Ein Lama aus Basel und ein bekiffter Esel

Der Schauspieler Samuel Mosima aus Weinfelden bringt sein erstes Solostück auf die Bühne, spielt Bauer und mehr als ein Dutzend Tiere. «Der Bauernhof» klingt nach Idylle, doch es geht um den Umgang mit Fremden und wie unterschiedlich Ansichten sein können.

Dieter Langhart
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Samuel Mosima probt für sein Stück «Der Bauernhof». (Bild: Dieter Langhart)

Samuel Mosima probt für sein Stück «Der Bauernhof». (Bild: Dieter Langhart)

WEINFELDEN. Wa isch da för en Lärm!, ruft der Geissbock Zottel, Skandaal, schreien die Hühner. Ales isch ganz normal, beruhigt der Bauer. Dieser Bauer auf seinem Hemetli irgendwo im Ausserrhodischen ist eigentlich gar kein Bauer. Er heisst Sämi und stellt sich ein Leben als Bauer vor, stellt sich vor, wie es wäre, wenn er sein Elternhaus als Hof bewirtschaftete. Und fragt sich, wie seine Tiere wären.

Zirkustiere suchen Asyl

Was wäre, wenn… Wenn im Leben etwas anders geworden wäre: Das ist eines der Themen im Theaterstück «Der Bauernhof», der ersten Soloproduktion des Weinfelders Samuel Mosima. Der 32-Jährige ist in der Nähe von Trogen aufgewachsen, als Samuel Mosimann. An der Comart in Zürich hat er Bewegungstheater gelernt – und das sieht und hört man dem Stück jede Sekunde an.

Da kräht der Hahn zwischen seine gackernden Hühner, da blöken die Schafe und stöhnt der Muni im Stall und schreit der bekiffte Esel, da reckt ein Schimpanse die Arme und wankt ein Bär über die Bühne. Ein Affe? Ein Bär? Ein Lama gar? Auf einem Appenzeller Bauernhof? Sie gehören zum Zirkus «Alibaba und die vierzig Tiere», der im Dorf gestrandet ist, und bitten um Asyl. Jetzt braucht es eine Versammlung und eine Abstimmung.

Rasante Rollenwechsel

Samuel Mosima hat drei Monate in Kroatien verbracht, hatte Zeit für sich und einen Hof mit Tieren um sich. Da erinnerte er sich an George Orwells «Farm der Tiere», da entstand die Idee zu dem Stück, das viel von einer Parodie hat. «Eine Satire ist <Der Bauernhof> nicht», sagt der Schauspieler. Ein herziges Kinderstück aber auch nicht.

Mosima fegt über die requisitenlose Bühne, wenn er nicht als behäbiger Bauer da steht, wechselt blitzschnell zwischen den Tierrollen, gibt jeder mit Körper und Stimme ein zugleich arttypisches und ironisch überzeichnetes Profil. Und setzt Sprache als wichtiges Charakteristikum ein: Der Tiger nuschelt tamilisch, das Lama hat den schleppenden Balkanakzent drauf und spuckt auf den Boden, Problembär und Hengst sind Bündner, der Muni bernert, der Esel baslert, nur das Federvieh stammt von hier.

Final in Olten, Try-out in Trogen

Roland Lötscher, Schauspieler und Leiter des Theaters Bilitz, setzt sich als œil extérieur in die Probe, schaut genau hin, rät hier zu mehr Tempo, da zu einem Positionswechsel, zeigt auf, wo der Zuschauer etwas nicht nachvollziehen könnte. Lötscher war auch vergangenen Oktober bei Mosimas Try-out in Trogen dabei, half bei den Übergängen und bei der Leitfigur des Bauern.

Mosima war mit seiner Stückidee am ersten Oltner Kabarett-Casting 2012 in den Final gekommen, feilt seither an Rollen, Sätzen, Details – das Skript ist übersät von Handnotizen. In den Proben erhalten die Tiere mehr und mehr Profil, wächst die Geschichte weiter. «Das Stück soll offen und fliessend bleiben», sagt Roland Lötscher. Und freut sich über jede neue Nuance, die Samuel Mosima ins Spiel bringt.

Sa, 31.1., 20.15 Uhr, Theaterhaus Thurgau, Weinfelden. Reservation: 071 622 20 40 oder www.theaterhausthurgau.ch