Lesetipps Thriller: Psychoduell mit dem wahren Mörder

In Bernhard Aichners Thriller sucht der Protagonist den wahren Killer seiner ehemaligen Mitschülerin, und ein junger böhmischer Psychiater untersucht bei Craig Russel die schlimmsten Verbrecher des Landes.

Arno Renggli
Drucken
Teilen

Der Killer ist noch gefährlicher als damals

Als 13-Jähriger kam Ben in eine Anstalt, nachdem eine Mitschülerin erschlagen worden war. Ben soll der Täter sein, er glaubte es selber, weil er dabei war. Viel später kommt er als Erwachsener in die Heimat zurück. Und findet zufällig heraus, dass sein damaliger bester Freund der wahre Mörder war. Als er diesen konfrontiert, entwickelt sich ein Psychoduell. Will Ben Rache? Oder will er dem Gegenspieler wegnehmen, was der in der Zwischenzeit erlangt hat – seinen Reichtum und seine schöne Frau? Doch der Killer ist noch gefährlicher als damals.

Der Thriller des Innsbruckers Bernhard Aichner schildert im ersten Teil des Buches die traumatischen Erfahrungen, die der Protagonist als Kind im Elternhaus und dann als stigmatisierter vermeintlicher Mörder erlebt hat. Der zweite Teil schildert denn den eskalierenden Kampf mit dem Jugendfreund. Als formale Klammer dient der schnelle Wechsel zwischen normal erzählten Kapiteln und solchen, die als reine Dialoge geschrieben sind. Das funktioniert bestens und trägt zur Lektüre bei, die zunächst sehr berührend und danach ungemein spannend ist.

Bernhard Aichner: Bösland. btb, 442 S., Fr. 30.-

Das Böse wütet
bestialisch in Böhmen

Der junge böhmische Psychiater Viktor untersucht in einer Hochsicherheitsanstalt die schlimmsten Verbrecher des Landes. Er will herausfinden, ob ihre bestialischen Taten einen gemeinsamen psychologischen Untergrund haben, den er als das Böse schlechthin isolieren und heilen könnte. Zugleich wütet in Prag ein Serienkiller. Viktor muss nicht nur erfahren, dass beides zusammenhängt. Sondern dass das Böse eine konkrete Existenz hat, mit der er nicht gerechnet hat.

Der schottische Autor Craig Russell geht in seinem spannenden Thriller weit, was die Interpretation des Bösen betrifft. Dass er die Story in Böhmen und vor dem Zweiten Weltkrieg anlegt, ist indes ein geschickter Schachzug. Die böhmische Kultur und Mythologie, die Russell intensiv studiert hat, bietet einen faszinierenden Hintergrund. Und die Existenz des Bösen erhält vor dem sich bereits abzeichnenden Holocaust eine besondere Glaubwürdigkeit. Zudem ist die Zeit psychologisch von Sigmund Freud und C. G. Jung geprägt. Was Russell in die Story mit einbezieht.

Craig Russell: Wo der Teufel ruht. Rütten & Loening, 543 S., Fr. 26.-