Ein zeitlos eleganter Meister

Heute abend gastieren mit dem Gitarristen Al Di Meola und dem Pianisten Gonzalo Rubalcaba gleich zwei hochkarätige und zudem äusserst zugängliche Vertreter des Gegenwart-Jazz in der Tonhalle St. Gallen.

Michael Hasler
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Al Di Meola begeistert die Welt mit reiner Gitarrenmusik. (Bild: pd)

Al Di Meola begeistert die Welt mit reiner Gitarrenmusik. (Bild: pd)

Al Di Meola – schon der Name klingt exklusiv, einladend, filigran und appetitlich. Wie ein edler Fruchtsaft vielleicht oder assortiertes Konfekt. Tatsächlich ist beim Italoamerikaner, der in New Jersey – von New York aus betrachtet also auf der anderen Seite des Hudson Rivers – aufwuchs, so ziemlich alles verführerisch. Angefangen bei seinem Äusseren, welches ihm durchaus einen Gastauftritt in einer der damals rasend-erfolgreichen Miami-Vice-Staffeln hätte bescheren können, bis hin zu seiner beängstigend geschmeidigen Art, das Schwierige auf der Jazzgitarre einfach wirken zu lassen.

Begnadeter Techniker

Al Di Meola ist ein Verführer, ein ausdauernder Protagonist des Jazz, aber auch ein Grenzen und Genres immer wieder Ausblendender. Als er mit 19 von niemand Geringerem als Chick Corea entdeckt und gefördert wurde, hatte die amerikanische Jazzszene ein neues Gitarren-Wunderkind gefunden. Fast zeitgleich realisierte er mit der «Wunderband» Return to Forever mit Chick Corea, Stanley Clarke and Lenny White seinen ersten Grammy. Anders als die grossen Monolithen des Pop und Rock der 70er-Jahre, Eric Clapton und Jimmy Hendrix, suchte sich der Techniker seinen Weg über Skalen und Melodien, während die gefeierten Stars ihre Unsterblichkeit mit ausufernden Solis und harten Riffs besiegelten.

Grenzgänger

Noch bekannter als seine Arbeit mit den Allergrössten des Jazz aber machten ihn seine Ausflüge in die lateinamerikanische Musik. Zusammen mit John McLaughlin und Paco de Lucia gelang es ihm, ein Weltpublikum für rein akustische Gitarrenmusik zu begeistern. Das erste Album des kongenialen Gitarrentrios Friday Night in San Francisco ist so etwas wie ein Meilenstein der Jazzgeschichte, verkaufte sich doch der Tonträger weltweit über zwei Millionen Mal. Es wäre indes falsch, Al Di Meola in einem Genre festbannen zu wollen. Seine musikalische Flexibilität, sein unerhört feines Gespür für Emotionen und sein Wunsch nach Weiterentwicklung führten auch zu Zusammenarbeit mit Populärkünstlern wie Phil Collins, Carlos Santana oder Stevie Wonder. Auch heute abend dürfe das Publikum die ganze Bandbreite dieses wundersamen Musikers erleben können. Al jene, die Gonzalo Rubalcabas und Al Di Meolas gemeinsame CD «Flesh on Flesh» kennen, wissen, dass die Reise von melancholischem Son über Flamenco bis hin zu Fusion-Jazz führen wird.

Heute Do, Tonhalle, 20 Uhr

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