine Sendung lang mit ihren privaten Sehnsüchten. Wie der Hauptgewinn aussieht, ist zunächst nicht klar. Winkt am Ende der Castingshow vielleicht sogar der Schweizer Pass? Jedenfalls stellen sich neun Frauen der Herausforderung; sie kommen aus Deutschland, Finnland, Kolumbien, Brasilien, Kroatien, Serbien, Österreich und dem Kongo.

Mit Immigranten punkten

Das Stück «Schweizerpass – Superstar» des Zürcher Migrantentheaters Maxim ist eine bitterböse Satire auf all die Castingsendungen im Fernsehen, wirft aber auch kritische Fragen zur Schweizer Einbürgerungspraxis auf: Was macht eine «gute» Immigrantin aus? Was muss sie an kulturellen Sitten und Gebräuchen aufgeben, um in der Schweiz Fuss zu fassen? Welche Verhaltensweisen muss sie annehmen, damit sie hier akzeptiert wird? Fragen, die schon der Film «Die Schweizermacher» stellte, die aber nach wie vor aktuell sind. Gerade in diesen Tagen, kurz vor der Abstimmung über die Revision des Schweizer Asylgesetzes. «Immigranten sind längst zur argumentativen Manövriermasse geworden», schreibt das Maxim-Theater in einer Mitteilung. Dieser Manövriermasse würden sich «je nach Bedürfnis fast alle politischen Gruppierungen bedienen, um Medienpräsenz oder Stimmen zu gewinnen und beim Publikum zum punkten». So gesehen, liegt denn auch der Schritt zu einer Einbürgerungs-Castingshow nicht weit.

Widersprüchliche Kräfte

Regisseurin Jasmine Hoch hat «Schweizerpass – Superstar» mit professionellen Schauspielerinnen und Laien inszeniert. Das Frauen-Ensemble beschäftigt sich mit Sehnsüchten und mit den Strategien, endlich in der Schweiz anzukommen. Der Theaterabend versucht auch dahinter zu kommen, wohin die Suche nach Anerkennung und Erfolg führen kann und welche widersprüchlichen Kräfte dabei freigesetzt werden. Heiter ist diese Einbürgerungsshow also nur vordergründig.

Vor der morgigen Aufführung in der Grabenhalle findet ein Fachgespräch statt, unter anderem mit Peter Tobler, Leiter des städtischen Amtes für Gesellschaftsfragen, und Silvia Maag von der regionalen Fachstelle Integration Ostschweiz. (pd/rbe)

Morgen Mi, Grabenhalle, 20 Uhr