Ein Leben lang verletzlich

Die Trauer um den Tod des 77jährigen Schauspielers Götz George ist gross. Er war einer der herausragenden deutschen Darsteller der Gegenwart. George war einer, der es sich im Leben und Beruf nicht leicht machte.

Andreas Stock
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Am 28. Juli 1981 wurde Fernsehgeschichte geschrieben und ein Star geboren. «Duisburg-Ruhrort» hiess der erste «Tatort» mit Kommissar Horst Schimanski. «In der ersten Szene soff er ein rohes Ei, kurz darauf fiel das Wort <Scheisse>, das deutsche Fernsehen war neu erfunden», schreibt Christian Buss auf «Spiegel online» über den ersten Schimanski-Krimi. 48mal hat Götz George die Paraderolle «mit unkapputbarem Schnauzergrinsen» und im Parka verkörpert, nach «Tatort» in der eigenen TV-Reihe; «Schimanski» gab es zum letzten Mal im November 2013.

Début mit Romy Schneider

Das Fernsehen machte George populär, doch begonnen hatte er am Theater und im Kino. Neben seiner Mutter Berta Drews stand er früh auf der Theaterbühne; 1953 debütierte er neben Romy Schneider in «Wenn der weisse Flieder wieder blüht»; in den Sechzigern spielte er in drei Karl-May-Verfilmungen, darunter «Unter Geiern», mit. Mit dem Furor des Neuen deutschen Films eines Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog hatte er aber nichts gemein – Fassbinder liess er 1972 abblitzen. «Mir war dieses Anti-Theater von Fassbinder und seinen Leuten zu albern», sagte Götz George einmal.

In St. Gallen auf der Bühne

Dafür spielte er in jenen Jahren viel Theater. Mit dem Berliner Tournée-Theater war er unter anderem 1977/78 mit den beiden Tschechow-Kurzstücken «Der Bär»/Der Heiratsantrag» auch am Stadttheater St. Gallen zu erleben. Später kamen sie, die grossen Kinorollen: «Schtonk!» (1992), «Der Totmacher» (1995), «Rossini» (1997) – und mit ihnen Preise und Auszeichnungen.

In den Nachrufen der deutschen Medien ist auch über den Einzelgänger und unbequemen Menschen George zu lesen. «Im Kampf mit sich selbst hat er unerhörte Energien freigesetzt», schreibt Buss. Regisseur Hajo Gies, der mehrere «Schimanski»-Filme inszenierte, äusserte über George, der als schüchtern galt, was er oft hinter schnoddrigem Auftreten versteckte: «Er ist ein Schauspieler mit Ecken und Kanten, impulsiv und schnell verletzbar – deshalb auch das Misstrauen gegenüber anderen Menschen und der Presse».

Götz George selbst sagte über seinen Zugriff auf schwierige Rollen: «Du musst verletzt werden im Leben und verletzlich bleiben, sonst kannst du gewisse Dinge nicht spielen. Wenn man sich nach 75 Jahren ansieht, welches Spektrum man so gespielt hat, sind es die Verletzlichkeiten, die am Ende zählen.»