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Ein verführerisches Angebot

Ein Diamantring aus der Asche des verstorbenen mexikanischen Architekten Luis Barragán im Tausch gegen sein berufliches Archiv: Die New Yorker Künstlerin Jill Magid zeigt in der Kunsthalle St. Gallen eine provokative Ausstellung.
Christina Genova
Jill Magid hat in der Kunsthalle St. Gallen zu Ehren des Architekten Luis Barragán einen mexikanischen Blumenteppich auslegen lassen. (Bild: Michel Canonica)

Jill Magid hat in der Kunsthalle St. Gallen zu Ehren des Architekten Luis Barragán einen mexikanischen Blumenteppich auslegen lassen. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. «Dearest Federica» – liebste Federica. So beginnt der vierseitige, handgeschriebene Brief der New Yorker Künstlerin Jill Magid an Federica Zanco. Er liegt als Faksimile in einer Vitrine der Kunsthalle St. Gallen.

Heutzutage schreiben wohl nur noch Verliebte einen mehrseitigen Brief von Hand. Tatsächlich ist das, was die 43jährige Künstlerin in wohlformuliertem Englisch und schönster Kalligraphie verfasst hat, so etwas wie ein Liebesbrief. Er enthält zwar keinen Heiratsantrag, aber ein verführerisches Angebot. «The Proposal» – der Antrag, lautet denn auch der Titel von Jill Magids Ausstellung. Sie stellt den Höhepunkt des mehrjährigen Projektes «The Barragán Archives» dar, welches das Vermächtnis des mexikanischen Architekten und Pritzkerpreisträgers Luis Barragán untersucht.

Zwanzig Jahre unter Verschluss

Federica Zanco ist die Direktorin der Barragán Foundation. Sie verwaltet das berufliche Archiv des Architekten, dazu gehören die Namensrechte, die Rechte an Barragáns Werk und allen Fotografien seiner Bauwerke. Zanco erhielt das Archiv, so sagt man, 1995 von ihrem damaligen Verlobten Rolf Fehlbaum geschenkt. Er ist Verwaltungsratspräsident der Schweizer Möbelfirma Vitra. Während der letzten zwanzig Jahre war das Archiv für die Öffentlichkeit nicht zugänglich unterhalb des Firmenhauptsitzes von Vitra in Birsfelden untergebracht.

Dies wirft zahlreiche Fragen auf, die Jill Magid in ihren Werken pointiert thematisiert – zum Beispiel die Frage nach dem Urheberrecht: Weil Federica Zanco der Künstlerin die Erlaubnis verweigerte, eine von Barragán entworfene Pferdetränke zu reproduzieren, rahmte die Künstlerin kurzerhand ein Buch, auf dessen Cover diese abgebildet war. Damit fand Magid einen kreativen Ausweg, um Zancos Kontrolle über Barragáns Vermächtnis zu umgehen.

Jill Magid ist in der Sache Barragán eindeutig Partei. Mit ihrem «Liebesbrief» verfolgt sie eine ganz bestimmte Absicht: Sie will Barragáns Archiv in dessen Heimat Mexiko zurückführen, wo sich sein privates Archiv befindet und auch die meisten seiner Bauten.

Gestörte Grabesruhe

Im Brief schlägt Jill Magid deshalb einen Tauschhandel vor: Federica Zanco erhält für die Rückgabe des Archivs an Mexiko einen mit einem zweikarätigen Diamanten bestückten Solitär. Dieser wurde bei einer spezialisierten Churer Firma aus einem Teil der Asche Barragáns hergestellt. Doch war es legitim, dafür Barragáns Grabesruhe zu stören? Vielleicht um ihn zu besänftigen, hat Magid in der Kunsthalle einen «Tapete des Flores» anbringen lassen. Dieser Blumenteppich wird in Mexiko am Tag der Toten aufgebaut, um die Verstorbenen zu ehren.

Ein Video in der Ausstellung dokumentiert, wie das Grab des Architekten geöffnet, die Urne entnommen und die für die Herstellung des Diamanten nötige Asche abgewogen wird. Der dafür nötige bürokratische Aufwand ist in Form des Schriftverkehrs mit Verwandten und Behörden ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Ihren «Liebesbrief» hat Jill Magid Federica Zanco bei einem Treffen Ende Mai persönlich überreicht und ihr auch den Ring gezeigt. Dieser ist in der Ausstellung zu sehen. Wie Federica Zanco auf den ungewöhnlichen Antrag reagierte, verrät Jill Magid noch nicht. Dies wird Gegenstand einer nächsten Ausstellung sein.

Bis 21.8.

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