Ein sanfter Riese

Die schwarze skandinavische Gangsterkomödie «Ein Mann von Welt» ist ein vergnüglicher, bisweilen derber Spass. Der Film eröffnet am Freitag im Kinok das fünfte Nordklang-Festival.

Geri Krebs
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Rauchpause vor dem nächsten Dämpfer: Ulrik (Stellan Skarsgrd, links) in einer Szene aus «En ganske snill mann». (Bild: pd)

Rauchpause vor dem nächsten Dämpfer: Ulrik (Stellan Skarsgrd, links) in einer Szene aus «En ganske snill mann». (Bild: pd)

Das norwegische Kaff, in das Ulrik (Stellan Skarsgrd) nach zwölfjähriger Haft entlassen wird, ist von einer Trostlosigkeit, dass man sich nur fragen kann, ob es im Knast schlimmer gewesen war. Dieser Eindruck wird durch die graue Winterlandschaft noch verstärkt, die den stämmigen, grossgewachsenen Mittfünfziger mit den schütteren langen Haaren aufnimmt. Der Beginn des neuen Lebens in der Freiheit scheint jedenfalls unter keinem besonders guten Stern zu stehen. Immerhin wird Ulrik draussen erwartet: von Jensen (Björn Floberg), seinem Boss aus alten Gangstertagen, samt dessen linkischem Helfer Rolf (Gard B. Eidsfold). Jensen möchte, dass Ulrik zuerst mal alte Rechnungen begleicht – und bald einen Auftragsmord begeht; er ist aber auch mit einer Unterkunft zur Stelle.

Diese Bleibe ist ein Kellerloch im Haus von Jensens mürrischer Schwester Karen Margrethe (Jorunn Kjelsby), einer in speckige Schlabberpullis und zerschlissene Trainingshosen gekleideten Mittsechzigerin mit eher grenzwertigem Charme. Dieser äussert sich etwa in einem knapp herausgebellten «Willkommen», just in jenem Moment, als Ulrik ihr die Miete hingeblättert hat. Eine Einladung zum Essen klingt bei ihr so: «Hier, ich hab' heute zu viel für mich gekocht, das müsste ich sonst wegschmeissen – iss.» Der bedauernswerte Ulrik dient Karen nicht nur als Restenverwerter, sondern muss ihr bald auch sexuell zu Diensten stehen.

Lakonisch und knochentrocken

Der wortkarge Mann lässt dies mit der gleichen stoischen Ruhe über sich ergehen wie all die anderen Kalamitäten, die sich auf seinem Weg in die Resozialisierung ereignen. Dazu gehören etwa ein mittlerweile erwachsener Sohn, der seiner Frau erzählte, sein Vater sei tot. Oder dann gibt es einen aufdringlichen Widersacher, der Ulrik mehrmals an dessen Arbeitsplatz, einer Autowerkstatt, aufsucht.

Man hat Mitleid mit dieser verkrachten Existenz bei ihren Anstrengungen in einer von Hindernissen gesäumten eisigen norwegischen Kleinstadt. Dennoch ist es ein Vergnügen, Ulrik dabei zuzusehen, wie er immer wieder strauchelt und gleich wieder aufsteht. Der Film bietet ein wahres Feuerwerk an lakonischem Humor und trockener Situationskomik und fährt ein beachtliches Sammelsurium skurriler Figuren auf. In seinen besten Momenten sieht «En gnaske snill mann» (Ein Mann von Welt) dann so aus, als hätten sich die Gebrüder Coen einige Gestalten aus Federico Fellinis Universum ausgeborgt, um daraus eine Parodie auf einen Kaurismäki-Film zu schaffen.

Skandinavische Co-Produktion

Vielleicht hat der sehr spezielle Mix etwas damit zu tun, dass hier ein Spitzentrio aus drei skandinavischen Ländern zusammengearbeitet hat: Regisseur Hans Petter Moland ist Norweger, Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson ist Däne und Hauptdarsteller Stellan Skarsgrd gehört in seiner Heimat Schweden nicht nur zu den bekanntesten Schauspielern, sondern ist in seinem realen Leben auch ein ausgeprägter Familienmensch und Kinderfreund: Nicht weniger als sechs Kinder aus zwei Ehen hat der heute 59-Jährige. Vielleicht hat dieser Umstand ja einen Zusammenhang damit, dass am Ende dieser fulminanten Gangsterkomödie die Familienwerte im Zentrum stehen. An der letztjährigen Berlinale entzückte «En gnaske snill mann» die Zuschauer: er wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Freitag, 20 Uhr, Kinok Lokremise, anschliessend Showcase-Konzert; weitere Spielzeiten des Films: Sa 19., 21.30; So 20., 20 Uhr; Mo 21./Di 22., 20.30 und letztmals Mi 23., 20.30 Uhr

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