Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein Reisender in Sachen Farbe

Tag für Tag hat Carl Walter Liner seine Eindrücke mit raschen Bewegungen aufs Papier gebannt. Und hat dabei seinen ganz eigenen Kosmos erschaffen. In Appenzell ist ein Ausschnitt daraus zu sehen.
Landschaft als Schattenspiel: Carl Walter Liner «Wald, Korsika» von 1949. (Bild: Kunstmuseum Appenzell)

Landschaft als Schattenspiel: Carl Walter Liner «Wald, Korsika» von 1949. (Bild: Kunstmuseum Appenzell)

Sommer: Das ist die Zeit des Reisens, der Welt-Erkundung. Noch ist es nicht so weit, noch weigert sich der Frühling zu kommen, noch liegt sogar Schnee vor der Haustür. Wer trotzdem schon Sommer und Sonne haben will, sollte ins Kunstmuseum Appenzell gehen, das eine Sonderausstellung aus dem überreichen Fundus von Aquarellen und Gouachen des 1997 verstorbenen Carl Walter Liner bestückt hat. Hier wird er auf Reisen gehen nicht nur hinaus in die Welt, nach Ägypten, Südfrankreich, Arizona, Spanien, Griechenland, ins Engadin, sondern auch in Liners Welt der Farben und Formen.

Am Anfang steht dabei noch die Natur Pate, dann aber dominiert mehr und mehr das Expressiv-Abstrakte, auch durchaus Wilde. In «Wald, Korsika» erscheint der Mensch schmal inmitten geheimnisvoller Schatten. Noch weiter geht Liner mit «Komposition Gelb/Schwarz/Weiss/Rosa». «Das ist pure Bewegung. Was der Betrachter sieht, liegt in ihm selbst», sagt Roland Scotti, der Kurator der Heinrich Gebert Kulturstiftung, welche neben dem Kunstmuseum auch die Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell betreibt und sich massgeblich dem Werk von Vater Carl August und Sohn Carl Walter Liner widmet – daneben aber die gesamte künstlerische Moderne in Ausstellungen pflegt. Er hat aus 4000 Aquarellen und Gouachen rund hundert für diese Ausstellung ausgewählt.

Indem er reist, löst der 1914 geborene Carl Walter Liner sich von seinem Vater Carl August Liner, bei dem er das Malen gelernt hat. Und bleibt sein Leben lang ein Nomade, auch was die Wohnsitze angeht. In Paris hält er sich oft auf, weniger um zu malen, sondern um den Puls der modernen Kunst zu spüren. Gleichwohl ist und bleibt er ein Einzelgänger auch in Sachen Malerei.

Im Museum dürfen auch die Besucher malen

Man spürt das gut in den Aquarellen und Gouachen, die Scotti ergänzt hat mit einigen informativen Schaukästen – und mit zwei Malstationen, an denen Museumsbesucher im schönen, eine grosse Ruhe ausstrahlenden Museumsbau von Annette Gigon und Mike Guyer ihren eigenen kreativen Impulsen folgen können. Carl Walter Liner hat jeden Werktag mit Aquarellen und Gouachen begonnen und dabei zum einen Reisemotive, vor allem Landschaften aufs Papier gebannt, zum andern aber die Welt der Blumen, Bäume und Sträucher erkundet und in immer stärkere Abstraktion getrieben. Da und dort spürt man noch das ursprüngliche Motiv, oft aber schon nicht mehr.

Es ist die Kraft der Farbe, die von diesen Bildern ausgeht, und die sich mehr und mehr vom Gegenstand löst. «Ich halte diese Werkgruppe für eine der wichtigsten von Carl Walter Liner», sagt Roland Scotti. «Sie strahlt Energie und Lebendigkeit aus, nichts ist erstarrt.» Liner selber hat gesagt, Kunst ist dann echt, wenn «wirklich menschliche Gefühle stark zum Ausdruck kommen».

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Hinweis

Tag für Tag. Carl Walter Liner – Gouachen und Aquarelle, Museum Appenzell, bis 5.August

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.