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Ein leidenschaftlicher Vulkan

An den beiden kommenden Adventswochenenden wird Sänger Thomas Straumann mit seiner Band Red Cube erneut Strassenmusik in den St. Galler Einkaufsgassen spielen. Doch das ist nur der weihnachtliche Teil seiner Geschichte.
Michael Hasler
Thomas Straumann: «Wir haben unser Ding durchgezogen.» (Bild: Ralph Ribi)

Thomas Straumann: «Wir haben unser Ding durchgezogen.» (Bild: Ralph Ribi)

Wäre Thomas Straumann eine topographische Auffälligkeit in der St. Galler Kulturlandschaft, dann würde wohl die Beschreibung eines Vulkans am ehesten ihm entsprechen. Wenn er lacht, füllt das schon einmal den Innenraum eines Stadtcafés; wenn er singt, sind es ganze Gassen, die er auch ohne Mikrophon beschallt. Thomas Straumann ist kein leiser, in sich gekehrter Bürger, in der Aussenwirkung viel eher einer, der mit tausend Kulturideen, kleinen und grossen Konzerten, auf Musicalbühnen oder sonstwo seine Leidenschaft auslebt. Für eine zurückhaltende St. Galler Befindlichkeit ist dies manchmal zu viel: Thomas Straumann scheidet die Geister – immer schon.

«Was mich berührt»

Jene, die es sich besonders einfach machen, kategorisieren ihn unveränderbar in der Ablage des Cover-Songs singenden Red-Cube Frontmanns. Jenen ist es einerlei, wie gut die Songs gespielt sind, wie vielschichtig die Auswahl des Repertoires sein mag oder wie gewaltig und leidenschaftlich Thomas Straumann die nimmermüden Hymnen in den Himmel oder in Konzertlokale singt. Thomas Straumann ist vieles, aber er ist vor allem ein Mensch der Leidenschaft. «Mir ging es nie darum, ob etwas erfolgreich oder zwingend wertvoll ist. Mir ging es immer um die Leidenschaft. Mir ging es darum, musikalisch das zu tun, was mich berührt und erfüllt», sagt der 45-Jährige über sein kulturelles Selbstempfinden.

Wacher Kultur-Mitdenker

«Tomtom» – wie er in der Szene genannt wird – ist einer, der einen bestimmten Teil der Kultur dieser Stadt seit über 30 Jahren mit lenkt – und hellwach mitdenkt. Dass man all dies allzu gerne ausblendet, – seine Jahre in der Geschäftsleitung des OpenAir St. Gallen, sein Engagement für Musig uf dä Gass oder sein Mitantreiben der «Pop Me Gallus»-Idee in den 1990er-Jahren – mündet letztlich in einem verbalen Fauxpas im Zusammenhang mit der Meisterfeier des FC St. Gallen. Thomas Straumann, der sich in seiner gesamten Jugend in der linksalternativen Szene bewegt hatte, oder mit seiner Band Gentle Rebels einen Anti-Gewalt-Song realisierte, leistete sich beim Soundcheck zur anstehenden FCSG-Meisterfeier im damaligen Espenmoos einen verbalen «Sauglattismus», indem er ein an Gefechtssalven erinnerndes Geräusch mit einem Nazi-konnotierten Spruch kommentierte.

Mediale Schlachtung

Was folgte war eine mediale Hetzjagd auf den Frontmann, die ihn binnen weniger Tage vom linksliberalen Bürger zum Rechtsextremen stilisierte. «Seither bin ich medienphobisch», sagt er sardonisch. Ganz sind die Wunden jener Zeit bis jetzt nicht verheilt, lässt Thomas Straumann durchblicken. Einzelne Verträge zwischen Red Cube und Konzertanbietern oder auch dem SF DRS wurden als direkte Folge aufgelöst und die Band wurde immer wieder verbal angeschossen. «An ein Aufhören hatten wir damals nie gedacht. Im Gegenteil, wir haben unser Ding durchgezogen.»

Ehrlichste Art zu musizieren

Inzwischen steht die Band praktisch unverändert seit bald 15 Jahren auf der Bühne. Sie sind – ob man sie mag oder nicht – Teil des St. Galler «Musik-Inventars» geworden. Kein Stadtfest, dass ohne sie stattfindet, kaum eine Ehrung, die ohne Straumann und Co. abläuft; so zumindest sagt es einem das Empfinden.

Wie seit mehreren Jahren sind Red Cube an den beiden Adventswochenenden vom 10./11. sowie vom 17./18. Dezember jeweils ab 13.30 Uhr an verschiedenen Orten in der St. Galler Innenstadt mit Strassenmusik zu hören. «Strassenmusik ist für mich die vielleicht ehrlichste Art des Musizierens. Unmittelbarer kann man Menschen nicht ansprechen»», sagt Straumann, der vor drei Jahrzehnten erstmals ein Mikrophon im damaligen Africana auf einer Bühne in die Hand nahm, durchaus ausgesöhnt mit sich und der Welt.

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