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Ein St.Galler Dirigent bleibt Mozart fünf Mal treu

Mehr als ein Jahr lang hat Alexander Seidel mit dem Chor zu St. Otmar den Fokus auf Mozarts kleine Messen gelegt. Anfang Januar sind sie alle noch einmal zu hören: in einem fünfteiligen Gesprächskonzert, gross besetzt wie einst in Salzburg.
Bettina Kugler
Chorleiter Alexander Seidel fordert Genauigkeit und Ausdruck. (Fotos: Michel Canonica)

Chorleiter Alexander Seidel fordert Genauigkeit und Ausdruck. (Fotos: Michel Canonica)

Musiker lächeln oft milde, wenn ihnen Noten für die nächste Orchestermesse in die Hand gedrückt werden, und es ist wieder einmal eine Missa brevis von Mozart: die «Spatzenmesse» oder die «Kleine Credomesse in F» – Werke, die jeder Kirchenchor im Repertoire hat, allein schon deshalb, weil sie feierliche Gottesdienste nicht übermässig in die Länge ziehen und das Budget schonen. Sie sind, zumindest in der üblicherweise praktizierten Form, kammermusikalisch klein besetzt. Kommt noch hinzu, dass Mozartsingen reine Wonne ist, für Amateure wie für Berufsmusiker. Dass jedoch alle fünf Missae breves auf einen Streich gesungen werden, mit zusätzlichen Bläserstimmen, konzertant und moderiert, bringt die bescheidenen Lieblinge neu zum Leuchten. Alexander Seidel leitet den Chor zu St. Otmar seit gut drei Jahren; er hat ihn von Robert Jud übernommen, nachdem dieser dreissig prägende Jahre lang dort am Pult stand. «Ich musste mir gut überlegen, wie ich einen neuen Akzent setzen möchte», sagt Seidel. Für den 1976 in Moskau geborenen Diplomatensohn erschien es reizvoll, in Zyklen zu arbeiten: sich vertieft mit einem Musikstil oder einem Komponisten und dessen Umfeld zu befassen. «Der Chor hat dabei viel gelernt, und selbst wird man auf diese Weise ebenfalls tief vertraut mit einer speziellen Klangsprache.» Etwa jener des frühen Mozart, der sich vor allem am süddeutschen Barock orientierte.

Adagio heisst nicht langsam, sondern «entspannt»

«Der Schlüssel zu dieser Musik ist das richtige Tempo», sagt Seidel; das Gespür dafür hat er ein Jahr lang seinem Chor eingeimpft – mit der ihm eigenen Leidenschaft und Expressivität. «Adagio heisst keineswegs langsam, eher entspannt, und largo meint breit; das kann auch zügig fliessen.» Er weiss, wovon er spricht, schliesslich ist er selbst Sänger: als Countertenor hat er besonders mit der barocken Aufführungspraxis viel Erfahrung. Jeden Sommer leitet er einen Meisterkurs am Festival Arosa Kultur. 1995 gründete er in Zürich das New Sagittarius Consort, mit dem er über fünfzig Konzertprojekte realisiert hat – das Consort war häufig an internationalen Festivals zu Gast. Von Dirigenten wie Roger Norrington, Daniel Barenboim und Nikolaus Harnoncourt, bei denen Seidel assistierte, lernte er, dass es nicht genügt, sich in Partituren zu vertiefen. «Man muss sich mindestens so sehr um die Menschen kümmern, mit denen man musiziert, zumal, wenn es Amateure sind.» Oft schon hat ihm der Zufall eine solche Einsicht zugespielt – etwa, als er in seinen Anfängen am Flughafen Herbert Blomstedt kennenlernte, beim Warten aufs Gepäck. «Ich sprach ihn einfach an; er nahm mich sogleich als Kollege ernst, lud mich zu sich ein. Das hat mir viele Türen geöffnet.»

Ein Barockensemble für die Ostschweiz

Sein Chor hat die Idee, an Mozart dranzubleiben, begeistert aufgenommen. Das fünfteilige Konzert am Dreikönigstag, von 16 bis 21 Uhr, bei freiem Eintritt, mit der Möglichkeit, zwischendurch «barock Kaffee zu trinken» und zu plaudern, soll eine Tradition begründen, das erste von vielen Dreikönigskonzerten in St. Otmar, dem «Arbeiterdom», sein. Dafür wird eigens ein neues Barockensemble ins Leben gerufen, «Anima Mea», mit der Violinistin Oriana Kriszten als Konzertmeisterin. «Wir haben in der Region viele Spezialisten und können mit dem Orchester heimische Spitzenkräfte bündeln», sagt Alexander Seidel. Das Chor- und Konzertjahr 2019 wird sich dann dem Europäischen Barock widmen.

Hinweis

Konzert So, 6.1., 16–21 Uhr, Kirche St. Otmar, St. Gallen

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