Ein letztes Adiós

Die legendären und alten kubanischen Musiker des Buena Vista Social Club befinden sich auf ihrer Abschiedstour – und kommen auch nach Bregenz. Dazu erschien soeben eine letzte CD.

Hans Keller
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Unverwüstlich: Drei Musiker des Buena Vista Social Club mit der Sängerin Omara Portuondo. (Bild: pd)

Unverwüstlich: Drei Musiker des Buena Vista Social Club mit der Sängerin Omara Portuondo. (Bild: pd)

Es war ein mehr als bemerkenswertes Ereignis. Der amerikanische Musiker Ry Cooder und der World-Circuit-Label-Produzent Nick Gold trieben 1996 in Havanna einige ältere Herrschaften und eine Dame auf, die mit musealer Nostalgie und Leidenschaft kubanische Musik von vorgestern zelebrierten. Im gleichen Jahr entstand in einer siebentägigen Session das Album «Buena Vista Social Club», das 1997 erschien und kubanische Musik der Vierziger- und Fünfzigerjahre enthielt. Koryphäen wie die unverwüstliche, 1930 geborene Omara Portuondo, die inzwischen verstorbenen Compay Segundo, Ibrahim Ferrer und Rubén Gonzalez sowie Eliades Ochoa und andere wurden ans Licht der Musikwelt der späten 90er-Jahre gezogen.

Ein erster Welterfolg

Der handgemachten, transparenten kubanischen Musik gelang es, den damals trendigen Technosound alt aussehen zu lassen. Die repetierten Grundmuster, die auf sogenannten Claves basierenden Sones, die schreitenden Guajiras, romantisch langsamen Boleros und lebhaften Guarachas vermittelten wirkliche Gefühle und Tanzbarkeit, die ein gewisses Können voraussetzten.

Das erste «Buena Vista Social Club»-Album wurde zu einem beispiellosen Welterfolg und der bestverkaufte kubanische Tonträger aller Zeiten. Der 1999 überall in den Kinos gezeigte Dokumentarfilm von Wim Wenders goss weiteres Öl ins bereits angeheizte Kuba-Fieber.

Dass zuvor nur wenige Kenner von der Musik der kubanischen Greise Kenntnis hatte, lag an der politischen und gesellschaftlichen Stellung der realsozialistisch beherrschten Insel. Castros Diktatur vertrieb Anfang der Sechzigerjahre viele ins Exil, darunter zahlreiche Musiker. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die kubanische Starsängerin Celia Cruz etwa – sie war zunächst Castro-Anhängerin gewesen – exilierte nach New York. Die erst zweijährige Gloria Estefan kam mit ihrer Familie nach Miami.

In New York entstand zu jener Zeit in der Latinoszene, was heute unter dem Begriff Salsa zu den latino-musikalischen Stilen gehört. Denn Salsa ist schlicht ein instrumental und formal aufgemotzter Son.

Das kulturelle Leben stagniert

Das kulturelle und musikalische Leben auf Kuba stagnierte lange Zeit, denn das Castro-Regime hatte sogar den Jazz als Ausdruck kapitalistischer Kultur zunächst verboten. Natürlich gab es immer wieder Berührungen mit neuen Tendenzen von aussen, aber insgesamt pflegten im Land verbliebene Leute, wie die Buena-Vista-Musiker das traditionelle Erbe.

Eine letzte Tournée

Der wichtigste Effekt, den der Riesenerfolg des Buena-Vista-Projektes zeitigte, war ein globales Interesse an weiteren Formen der Latin Music. Vor allem an der dominikanischen Musik, die sich von der kubanischen erheblich unterscheidet. Plötzlich rückten die rund fünfzigjährige romantische Bachata sowie der viel ältere Merengue in den Fokus vieler Aficionados. Sowohl eine Bachata wie Aventuras «Obsesión» (2002) als auch der von Shakira interpretierte Merengue «Loca» (2010) kletterten in die obersten Plätze der internationalen Hitparaden.

Nun ist der Buena Vista Social Club auf seiner definitiven Abschiedstour – wenngleich man sich schon öfters verabschiedet hat. Und legt mit der CD «Lost And Found» Songs vor, die es nicht auf frühere Alben schafften. Da hört man live Ibrahim Ferrers variable Vokalisen in «Bruca Manigua» und die tremolierende Stimme von Compay Segundo im Duett mit der eher nüchternen von Eliades Ochoa in «Macusa».

Buena Vista Social Club: Lost and Found (World Circuit) Live: 15.4. im KKL Luzern, 28.4. im Festspielhaus Bregenz, 30.4. im Kongresshaus Zürich

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