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Ein komischer Ringeltanz zum Belcanto

Es ist nicht alles Musikdrama, wo Oper draufsteht. Vincenzo Bellinis «I Puritani» geraten am Opernhaus Zürich szenisch flau und überzeugen auch musikalisch nicht. Die Feinheit geht in den Chören und Ensembles verloren.
Tobias Gerosa
Elvira (Pretty Yende) und Sir Giorgio (Michele Pertusi). (Bild: Judith Schlosser)

Elvira (Pretty Yende) und Sir Giorgio (Michele Pertusi). (Bild: Judith Schlosser)

Wie der Monolith in Stanley Kubricks «2001. A Space Odyssey» steht ein schwarzer Bretterzylinder auf der Bühne, dunkel dreht er sich. Zwei Flüchtlinge kommen, nach der nächsten Drehung ist das Silo offen, hell ist's drinnen, und die Puritaner köpfen den Mann, der offensichtlich der katholische König ist, und nehmen die Frau (Liliana Nikiteanu) gefangen – was mit ihr geschieht, ist nur angedeutet. Der Zylinder dreht weiter. Er wird das die folgenden gut drei Stunden fast konstant tun.

Eingeengte Geschichte

Henrik Ahrs Raumidee für Vinzenco Bellinis Oper «I Puritani» wirkt an sich überzeugend. Doch das Problem beginnt schon mit den historisierenden Kostümen. Sie engen die Geschichte auf einen Realismus ein, den Regisseur Andreas Homoki eigentlich vermeiden wollte.

Eine Idee nutzt sich ab

Die Idee des auftauchenden Bildausschnittes nutzt sich ab, und vor dem Zylinder stauen sich rasch die Chormassen (auch akustisch eher dröhnend denn subtil), während die Solisten sich nach ihren obligaten Runden mal rechts-, aber meistens linksrum rasch in Posen retten: Ein unfreiwillig komischer Ringeltanz. Zwar versucht Homoki, die Geschichte durch zahlreiche Szenen mit stumm anwesenden Sängern klarer zu machen, und betont die implizit allgegenwärtige Gewalt, führt am Schluss das Schicksal des entmachteten Königs und des Liebespaares der Oper parallel.

Doch über weite Strecken herrscht erschreckend ungeführte altmodische Opernkonvention mit gereckten Degen und treffsicherer Annäherung an die Rampe, je höher die Töne werden (was dem Intendanten einige Buhs einbrachte). So lässt sich die unlogische Geschichte nicht retten, auch wenn es der Inszenierung mehr um die Begründung der gesungenen Seelenzuständen geht denn um lineares Erzählen.

Druck statt Stimmung

Die könnte die Musik einlösen – wenn Generalmusikdirektor Fabio Luisi nicht zu laut und zu heftig versuchen würde, seine These von der sinfonischen Qualität der Musik zu beglaubigen. Vor allem in den Ensembles und Chören herrscht da enormer Druck, der auf die Feinheit der Musik geht – was das Wesen des Belcanto wäre. Zu wenig szenische Führung und laute Begleitung ergeben eine sehr ungünstige Grundlage für die Sänger, Musiktheater zu schaffen.

Michele Pertusi und George Petean flüchten stilistisch sicher in Routine. Lawrence Brownlee in der sehr exponierten und dabei nicht sehr dankbaren Partie Arturos, des Geliebten, prunkt mit bombensicherer Höhe, auch wenn sie sehr nasal klingt, dazu wirkt er szenisch völlig alleingelassen. So hängt sehr viel an der jungen Debütantin Pretty Yende als Elvira.

Glasig klirrende Höhen

Im ersten Teil irritieren ihre glasig klirrenden Höhen, auch mit der Intonation hapert's. Doch wenn sie im zweiten Teil ihre zwischen Verschattung und brillanten Koloraturen wechselnde Wahnsinns-, Erholungs-, wieder Wahnsinns- und schliesslich falsche Freudenarien singen kann, klingt sie innig und wagt auch dynamisch mehr.

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