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Ein Solothurner Künstler malt vor 150 Jahren Schwarze in den USA – ein Kinobesuch mit dem St.Galler Historiker Hans Fässler

Bruno Molls neuer Dokumentarfilm «The Song of Mary Blane» erzählt das abenteuerliche Leben von Frank Buchser.
Christina Genova
Abenteuer und Künstler Frank Buchser. (Bild: PD)

Abenteuer und Künstler Frank Buchser. (Bild: PD)

Er war Künstler, Abenteurer und Frauenheld. Frank Buchser, geboren 1828 im solothurnischen Feldbrunnen, steht im Zentrum von Bruno Molls neuem Dok-Film «The Song of Mary Blane». Der Regisseur reist auf den Spuren Buchsers nach Andalusien, Marokko und in die USA – ein Jahr nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs.

Vom Bundesrat hatte Buchser den Auftrag erhalten, die Kriegshelden für ein grosses Gemälde im künftigen Nationalratssaal in Bern zu porträtieren, darunter auch heute so umstrittene Figuren wie der Südstaaten-General Lee, einem Befürworter der Sklaverei. Der Film beginnt denn auch mit den Krawallen von Charlottesville von 2017, wo Faschisten versuchten, die Entfernung eines Lee-Denkmals zu verhindern.

Historiker und Aktivist Hans Fässler. (Bild: Urs Bucher)

Historiker und Aktivist Hans Fässler. (Bild: Urs Bucher)

Der St.Galler Historiker Hans Fässler setzt sich schon lange mit den Verbindungen der Schweiz zur Sklaverei auseinander: in Büchern wie «Reise in Schwarz-Weiss», aber auch als Aktivist, etwa, indem er sich für die Umbenennung eines Berggipfels einsetzt, der nach dem Schweizer Glaziologen und Rassisten Louis Agassiz benannt ist – einem Zeitgenossen Buchsers. Im Gespräch nach dem gemeinsamen Kinobesuch zeigt sich Fässler vom Film angetan. In Buchsers Biografie verbinde sich die politische Geschichte der Schweiz und der USA mit Kunstgeschichte. Überflüssig findet er die Aktualisierung mit den Ereignissen von Charlottesville.

Wohlwollend beurteilt Fässler auch die historische Figur Buchser: «Er ist von entwaffnender Ehrlichkeit und Naivität.» Man könne ihm nicht böse sein und erwarten, dass er Kolonialismus und Sklaverei durchschaue. Dem Film hätte es nicht gutgetan, wenn man ihn nach diesen Themen «gebürstet» hätte:

«Buchser ist ein Kind seiner Zeit, mit allen Widersprüchen.»

Ein Korridor zum Mittelmeer

Ausschnitt aus Buchsers Werk «The Song of Mary Blane». (Bild: PD)

Ausschnitt aus Buchsers Werk «The Song of Mary Blane». (Bild: PD)

Einerseits findet man in Buchsers Tagebucheinträgen, die den roten Faden des Films bilden, rassistische Aussagen über Araber und Schwarze. Und General Lee bezeichnet er als guten und liebenswürdigen Mann. Andererseits entstehen in den USA Gemälde, die auf idyllische und sentimentale Weise das Leben der Schwarzen darstellen, was in der europäischen Malerei einzigartig ist. «Er befand sich auf der vergeblichen Suche nach dem edlen Wilden», meint Fässler.

Buchser wurde vom Bundesrat ausserdem gebeten, bei den USA vorzufühlen, ob sie mit einem Feldzug der Schweiz zur Eroberung eines Korridors durch Savoyen bis zum Mittelmeer einverstanden wären. Eine Episode, die Fässler bisher nicht bekannt war. Dies verstosse gegen alle Prinzipien Schweizerischer Aussenpolitik.

Kinok St.Gallen, Spieldaten: 29.9., 11 Uhr; 4.10., 17.15 Uhr; 8.10., 16.45 Uhr.

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