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Bestseller: Ein Weckruf wider den Pessimismus

In seinem neuen Buch zeichnet Richard David Precht eine düstere Blaupause einer Welt, die den Bürger durch Automatisierung und Überwachung überfordert.
Stefan Welzel

Vor elf Jahren sorgte Richard David Precht mit seinem Bestseller «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» für Furore auf dem deutschsprachigen Sachbuch-Markt. Der Philosoph kombinierte erkenntnistheoretische Themen mit Ausflügen in die Verhaltensforschung und Psychologie. Eine bildliche Sprache und eine anschauliche Auseinandersetzung mit Alltäglichem machen Prechts Bücher aus.

Auch in «Jäger, Hirten, Kritiker» schafft es der 53-Jährige in eloquenter Manier, seinen philosophisch durchleuchtenden Stoff auch für Laien gut lesbar zu vermitteln.

Siegeszug der digitalen Revolution

Precht analysiert zunächst den Gegenwartszustand und den Siegeszug der digitalen Revolution. Mit hilfreichen Exkursen in die Geschichte zeichnet er das Bild einer Gesellschaft im Umbruch, welche «die grösste Veränderung unseres Wirtschaftens seit zweihundertfünfzig Jahren» erlebt. Prechts Ausführungen, welche Folgen das für unser Demokratieverständnis, unsere Berufswelt und unsere sozialen Beziehungen hat, gehören mit zum Spannendsten dieses lesenswerten Buchs.

Der Autor zeichnet daraufhin eine düstere Blaupause einer Welt, die den Bürger durch Automatisierung und Überwachung überfordert und letztendlich entmündigt und versklavt. Diese Dystopie ist ein schwerer Brocken, den er dem Leser hinwirft. Allerdings schleift Precht diesen in den nachfolgenden Kapiteln Stück für Stück zurecht, bis er ihn fast ganz abgetragen hat.

Der Wahlberliner beschreibt sodann eine «Utopie für die digitale Gesellschaft». In ihr kann jeder Mensch frei nach seinen Fähigkeiten und Neigungen, der Mühsal entfremdeter Arbeit entledigt, arbeiten und leben. Ganz im Sinne von «morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden», wie es einst Karl Marx und Friedrich Engels «besoffen von ihren Ideen» ersannen.

Die Frage nach einem neuen Gesellschaftsvertrag

Gerne und oft bezieht sich Precht auf Marx und dessen Analysen des Kapitalismus. Diese projiziert er aber jederzeit kritisch und gekonnt auf die heutige Zeit. Er bezieht sich auch auf andere bedeutende Denker und Strömungen, um möglichst verschiedene Bezugspunkte zur Philosophie und anderen Wissenschaften herzustellen. Das ist aufregend – manchmal wünscht man sich dabei aber etwas mehr Tiefe als Breite. Zuweilen beschleicht den Leser auch das Gefühl der Wiederholung – hie und da hätte ein Hinweis weniger auf das Silicon Valley oder die möglichen Auswüchse der Automatisierung nicht geschadet.

Precht handelt die Frage nach einem neuen Gesellschaftsvertrag der Zukunft insgesamt aber stringent und in positivem Grundton ab. Dem (Kultur-)Pessimismus tritt er entschieden entgegen. Man möchte ihm nach der Lektüre gerne glauben und hofft auf das Beste. Gerade hier nimmt Precht jeden Einzelnen und vor allem die Politik in die Pflicht. Sein Buch ist als Weckruf zu verstehen, unsere Lebenswelt aktiv zu gestalten und sich nicht den scheinbar unwiderstehlichen Mächten des vermeintlich drohenden, fatalen Weltengangs zu ergeben.

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