Ein Kulturklima, von dem alle profitieren

Der künstlerische Leiter der Kellerbühne Matthias Peter kann auf eine erfolgreiche Spielzeit 2010/11 zurückblicken. Im Gespräch zum Saisonschluss nennt er Gründe dafür, wieso er nicht unter Erfolgsdruck steht oder warum er den neuen Raum für Literatur sehr begrüsst.

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Matthias Peter Leiter der Kellerbühne (Bild: Quelle)

Matthias Peter Leiter der Kellerbühne (Bild: Quelle)

Herr Peter, wie sieht Ihr Fazit der abgeschlossenen Spielzeit aus?

Matthias Peter: Sehr erfreulich. Wir haben erneut mehr Zuschauer erreicht und dürfen erstmals über 13 000 Besucher zählen. Wir können unsere Auslastung vermutlich auf über 60 Prozent steigern.

Sie haben mit dem Slogan «Blinddate mit Qualitätsgarantie» geworben. Ist das Vertrauen des Publikums ins Programm gestiegen?

Peter: Mein letztjähriger Wunsch, dass das Publikum neugierig sein möge auf anspruchsvollere, unbekanntere Produktionen, hat sich ein Stück weit erfüllt. So durfte zum Beispiel Jens Nielsen vor ausverkauftem Haus spielen. Er sagte, dass er das noch in keinem Theater geschafft habe. Aber auch das «Pessoa»-Stück hat durchschnittlich mehr Besucher erreicht als ähnliche Produktionen in früheren Jahren.

Wissen Sie die Gründe dafür?

Peter: Es ist eine Entwicklung der letzten sieben Jahre. Wir erreichen mit unserem Programm immer grössere Kreise. Aber es ist leider auch immer noch so, dass bei neuen oder weniger bekannten Namen der erste Abend spärlicher besucht ist. Es braucht weiterhin die Mundpropaganda sowie Medienberichte, um dem Publikum neue Künstler näherzubringen.

Es ist sicher ein gutes Gefühl, jedes Jahr einen Zuwachs verzeichnen zu können. Entsteht daraus auch ein Erfolgsdruck, immer noch mehr erreichen zu müssen?

Peter: Nein, einen Druck oder gar Zwang zum Wachstum gibt es nicht. Es geht nicht darum, nur noch «Saalfüller» zu programmieren. Meine Ambition geht eher dahin, dass jede Saison qualitativ so gut wie die letztjährige sein soll. Es bleibt das klare Bekenntnis zu anspruchsvoller Unterhaltung. Im kommenden Herbst wird es zum Beispiel einen Schwerpunkt mit literarischen Produktionen geben. Man könnte vielmehr sagen, dass die guten Besucherzahlen mir die Sicherheit geben, um vermehrt anspruchsvolle Abende planen zu können.

Es gab zahlreiche Veranstaltungen und Veranstalter mit literarischen Programmen. Neu gibt es einen Raum für Literatur in der Hauptpost. Hat das einen Einfluss auf die Kellerbühne?

Peter: Ich denke nicht. Die Autorenlesungen sind etabliert und werden gut bis sehr gut besucht. Dass regionale Autorinnen und Autoren im neuen Raum eine Plattform finden, begrüsse ich. Denn oft ist es mir wegen langfristiger Terminplanung gar nicht möglich, solche eher kurzfristigen Veranstaltungen aufnehmen zu können. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass sich das Kulturklima in den letzten Jahren mit dem gewachsenen Angebot eher verbessert hat. Und dass davon eigentlich alle Institutionen profitieren: Man geht mehr an Kulturveranstaltungen.

Sie hatten auch eine intensive Saison als Schauspieler. Sie traten mit zwei Horváth-Programmen auf, mit einer Krimilesung und mit dem «Pessoa»-Stück. Wer beutet wen mehr aus? Der Theaterleiter den Schauspieler oder umgekehrt?

Peter: Weder noch. Eigentlich hole ich mir als Schauspieler jene Kraft, die ich als Theaterleiter brauche. Die Eigenproduktionen erlauben mir, meine kreative Ader leben zu können. Ich werte das im Gegensatz zu den Aufgaben als Theaterleiter nicht als Arbeit. Eigenproduktionen waren von Anfang an Teil meines Arbeitsvertrages und stehen mittlerweile auch in unserer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton.

Es wird also auch in der nächsten Saison eine Eigenproduktion der Kellerbühne geben?

Peter: Ja, im Frühling 2012. Die Kellerbühne plant, dem St. Galler Publikum den französischen Autor George Perec mit dem Stück «Die Kartoffelkammer» sowie Begleitprogrammen ausserhalb der Kellerbühne vorzustellen.

Die Kellerbühne bekommt auf die nächste Spielzeit eine neue Bestuhlung. Was passiert mit den alten Holzklappstühlen, die man einst aus der Tonhalle erhalten hatte?

Peter: Gut ein Drittel geht an unser langjähriges Personal. Die übrigen Stühle werden ein Weiterleben erhalten. Sie sollen restauriert werden und man dürfte ihnen danach in einem Lokal der Stadt wieder begegnen. Welches das sein wird, muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Überraschung bleiben.

Der Sommer ist zur Erholung da. Aber gibt es doch noch kulturelle Termine oder Vorhaben?

Peter: Nein. Ich freue mich auf Naturerlebnisse und Musse zum Lesen, zum Beispiel Bücher der Autoren, die im Herbst in der Kellerbühne zu Gast sein werden.

Interview: Andreas Stock

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