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Ein unbequemer Komet

Mit Meshell Ndegeocello ist den Veranstaltern des Kulturfestivals St. Gallen nach jahrelangem Anklopfen endlich eine absolute Wunschverpflichtung geglückt. Wer die Amerikanerin schon live gehört hat, weiss warum.
Michael Hasler
Meshell Ndegeocello (Bild: pd)

Meshell Ndegeocello (Bild: pd)

ST. GALLEN. Mechell Ndegeocello ist eine so facettenreiche Musikerin und Frau, dass ihr mit Worten und in Porträts nur schwer beizukommen ist. Das liegt daran, dass sie mindestens so sehr für ihre politischen Haltungen einsteht wie für ihr gespaltenes Leben als Bassistin, Songschreiberin und Künstlerin.

Tour mit Madonna und Prince

Am Anfang war der E-Bass bei der 1969 in Berlin geborenen Michelle Johnson. Bald zeigte sich, dass in der Tochter eines in Berlin stationierten US-Saxophonisten ein unglaubliches musikalisches Talent schlummerte. Eines, das sich nach der Erweckung zuerst in der Duke Ellington Highschool of the Arts entfaltete, um dann in der Howard University voll entwickelt zu werden. In der Folge war die bereits unter dem beinahe kryptischen Künstlernamen Me'Shell NdegéOcello aktive Instrumentalistin so gefragt, dass die grossen Namen der amerikanischen Musikszene regelrecht bei deren Touren um ihre Gunst buhlten: Chaka Khan, Carlos Santana, die Rolling Stones, Prince, Madonna, Paul Simon, David Bowie, aber auch Sting und – vielbeachtet: John Mellencamp – gehörten zu ihren ausgewählten Auftraggebern.

Neun Grammy-Nominierungen

Neun Grammy-Nominierungen waren dabei für Meshell eine prominente Huldigung für diese Arbeit. Doch ihr künstlerischer Drang verlangte nach mehr – und erstaunlicherweise war es Madonna, die für Ndegeocello zur prägenden Figur wurde. Auf deren Label produzierte sie ihr wohl bis heute bestes Soloalbum, das grandiose «Bitter». Mit tief melancholischen, soulig-bluesigen Popsongs, mit irrwitzig dichten und irritierend schönen Arrangements, löste sie bei den Feuilleton-Journalisten der Welt Hymnen aus.

Nachdem ihre Songs dank des 2001 erschienenen Léa Pool-Films «Lost and Delirious» mit Piper Perabo über Nacht hitparadentaugliche Breitenwirkung erzielte, lag der Amerikanerin die Popwelt erst recht zu Füssen. Aber es liegt nicht in der Natur von Meshell Ndegeocello, darauf einfach ihre Bahnen als strahlender Pop-Komet zu ziehen. Stattdessen erfand sie sich danach von Album zu Album, von Tour zu Tour, neu.

Livekonzerte als Abenteuer

Wer sie etwa beim Millenniumswechsel in der Roten Fabrik in Zürich sah, erlebte ein extrem eindringliches Singer-Songwriter-Konzert. Jahre später, im Kaufleuten Zürich, bot sie ihrem Publikum ein verwirrendes, sessionhaftes Jazzkonzert. Und wiederum einige Jahre später lotete sie im «Moods» die Grenzen von Spoken Word und afrikanischem Hip-Hop aus. Meshell Ndegeocello ist bei aller musikalischen Brillanz auch immer wieder unbequem. Während ihrer Konzerte kann es durchaus sein, dass sie die amerikanische Aussenpolitik anprangert, ihre eigene Bisexualität thematisiert, oder sich über die Position der Frauen in der Welt ganz generell auslässt.

Es wird spannend sein, was die Besucherinnen und Besucher am Samstagabend am Kulturfestival St. Gallen erwarten wird. Ihr aktuelles Album «Comet, Come to Me» lässt einen eher souligen Abend erwarten. Nur wäre Meshell nicht Meshell, wenn sie genau diese Erwartung einfach artig erfüllen würde.

Morgen Sa, Hof Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen, Vorband ab 20.30 Uhr: La Quartett (St. Gallen), Tür/Bar ab 18.30 Uhr

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