Ein Oscar für den «Dude»

Schon viermal war er nominiert, beim fünften Mal hat es geklappt: Jeff Bridges nahm in der Sonntagnacht den Oscar als bester Hauptdarsteller nach Hause. Eine verdiente Anerkennung für den 60-Jährigen, der seit seiner Jugend vor der Kamera steht.

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Jeff Bridges: Bald dreht der 60-Jährige seinen nächsten Film mit den Coen-Brüdern. (Bild: ky/Matt Sayles)

Jeff Bridges: Bald dreht der 60-Jährige seinen nächsten Film mit den Coen-Brüdern. (Bild: ky/Matt Sayles)

Ein Oscar für den «Dude»

Schon viermal war er nominiert, beim fünften Mal hat es geklappt: Jeff Bridges nahm in der Sonntagnacht den Oscar als bester Hauptdarsteller nach Hause. Eine verdiente Anerkennung für den 60-Jährigen, der seit seiner Jugend vor der Kamera steht. Als abgehalfterter Countrysänger in «Crazy Heart» (nächste Woche im Kino) konnte er die Experten der Academy überzeugen. Laien hingegen mögen gefragt haben, warum ausgerechnet der «Dude» den Oscar bekommt.

1998 schlurfte Jeff Bridges im Bademantel durch «The Big Lebowski», eine Komödie der Coen-Brüder. Er war der «Dude», hatte meist den Joint im Mund und den «White Russian»-Drink in der Hand, war entweder unterwegs nach Hause oder Richtung Bowlingbahn. Der Film wurde Kult, und der «Dude» zur Ikone aller Müssiggänger.

Schlurfen, Trinken, LSD

Dieser «Dude» ist an Jeff Bridges haften geblieben – woran er selber nicht ganz unschuldig ist. Schliesslich lässt er in späteren Filmen den «Dude» immer wieder aufblitzen.

Zum Beispiel schlurft er in «The Door In The Floor» (2004) im wallenden Künstlerkleid durchs Bild und schenkt sich bei jeder Gelegenheit einen Drink ein. In «The Men Who Stare At Goats» – ab Donnerstag im Kino – spielt Bridges einen Offizier der US-Armee, der statt Munition und Handgranaten lieber LSD und Blumen an seine Soldaten verteilt. Und in «Crazy Heart» besucht er schon in der ersten Szene eine Bowlingbahn.

Jeff Bridges kann aber mehr als bekiffte Althippies zu verkörpern. Seine umfangreiche Filmografie zeigt eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit und enttarnt den vermeintlich Faulen als fleissigen Schaffer. 1971 spielt er in «The Last Picture Show» den gutaussehenden Highschool-Helden und kommt damit zum ersten Mal für den Oscar in Frage. Im Science-Fiction-Klassiker «Tron» (1982) jagt er in den Schaltkreisen seines Computers bösen Programmen hinterher. In «Iron Man» (2008) beweist er als ziegenbärtiger Glatzkopf, dass er auch böse sein kann.

In «The Fabulous Baker Boys» (1989) flirtet er als Barpianist mit Michelle Pfeiffer – und spielt dabei die Klavierstücke gleich selber.

Kein Problem für Bridges: Neben seinem schauspielerischen Talent ist er auch als Maler, Fotograf, Musiker und Komponist tätig und erst noch erfolgreich. Der «Dude» würde so etwas nie zustande bringen.

Schiessen wie John Wayne

Privat gibt es über Jeff Bridges nichts Brisantes zu sagen, sein Leben gab noch nie Skandale her. Er ist seiner Frau seit bald 40 Jahren treu, er hat drei Töchter, und er engagiert sich gegen den Welthunger. Fleissig wie er ist, plant er auch schon die nächsten Filme, darunter eine weitere Zusammenarbeit mit den Coen-Brüdern. Im Western-Remake «True Grit» übernimmt Jeff Bridges jene Rolle, die im Original in den 1960er-Jahren John Wayne spielte. «The Big Lebowski»-Fans können sich also freuen. (rbe)

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