Ein Popstar in Strumpfhosen

Am Fernseher

Martin Weber
Drucken
Teilen

Spitzes Hütchen, grüne Strumpfhosen und immer ein paar Pfeile im Köcher: Jeder kennt Robin Hood, den kühnen Räuber, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Der edle Bogenschütze aus dem Sherwood Forest ist nicht nur eine der berühmtesten Sagengestalten der Weltliteratur, sondern auch ein englischer Popstar. Vor allem in zahlreichen Filmen erleben Robin, Little John und die anderen Gefährten seit mehr als hundert Jahren Abenteuer im Kampf gegen den bösen Sheriff von Nottingham. Die erste Verfilmung des spätmittelalterlichen Stoffs datiert von 1912.

Dem Mythos Robin Hood auf der Fährte

Es gibt also jede Menge Bildmaterial, auf das Regisseur Jean-Marie Nizan für seine Doku über den kühnen Helden zurückgreifen konnte. Arte zeigt den sehenswerten Beitrag «Robin Hood – Vom Outlaw zum Popstar» im Rahmen des Schwerpunkts über die britische Popkultur. Die Dokumentation besticht nicht nur mit Ausschnitten aus berühmten Verfilmungen. Der Beitrag überzeugt auch mit seinen Interviewpartnern. Darunter Literaturwissenschafter und Filmexperten, die den Mythos Robin Hood erklären, und Regisseure wie Kevin Reynolds (er verfilmte den Stoff 1991 mit Kevin Costner), der von der Faszination berichtet, sich der Legende anzunähern.

In den Gesprächen und Analysen wird deutlich, dass die jeweilige Bearbeitung stets auch den Zeitgeist jener Epoche widerspiegelte, in der sie entstand. Mal stand Robin Hoods Kampf für soziale Gerechtigkeit und Freiheit im Vordergrund, mal sein Widerstand gegen die Obrigkeit. Und in so mancher Adaption erscheint der Rebell aus dem Wald als eine Art Superheld, der wahre Wunderdinge vollbringt. Auch die vielleicht schönste Robin-Hood-Verfilmung kommt vor: In der Disney-Zeichentrickversion von 1973 spielen Tiere die Rollen.

Martin Weber

So, 30.7., 22.10 Uhr, Arte